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Wie Putin es den Amis mal so richtig gezeigt hat

Von Wladimir Kaminer

12.11.2021Lesedauer: 5 Min.
Wladimir Putin und eine Weltraumrakete (Montage: t-online): Im Kosmos hat ganz klar Russland die Nase vorn, meint Wladimir Kaminer.
Wladimir Putin und eine Weltraumrakete (Montage: t-online): Im Kosmos hat ganz klar Russland die Nase vorn, meint Wladimir Kaminer. (Quelle: SNA/ZUMA Wire/imago-images-bilder)
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Es brauchte mehrere AnlĂ€ufe, nun ist der deutsche Astronaut Matthias Maurer im Weltall. Andere sind da lĂ€ngst weiter: Kreml-Chef Putin ließ im Kosmos sogar schon einen Film drehen. Tom Cruise bleibt da nur das Staunen, meint Wladimir Kaminer.

Am Anfang war Tom Cruise. Er wollte den ersten Film im Weltall drehen, zu diesem Zweck kam er mit seinem Filmteam nach Russland und nahm Kontakt auf mit dem Direktor von Roskosmos, der Weltraumorganisation der Russischen Föderation. Cruise ist in Russland ein gern gesehener Gast. Putin mag ihn. Auch, weil er kleine schlaue MÀnner mag, die angstfrei agieren.

Der Schauspieler suchte eine passende Rakete fĂŒr seinen Actionfilm, die ihn und sein Filmteam samt AusrĂŒstung weit genug ins Weltall schießen könnte. Der adrenalinsĂŒchtige Cruise ist dafĂŒr bekannt, dass er seine Actionszenen ohne Stuntman dreht, wie eine Eidechse auf Felsen klettert, nur mit einem dĂŒnnen Seil abgesichert vom Dach des höchsten Hauses der Welt springt, und brennende Autos zu Schrott fĂ€hrt.

Den Außerirdischen schwant Übles

Der Mann kann angeblich sechs Minuten lang unter Wasser die Luft anhalten und rĂŒckwĂ€rts schwimmen. Cruise hat auch schon in der Schwerlosigkeit eines vom Himmel fallenden Flugzeugs eine Kampfszene gedreht. Angeblich musste sie 23 Mal wiederholt werden. Welche Heldentaten hat Cruise fĂŒr seinen ersten Weltraumfilm geplant? Wollte er ohne Astronautenanzug auf der Kapsel herumschrauben, mit Meteoriten Fußball spielen, Außerirdische k. o. schlagen?

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Wladimir Kaminer ist Schriftsteller und Kolumnist. Er wurde 1967 in Moskau geboren und lebt seit rund 30 Jahren in Deutschland. Zu seinen bekanntesten BĂŒchern gehört "Russendisko". KĂŒrzlich erschien sein neuestes Buch "Die Wellenreiter. Geschichten aus dem neuen Deutschland".

Die Möglichkeiten fĂŒr Actionszenen sind auf einer Raumstation ziemlich begrenzt. Da kann man nicht allzu toll herumspringen. Aus dem Projekt wurde sowieso nichts, Cruise machte einen RĂŒckzieher ohne Angabe von GrĂŒnden. Man munkelte, die amerikanische Regierung habe dem Schauspieler verboten, mit einer russischen Rakete zu fliegen, das sei eine unpatriotische Kooperation und wĂŒrde ein falsches Signal in die Welt setzen.

So als wĂ€ren die russischen Raketen den amerikanischen ĂŒberlegen. Er solle mit einem heimischen Raumschiff wie der "Dragon" fliegen oder noch besser sein Weltraumabenteuer auf der Erde in einem Hollywood-Studio nachstellen. Die Russen waren maßlos enttĂ€uscht. Der Direktor von Roskosmos sagte, wenn die Amerikaner so feige sind, dann drehen wir unseren eigenen Film, keinen stumpfen Actionfilm, sondern eine Liebesgeschichte, denn der Kosmos soll kein Schlachtfeld, sondern ein Ort der Liebe sein.

