Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Was wir ├╝ber Genesene wissen - und was nicht

Von dpa
Aktualisiert am 28.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Die politische Entscheidung, dass Genesene nur noch knapp drei Monate als gesch├╝tzt gelten, sorgt vielfach f├╝r Unmut und Unverst├Ąndnis.
Die politische Entscheidung, dass Genesene nur noch knapp drei Monate als gesch├╝tzt gelten, sorgt vielfach f├╝r Unmut und Unverst├Ąndnis. (Quelle: Marcus Brandt/dpa./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Frankfurt/Main (dpa) - Der Immunologe Carsten Watzl spricht von "Blindflug": Zwei Jahre nach Beginn der Pandemie wei├č niemand in Deutschland halbwegs genau, wie viele Menschen bis zum jetzigen Zeitpunkt von einer Corona-Infektion genesen sind.

Bis zu 20 Millionen k├Ânnten es durchaus sein, sch├Ątzt der Generalsekret├Ąr der Deutschen Gesellschaft f├╝r Immunologie. Die Entscheidung, die Dauer des Genesenen-Status bei den Corona-Schutzma├čnahmen auf drei Monate zu halbieren, findet Watzl "nicht nachvollziehbar". Genesene sollten Geimpften gleichgestellt werden.

"Zahlreiche Studien" h├Ątten herausgefunden, dass Menschen, die von Covid-19 genesen sind, sich in den Monaten darauf selten erneut infizieren, erl├Ąutern Noah Kojima und Jeffrey Klausner in einem Beitrag im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases" vom November. Einer Studie vom September zufolge senkte eine Infektion mit dem Delta-Typ des Virus das Risiko, sich erneut zu infizieren, um mehr als 80 Prozent. Eine andere Studie zeigte, dass sich von mehr als 9000 zuvor Infizierten innerhalb eines Jahres nur 0,7 Prozent erneut ansteckten. Einschr├Ąnkung dabei: Die Variante Omikron, die verst├Ąrkt von anderen Varianten Genesene infizieren kann, kursierte noch nicht.

Immunit├Ąt ist mit Omikron variabel

"Wenn man eine Infektion durchgemacht hat, ist man immun", sagt Watzl. "Aber die Immunit├Ąt ist sehr variabel." Beim Einen sei sie sehr stark, beim Anderen eher schwach. "Im Mittel ist man etwas weniger gesch├╝tzt als mit zwei Dosen Biontech." Aber, betont Watzl, es gebe auch Vorteile: "Bei Genesenen geht der Antik├Ârperspiegel etwas langsamer zur├╝ck als bei Geimpften. Und die Antik├Ârper sind breiter aufgestellt."

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putins Plan geht auf
Olaf Scholz besichtigt das ehemalige Gef├Ąngnis "Number Four", in dem w├Ąhrend der Apartheid in S├╝dafrika auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten: W├Ąhrend der Afrika-Reise des Kanzlers wird in Deutschland hitzig ├╝ber Waffenlieferungen f├╝r die Ukraine gestritten.


Antik├Ârper sind zudem nur ein Teil des Schutzes, den der K├Ârper ausbildet. T-Zellen k├Ânnten m├Âglicherweise sogar lebenslang aktiv sein. Patienten, die sich 2002/03 mit Sars-Cov-1 infiziert hatten, wiesen laut "The Lancet Infectious Diseases" noch 17 Jahre sp├Ąter T-Zellen gegen diesen Virentyp auf. Die Autoren empfehlen der Politik explizit, Genesene mit Geimpften gleichzustellen - allerdings fiel dieses Urteil eben zu einer Zeit, als die Delta-Variante dominierte. Ist die Lage mit Omikron anders?

