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Energiekrise und verkorkste Stadtpolitik – Szenewirte geben auf


Energiekrise und verkorkste Stadtpolitik – Szenewirte geben auf

Von Katrin Börsch

Aktualisiert am 16.09.2022Lesedauer: 3 Min.
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James (links) und David (rechts) Ardinast: Das Frankfurter Fine-Dining-Restaurant "Stanley" schließt zum 1. Oktober.
James (links) und David (rechts) Ardinast: Das Frankfurter Fine-Dining-Restaurant "Stanley" schließt zum 1. Oktober. (Quelle: Pauline Schey)
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Das Frankfurter Szene-Restaurant "Stanley" schließt: Gründe sind Pandemie, Inflation, Energiekosten – und die zugespitzte Situation im Bahnhofsviertel.

Sieben Jahre lang haben die Brüder James und David Ardinast das "Stanley" in der Franfurter Ottostraße betrieben. Überraschend verkünden sie jetzt das Aus des beliebten Szene-Restaurants zum 1. Oktober. "Wir denken schon seit Längerem darüber nach, das 'Stanley' zu schließen", so James Ardinast im Gespräch mit t-online.

Für das Tagesgeschäft seien die letzten drei Jahre eine schwierige Zeit gewesen: "Zur Unsicherheit durch die Pandemie, die Inflation und steigende Energiepreise kommt noch die aktuelle Situation im Bahnhofsviertel." Das "Stanley" befindet sich genau genommen im Gallus – an der Grenze zum Bahnhofsquartier, die Gegend rund um die Ottostraße zählt aber für viele Bürgerinnen und Bürger gefühlt zum Bahnhofsviertel.

"Die Situation im Bahnhofsviertel ist abgerutscht. Durch die Pandemie ist es im Viertel extremer geworden. Hier versammeln sich noch mehr Menschen, die Hilfe brauchen und alleine nicht mehr klarkommen. Es scheint zurzeit in der Stadtpolitik keine wirklichen Ansätze zu geben, die Situation im Bahnhofsviertel zu verbessern." Die Gastronomen seien zwar im Austausch mit der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen und nehmen wahr, dass im Hintergrund gearbeitet werde, aber: "Ob hier wirklich bald mal was passiert, das die Situation verbessert, das können wir nicht absehen", bedauert Ardinast.

James Ardinast: "Die Herausforderungen haben sich enorm verschärft"

Die Probleme direkt vor der Tür des "Stanley" hätten sich verschlimmert: "Hier in der Ecke wird viel gedealt und inzwischen beobachten wir auch in der Ottostraße viele Drogenkranke, die sehr verwirrt und hilflos durch die Gegend laufen und sogar manchmal zu Gästen an den Tisch kommen", erklärt Ardinast. Das sei früher in diesem Teil des Viertels nicht so ausgeprägt gewesen. Seit 16 Jahren betreiben die Brüder Ardinast Gastronomie im Viertel. Vor dem "Stanley", das zu Beginn noch "Stanley Diamond" hieß, haben sie das "Chez IMA" geführt. Ende 2018 folgte darauf das "Bar Shuka" im 25Hours Hotel auf der Niddastraße – ebenfalls im Bahnhofsviertel.

Das "Stanley" in der Frankfurter Ottostraße: Seit mehreren Jahren sind die Brüder mit verschiedenen Gastrokonzepten im Bahnhofsviertel aktiv.
Das "Stanley" in der Frankfurter Ottostraße: Seit mehreren Jahren sind die Brüder mit verschiedenen Gastrokonzepten im Bahnhofsviertel aktiv. (Quelle: Steve Herud)

"Wir wissen, in welchem Viertel wir uns befinden. Als wir damals hier anfingen, gab es schon gewisse Herausforderungen. Die haben sich aber enorm verschärft." Durch das Neun-Euro-Ticket etwa seien in den letzten Monaten Drogenkranke aus ganz Deutschland nach Frankfurt geströmt, viele würden im Bahnhofsviertel hängenbleiben. "Wir kennen viele Drogenkranke aus dem Viertel schon seit Jahren und hören von ihnen, dass es selbst für sie teilweise schon zu heftig auf der Straße geworden wäre", gibt Ardinast zu bedenken. "Der Vibe hat sich geändert, die Balance im Viertel stimmt nicht mehr."

Der Frankfurter Weg sei gescheitert, ein neues Konzept müsse her

Der sogenannte "Frankfurter Weg", die Drogenpolitik, die in den 1990er Jahren nach dem Vorbild der Stadt Zürich eingesetzt wurde, greife nicht mehr, meint der Gastronom. "Es gibt bis dato noch keinen neuen Ansatz, um den hilfsbedürftigen Menschen, die auf der Straße leben, zu helfen", findet Ardinast. Die Brüder können sich grundsätzlich vorstellen, den Betrieb des "Stanley" irgendwann wieder aufzunehmen. "Aber wir gehen davon aus, dass es ein paar Jahre dauern wird, bis sich Änderungen zeigen", sagt der Gastronom.

Bevor der Winter komme, haben die Betreiber daher beschlossen, das Tagesgeschäft einzustellen. Eine gute Nachricht gebe es aber: "Wir werden die Fläche weiterhin mit Firmen-Events, eigenen Veranstaltungen und Pop-up-Konzepten bespielen", verrät Ardinast. Das sei erstmal der Plan der Betreiber, die auch Eigentümer der Fläche sind. Das werde ihnen mehr Flexibilität geben, sich auf die bevorstehenden Herausforderungen einzustellen.

Hohe Energiekosten und Inflation: Situation sei zu riskant

Die Brüder Ardinast gehen zwar nicht mehr von einem erneuten Lockdown aus. Sie befürchten aber im Winter eine ähnliche Situation wie vergangenes Jahr: "Wenn voraussichtlich viele Leute vorbeugend zu Hause bleiben und nahezu alle Weihnachtsfeiern abgesagt werden, dann konzentrieren wir uns diesen Winter lieber mal auf das 'Bar Shuka'", sagt der Gastronom. Zusammen mit der Inflation und den hohen Energiekosten sei den Betreibern die Situation zu riskant: "Wir wissen nicht genau, wie sich all das auswirken wird, und wollen gewappnet sein", betont Ardinast.

Betriebe ausschließlich für das Veranstaltungsgeschäft zu öffnen, ist ein Trend, der sich aktuell aufgrund der schwierigen Situation durch die Gastronomie zieht. Denn viele Betreiberinnen und Betreiber können sich das weniger rentable Tagesgeschäft nicht mehr leisten.

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit James Ardinast
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EnergiekriseGastronomieInflation

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