Der Plot des Films (Arbeitstitel: "Die Herausforderung") darf nicht erzĂ€hlt werden, ich spekuliere: Einem alten russischen Kosmonauten ist auf der Raumstation schlecht geworden, er hat was am Herzen, sendet einen Notruf und flugs kommt eine junge Ärztin zu ihm hoch, die ihn am offenen Herzen im All operiert. Kaum kommt er wieder zu sich, fangen die beiden an, einander zu mögen.

Das Wichtigste vergessen

Inzwischen sind die Szenen im Weltraum abgedreht, der Regisseur und die Schauspielerin samt fĂŒnf Kameras wurden erfolgreich ins Weltall transportiert und sind zurĂŒckgekehrt, drei Kameras sind abgebrannt, zwei geblieben, die Darstellerin landete gesund und munter auf der Erde.

Die Schauspielerin, eine Ă€ußerst attraktive und begabte junge Frau, gab gleich nach der Landung, bereits gut geschminkt, Interviews darĂŒber, wie anstrengend und herausfordernd die Dreharbeiten waren. Am schlimmsten fand sie, dass man in der Schwerlosigkeit die wichtigsten Sachen nicht bei sich behalten kann – Lippenstift, Tusche, die ganze Kosmetik flog ihr stĂ€ndig aus der Hand. Sie musste ihre Utensilien mit einem Klebeband befestigen und hinter sich schleifen lassen.

Sie klebte die Sachen immer wieder mal an der einen und mal an einer anderen Ecke in der Kabine an und vergaß schließlich ihre gesamte Kosmetiktasche im Weltall. Ich hoffe sehr, sagte die Schauspielerin, dass wir bald den zweiten Teil drehen, ich vermisse mein Schminkzeug sehr.

NatĂŒrlich ist der Film schon jetzt der teuerste aller Zeiten. Wenn man den russischen KlatschblĂ€ttern glauben darf, ist die Schauspielerin die neue Freundin von Roman Abramowitsch, dem russischen MilliardĂ€r und Besitzer des Fußballvereins Chelsea. Er habe sich an den Raketenflugkosten beteiligt, behaupten die KlatschblĂ€tter. Die Dreharbeiten wurden zur Hauptnachricht des Monats, das Land ist stolz wie Bolle, Tom Cruise raucht nervös in einer Ecke.

Corona schlÀgt wieder zu

Dabei geht es Russland nicht gut, eine neue Corona-Welle rafft die Menschen zu Tausenden dahin, die Verarmung der Bevölkerung nimmt im siebten Jahr infolge trotz steigender Öl- und Gaspreise auf dem Weltmarkt zu, die Beziehungen zum Ausland sind auf einem Tiefpunkt. Und trotzdem reden alle ĂŒber den Film und sind stolz, wieder die Ersten zu sein. Die Ersten bei Dreharbeiten im Weltall.

Es war schon immer wichtiger fĂŒr meine Landsleute, etwas im Weltall zu erreichen als auf Erden. Auf der Erde kann es jeder, sagen sie, versuchen wir es im Kosmos. Wir ehemaligen Sowjetmenschen sind alle vom Kosmos gekĂŒsst. In der Romantik des Kapitalismus ging es darum, als TellerwĂ€scher anzufangen, um irgendwann MillionĂ€r zu werden, wenn alle Teller sauber sind.

Julija Peressild: Die russische Schauspielerin drehte im All.
Julija Peressild: Die russische Schauspielerin drehte im All. (Quelle: SNA/imago-images-bilder)

Wir trĂ€umten vom Universum. Überall wollten sich die Menschen auf ihre kosmische Tauglichkeit testen lassen. In meiner Kindheit trĂ€umten die MĂ€dchen, Ballett zu tanzen, die Jungs wollten aber Kosmonauten werden. In jedem Pionierschloss gab es einen "Trupp der jungen Kosmonauten", es war nicht leicht, dort Mitglied zu werden.