Situation nicht entscheidend ver├Ąndert

Watzl glaubt nicht, dass sich die Situation f├╝r Genesene durch Omikron entscheidend ver├Ąndert hat. "Studien zeigen zwar, dass viele Antik├Ârper von Genesenen die Omikron-Variante nicht mehr so gut erkennen k├Ânnen und diese Personen damit kaum noch einen Schutz vor der Infektion haben", sagt der Immunologe. "Aber diese Ver├Ąnderung gilt ebenso f├╝r Geimpfte. Wenn man den Genesenen-Status verk├╝rzt, muss man das eigentlich auch f├╝r die Impfzertifikate tun." Die Verk├╝rzung auf drei Monate sei eine "politische Entscheidung, die auf Basis der Daten nicht nachvollziehbar ist". Kritiker sagen: Bei der Entscheidung sei es vor allem darum gegangen, mehr Menschen zum Impfen zu bewegen, nicht um eine wissenschaftlich sinnvolle L├Âsung.

Die G├╝ltigkeit des Genesenen-Nachweises wurde Mitte des Monats laut Robert Koch-Institut (RKI) gek├╝rzt, "da die bisherige wissenschaftliche Evidenz darauf hindeutet, dass Ungeimpfte nach einer durchgemachten Infektion einen im Vergleich zur Delta-Variante herabgesetzten und zeitlich noch st├Ąrker begrenzten Schutz vor einer erneuten Infektion mit der Omikron-Variante haben". Die Bundesregierung beruft sich auf die Festlegung des RKI. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte am Mittwoch: "Das war jetzt keine politische Entscheidung, sondern es ist der wissenschaftliche Stand, den das RKI, das daf├╝r zust├Ąndig ist, mitgeteilt und umgesetzt hat".

Unterschiedliche Bestimmungen

Die EU-Staaten hatten sich dagegen am Dienstag darauf verst├Ąndigt, dass sich Reisende ab 1. Februar innerhalb der Union ohne weitere Auflagen frei bewegen k├Ânnen sollen, wenn sie einen g├╝ltigen Impf-, Test- oder Genesenennachweis vorlegen. Beim Genesenennachweis wird hier eine G├╝ltigkeit von 180 Tagen genannt, also sechs Monate. Deutschland und anderen L├Ąndern steht es jedoch frei, f├╝r Aktivit├Ąten innerhalb des Landes - etwa Restaurantbesuche - den Genesenenstatus k├╝rzer gelten zu lassen.

Der Virologe Hendrik Streeck, Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung, sagte der "Welt", man m├╝sse "wirklich aufpassen, dass die Entscheidungen auf fundiertem Wissen basieren und nicht willk├╝rlich getroffen werden". In einem Gastbeitrag f├╝r die "Zeit" schrieb er k├╝rzlich: "Vernachl├Ąssigt wird die wachsende Gruppe der Genesenen ... Da der Schutz nach einer Infektion vergleichbar mit dem nach einer Impfung ist, sollte der Genesenenstatus aufgewertet, sollten Genesene Geimpften gleichgestellt werden."

DasRKIsch├Ątzt die Zahl der Genesenen derzeit auf rund 7,5 Millionen (Stand Donnerstag), geht aber selbst von einer "Untererfassung" aus. "Wir wissen nicht, wer in Deutschland genesen ist, wir wissen nicht, wer nur genesen ist und wer sich sp├Ąter noch hat impfen lassen", sagt Watzl. Das sei aber wichtig, um die Gr├Â├če der viel beklagten Impfl├╝cke realistisch einzusch├Ątzen. Watzl spricht ohnehin lieber von "Immunit├Ątsl├╝cke". Die k├Ânnte durchaus kleiner sein als angenommen, sch├Ątzt Watzl, denn Genesene m├╝ssten ja zur Zahl der Geimpften dazugerechnet werden.

Als Pl├Ądoyer gegen eine Impfung will Watzl seine Aussagen explizit nicht verstanden wissen: Nach einer Infektion sei es sehr ratsam, sich dennoch impfen zu lassen. Eine solche "hybride Immunit├Ąt" sei "der beste Schutz, den die Wissenschaft aktuell kennt".

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
BundesregierungCOVID-19CoronavirusDeutschlandOmikronRKI
Justiz & Kriminalit├Ąt




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website