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Kampf gegen den Krebs: Nobelpreis für Medizin geht an drei Zellforscher

Trio aus den USA und Großbritannien  

Kampf gegen den Krebs – Medizinnobelpreis für Zellforscher

07.10.2019, 15:49 Uhr | dpa

 (Quelle: Reuters)
Medizin-Nobelpreisträger mit neuen Methoden gegen Blutarmut

Das Karolinska-Institut in Stockholm teilte am Montag mit, dass die US-Amerikaner William Kaelin, Gregg Semenza und der Brite Peter Ratcliffe den Preis erhalten. (Quelle: Reuters)

Forschung im Kampf gegen Krebs: Der erste Nobelpreis des Jahres 2019 geht an drei Mediziner. (Quelle: Reuters)


Der erste Nobelpreis des Jahres 2019 geht an drei Mediziner. Ihre Forschungsergebnisse könnten im Kampf gegen Blutarmut, Krebs und viele andere Erkrankungen helfen.

Den Nobelpreis für Medizin teilen sich in diesem Jahr die US-Zellforscher William Kaelin and Gregg Semenza und ihr britischer Kollege Peter Ratcliffe. Sie erhielten die Auszeichnung für ihre Entdeckungen zu der Frage, wie Zellen unterschiedliche Sauerstoffmengen messen und sich daran anpassen können, teilte das Nobel-Komitee am Montag in Stockholm mit. Die Entdeckungen der Forscher helfen unter anderem im Kampf gegen Krebs.

Nobelpreis für Zellforscher: Die Grafik zeigt die Forschungsergebnisse der ausgezeichneten Wissenschaftler zu molekularen Mechanismen, mit denen Zellen den Sauerstoffgehalt wahrnehmen und sich daran anpassen. (Quelle: The Nobel Assembly at Karolinska Institutet)Nobelpreis für Zellforscher: Die Grafik zeigt die Forschungsergebnisse der ausgezeichneten Wissenschaftler zu molekularen Mechanismen, mit denen Zellen den Sauerstoffgehalt wahrnehmen und sich daran anpassen. (Quelle: The Nobel Assembly at Karolinska Institutet)

Labore arbeiten an Medikamenten zur Sauerstoffaufnahme und -aktivierung

Seit langem sei bekannt, wie lebenswichtig die Sauerstoffversorgung von Zellen und anderem Gewebe des Körpers ist – doch lange Zeit sei es ein Rätsel gewesen, wie Zellen Veränderungen des Sauerstoffgehalts erkennen und darauf reagieren, erklärte das Komitee. Die drei Forscher hätten mit ihren Arbeiten herausgefunden, wie Zellen unterschiedliche Mengen von Sauerstoff messen können, darauf reagieren und welche "molekularen Mechanismen" dabei eine Rolle spielen.

Diese Mechanismen spielen beispielsweise auch bei Tumoren eine Rolle, deren Wachstum von der Sauerstoffversorgung des Bluts abhängt – insbesondere bei einigen schnell wachsenden Krebsarten wie Leberkrebs, die so viel Energie verbrauchen, dass sie den gesamten um sie herum verfügbaren Sauerstoff verbrennen.

Mit ihrer Forschung machten die drei Wissenschaftler den Weg frei für "vielversprechende neue Strategien zur Bekämpfung von Anämie, Krebs und vielen anderen Krankheiten", erklärte die Nobelpreis-Jury. Universitätslabore und Pharmafirmen arbeiteten nun intensiv an der Entwicklung von Medikamenten, die in verschiedenen Stadien einer Krankheit eingreifen können, indem sie entweder den Mechanismus der Sauerstoffaufnahme aktivieren oder blockieren.

Die Gewinner

Der 61-jährige Kaelin arbeitet am Howard Hughes Medical Institute in den USA, der 63-jährige Semenza leitet das Gefäßforschungsprogramm am John Hopkins Institute for Cell Engineering Research. Der 65-jährige Ratcliffe ist Direktor für klinische Forschung am Francis Crick Institute in London und am Target Discovery Institute in Oxford.

Semenza untersuchte das Gen EPO, das die Bildung der roten Blutkörperchen fördert. Zudem konnte er die DNA isolieren, die bei der Anpassung an niedrigen Sauerstoffgehalt hilft. Gemeinsam mit Ratcliffe wies er nach, dass dieser Mechanismus zum Erkennen von Sauerstoff in praktisch allem menschlichem Gewebe steckt.

Kaelin gelang es, das Gen VHL zu identifizieren, das bei Patienten mit bestimmten genetischen Störungen zu einem größeren Krebsrisiko führt. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Reaktion von Krebszellen auf ein niedriges Sauerstoffniveau. Die drei Forscher teilen sich das Preisgeld in Höhe von umgerechnet 830.000 Euro. Der Nobelpreis wird ihnen am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, in Stockholm verliehen.

Im vergangenen Jahr war der Medizin-Nobelpreis an die Krebsforscher James P. Allison aus den USA und Tasuku Honjo aus Japan gegangen. Ihre Arbeiten hatten zu einer neuen Art der Krebstherapie geführt, bei der das eigene Immunsystem zum Kampf gegen die Krebszellen eingesetzt wird.

Zwölf Frauen seit 1901

Seit 1901 haben 216 Menschen den Medizin-Nobelpreis erhalten, darunter 12 Frauen. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie. Im vergangenen Jahr hatten der US-Amerikaner James Allison und der Japaner Tasuku Honjo den Preis für die Entwicklung von Immuntherapien gegen Krebs erhalten.

Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Preises benannt. Am Donnerstag folgt die Bekanntgabe der diesjährigen Literatur-Nobelpreisträger. In diesem Jahr werden ausnahmsweise zwei Autoren geehrt, da der Preis 2018 nach einem Skandal im Jurygremium nicht vergeben wurde.

Friedensnobelpreis wird am Freitag verkündet

Am Freitag wird bekannt, wer den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält. Die Verkündung der Preisträger endet am folgenden Montag, 14. Oktober, mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten sogenannten Wirtschaftsnobelpreis. Die feierliche Vergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.
 


Bereits am 25. September waren die vier Träger der diesjährigen Alternativen Nobelpreise von der Right Livelihood Stiftung bekannt gegeben worden. Es sind die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die Menschenrechtskämpferin Aminatu Haidar aus der Westsahara, die chinesische Frauenrechtlerin Guo Jianmei sowie der brasilianische Ureinwohner Davi Kopenawa.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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