Man musste ein VorgesprĂ€ch mit einem bereits geflogenen oder getesteten Kosmonauten bestehen. Die Kosmonauten waren die Promis des Sozialismus, in Konzerten, Fernsehshows und bei Parteitagen saßen sie in den ersten Reihen, sie hatten ihre eigene Kosmonauten-Stadt, "SternenstĂ€dtchen" genannt, in der NĂ€he von Moskau, wo nur Kosmonauten und ihre Familien lebten.

Wer im All war, rauchte besser

FĂŒr Normalsterbliche war es unmöglich, dort reinzukommen. NatĂŒrlich sind sie nicht alle ins Weltall geflogen, aber sie waren jederzeit bereit, die Erde zu verlassen. Meine Eltern hatten in der NĂ€he des SternenstĂ€dtchens eine Datscha gemietet, wir Jungs sind oft ĂŒber die Mauer geklettert, um dort im Laden die besseren Zigaretten (der Marke "Kosmos") zu kaufen und mit den Kosmonauten in Kontakt zu kommen. Ich habe als Kind mit mehreren gesprochen, auch mit ins All Geflogenen.

Ein geflogener Kosmonaut erzĂ€hlte uns einmal, im Weltall sei es gar nicht so spannend. Am Anfang sei es hĂŒbsch, die kleinen runden Planeten, die man im Bullauge sieht, drehen sich langsam um die eigene Achse und um die Sonne herum. Doch auf Dauer könne es ziemlich öde werden. Der Weltraum, erklĂ€rte uns der alte Kosmonaut, sei ein wenig wie Sibirien. Einmal durchreisen ist okay, dauerhaft dort zu bleiben: Nein, danke.

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Tom Cruise: In den Achtzigerjahren war er mit dem Hochgeschwindigkeitsstreifen "Top Gun" sehr erfolgreich.
Tom Cruise: In den Achtzigerjahren war er mit dem Hochgeschwindigkeitsstreifen "Top Gun" sehr erfolgreich. (Quelle: United Archives/ullstein-bild)

Man weiß nun nicht genau, ob auch eine Liebesszene zwischen dem Kosmonauten und der Ärztin gedreht wurde. Angeblich seien die Liebesszenen im Weltall besonders schwierig. Bereits im vorigen Jahrhundert haben die Russen eine umfangreiche Forschung darĂŒber betrieben, ob Sex in der Schwerlosigkeit möglich ist.

Zu diesem Zweck wurden Paare ins All geschickt. Die Ergebnisse dieser Experimente waren so lala. Wenn sich zwei Menschen in der Schwerelosigkeit heftig aneinanderdrĂŒckten, flogen sie schon im nĂ€chsten Moment genau so heftig auseinander. Also mussten sie sich aneinander festschnallen. Es fließt nichts in der Schwerelosigkeit und es fĂ€llt nichts herunter. Das heißt, wenn einer der Liebenden vor Aufregung niest, wird das Ausgenießte neben ihm in der Luft hĂ€ngen.

Außerdem funktioniert die Durchblutung des Körpers im All anders. Das Blut steigt nach oben, zum Kopf, was gut fĂŒrs KĂŒssen ist. Um eine Erektion zu bekommen, muss der Kosmonaut aber einen Kopfstand machen. Die sowjetischen Kosmonauten haben sich als erstaunlich anpassungsfĂ€hig erwiesen, auch Jahre spĂ€ter noch, lĂ€ngst wieder auf der Erde gelandet, konnten sie ihre Frauen zu Hause nur auf dem Kopf stehend umarmen, so sehr hatten sie sich an das Leben im Weltraum gewöhnt, erzĂ€hlte uns der alte Kosmonaut.

Ob Tom Cruise das auch kann?

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Die in GastbeitrĂ€gen geĂ€ußerten Ansichten geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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