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Berlin: Wie die Corona-Ampel funktioniert – erste Kritik

Eigenes System statt Obergrenze  

Wie die Berliner Corona-Ampel funktioniert

13.05.2020, 13:13 Uhr | cf, t-online.de

Berlin: Wie die Corona-Ampel funktioniert – erste Kritik. Eine Verkehrsampel: In Berlin soll jetzt eine Corona-Ampel eingeführt werden. (Quelle: imago images/ktsdesign Panthermedia)

Eine Verkehrsampel: In Berlin soll jetzt eine Corona-Ampel eingeführt werden. (Quelle: ktsdesign Panthermedia/imago images)

Der Berliner Senat hat ein eigenes Warnsystem für Corona-Infektionen eingerichtet. Doch daran gibt es bereits erste Kritik. t-online.de zeigt, wie die Corona-Ampel funktioniert und was dahintersteckt.

Berlin setzt auf ein eigenes Warnsystem in der Corona-Pandemie statt der Obergrenze für Neuinfektionen, die von der Bundesregierung festgelegt wurde. Drei Indikatoren werden bei dem Berliner Modell beleuchtet: die Zahl der Neuinfektionen, die Reproduktionsrate und die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten. 

Werden bei zwei der Indikatoren kritische Marken erreicht, wolle der Senat bestehende Lockerungen auf den Prüfstand stellen, teilten Regierungschef Michael Müller und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (beide SPD) am Dienstag mit. Derzeit seien alle drei Indikatoren im grünen Bereich, so Kalayci.


Ab 30 Neuinfektionen springt die Ampel auf Rot

In der vergangenen Woche hatten sich die Länderregierungschefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einen Richtwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über eine Woche geeinigt. Das hält der Berliner Senat für zu hoch angesetzt.

In Berlin gilt deshalb künftig: Liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über sieben Tage zusammengezählt bei 20, springt die Ampel demnach auf Gelb, bei 30 Neuinfektionen auf Rot. "Unser Höhepunkt lag bislang bei 37", sagte Kalayci zur Zahl der Neuinfektionen. 

Reproduktionszahl darf nicht über 1,1 steigen

Michael Müller, Regierender Bürgermeister, und Dilek Kalayci (beide SPD), Gesundheitssenatorin: Am Dienstag haben sie das neue Corona-Frühwarnsystem des Senats vorgestellt. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)Michael Müller, Regierender Bürgermeister, und Dilek Kalayci (beide SPD), Gesundheitssenatorin: Am Dienstag haben sie das neue Corona-Frühwarnsystem des Senats vorgestellt. (Quelle: Jörg Carstensen/dpa)

Die Reproduktionszahl zeigt, wie viele Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt. Aktuell liegt sie in Berlin bei 0,79, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit mit – und liegt damit im grünen Bereich. Übersteigt die Zahl den Wert von 1,1 an drei aufeinanderfolgenden Tagen, schaltet die Ampel auf Gelb. Bei einem Faktor von 1,3 an drei Tagen hintereinander wird die Ampel Rot. Bundesweit liegt die Reproduktionzahl derzeit bei einem Faktor von 0,94.

Auslastung und Kapazität der Intensivbetten

Laut Senat gilt die Auslastung der Intensivbetten als indirektes Maß für die Belastung des Gesundheitssystems durch schwer erkrankte und intensivpflichtige Personen. Bei einer Auslastung von unter 15 Prozent zeigt die Ampel Grün, ab 15 Prozent wird sie gelb und bei mehr als 25 Prozent schaltet sie auf Rot. Bislang stieg der Wert in der Hauptstadt nicht über 15 Prozent, aktuell sind es neun Prozent. 

Schalten zwei Ampelbereiche auf Gelb, muss die Senatsverwaltung den Senat darüber informieren und Gegenmaßnahmen vorbereiten. Sind zwei Indikatoren rot, so beschließt der Senat Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Laut "Tagesspiegel" sagte Michael Müller, dass das neue Ampelsystem nicht in Stein gemeißelt sei und Indikatoren gegebenenfalls auch angepasst werden könnten.

"Zahlen sind aus der Luft gegriffen"

Patrick Larscheid, Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf: Der Mediziner kritisiert das neue Corona-Warnsystem des Berliner Senats.  (Quelle: dpa/Paul Zinken/Archiv)Patrick Larscheid, Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf: Der Mediziner kritisiert das neue Corona-Warnsystem des Berliner Senats. (Quelle: Paul Zinken/Archiv/dpa)

Doch das neue Warnsystem steht bereits in der Kritik. Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid kritisiert beispielsweise, dass die Grenzwerte bei Neuinfektionen willkürlich seien. "Die Zahl 20 und 30, für die gibt es überhaupt keine Grundlage, die ist völlig aus der Luft gegriffen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

"Ich muss Zahlenentwicklungen im Blick haben, das ist viel wichtiger als absolute Werte. Insofern bin ich mit diesem System nicht so richtig glücklich." Für Larscheid gilt das allerdings auch für die in der vergangenen Woche zwischen Bund und Ländern getroffene Festlegung von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner: "Die alte Regel hat genau dieselbe Schwäche, dass die bloße Zahl völlig willkürlich war." 

Verwendete Quellen:

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