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Gastro-Öffnung in Frankfurt – große Freude auf der Berger Straße

"Licht am Ende des Tunnels"  

Gastro-Öffnung in Frankfurt – große Freude auf der Berger Straße

Von Katrin Börsch

25.05.2021, 09:01 Uhr
Gastro-Öffnung in Frankfurt – große Freude auf der Berger Straße. Verena und Thilo vor dem Frankfurter Restaurant Ginkgo: Über die Gastroöffnung freuen sie sich sehr. (Quelle: Katrin Bösch)

Verena und Thilo vor dem Frankfurter Restaurant Ginkgo: Über die Gastroöffnung freuen sie sich sehr. (Quelle: Katrin Bösch)

Seit dem 24. Mai ist die Bundesnotbremse in der Mainmetropole aufgehoben. Die Gastronomie durfte damit wieder öffnen. t-online-Reporterin Katrin Bösch war vor Ort.

Es ist Montagvormittag auf der unteren Berger Straße – ein Feiertag und somit normalerweise allerbeste Brunchzeit auf der betriebsamen Flaniermeile. Im zweiten Corona-Frühling geht es hier jedoch eher ruhig zu. Immerhin: Die Aufhebung der Bundesnotbremse in Frankfurt am Montag könnte daran etwas ändern. Der Inzidenzwert der Stadt liegt seit mehr als fünf Tagen unter 100. Das bedeutet Lockerungen, etwa für Außengastronomie, Museen, Zoos und botanische Gärten. Wer einen dieser Orte besuchen möchte, muss entweder geimpft, genesen oder negativ getestet sein. Das Ergebnis darf dabei nicht älter als 24 Stunden sein.

Aus dem Nicht heraus öffnen?

Die Meldung, dass ab Pfingstmontag Lockerungen in Kraft treten, kam freitags – nur drei Tage zuvor. Für viele Gastronominnen und Gastronomen ist das zu kurzfristig gewesen. So auch für Ajda Bekar vom Mellow Yellow Café: "Ich finde, dass die heutige Öffnung schon früher hätte kommuniziert werden sollen. Da hängt ja auch viel Vorbereitungsarbeit dran."

Mellow Yellow: Das Café wird voraussichtlich erst in ein bis zwei Wochen eröffnet werden. (Quelle: Katrin Bösch)Mellow Yellow: Das Café wird voraussichtlich erst in ein bis zwei Wochen eröffnet werden. (Quelle: Katrin Bösch)

Ein weiteres Problem seien fehlende helfende Hände: "Wir sind ein Familienbetrieb, benötigen aber natürlich auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit anpacken und die sind in den letzten Monaten in andere Branchen abgewandert." Sie werde ihr Café erst in ein bis zwei Wochen mit Bewirtung öffnen, in der Zwischenzeit gebe es aber nach wie vor das To-go-Angebot, verspricht die Gastronomin.

Ein paar Meter weiter, an dem für die untere Berger Straße so charakteristischen City Ghost Mural vorbei, steht der Pitcher’s Pub. Von außen wirkt er geschlossen, doch auf ein Klopfen hin streckt Pub-Betreiber Onur Bulut seinen Kopf aus der Tür: "Wir können erst morgen eröffnen, weil das sehr kurzfristig war und es zum Beispiel dauert, bis unsere Zapfanlage wieder richtig in Betrieb ist", sagt er. Auch Getränkebestellungen bis hin zu Essenslieferungen zu arrangieren, benötige schon etwas Zeit, erklärt Bulut.

Schlange stehen für Tests

An der Ecke Kantstraße zeigt sich ein lebhafteres Bild: Menschen stehen in einer 20 Meter langen Schlange an. Sie warten vor einem Corona-Testzentrum auf ihren Termin. Nur ein paar Schritte weiter, bildet sich schon die nächste, noch längere Schlange: Vor der "Brot Zeit-Kaiser"-Biobäckerei reihen sich die Menschen für Brötchen und Kaffee to go ein. Die bereitstehenden Tische an der Straßenfront sind verwaist. Genau zwischen zwei Sitzinseln steht eine Parkbank. Zwei Passanten nehmen darauf Platz – dafür benötigen sie keinen Testnachweis, im Unterschied zu den Bäckereitischen ringsherum.

"Wir sehen Licht am Ende des Tunnels"

Auf dem Merianplatz schräg gegenüber des Testzentrums herrscht ebenfalls emsige Betriebsamkeit: Die Mitarbeiter des hier ansässigen Restaurants Kupferstecher platzieren und säubern Tische und Bänke im großen Außenbereich mit 90 Sitzplätzen. Restaurantleiter Marcel sagt: "Wir sehen endlich Licht am Ende des Tunnels. Das ist eine Chance für uns Gastronomen", sagt er zuversichtlich. Die Frage sei nur, wie gut die Gäste die geltenden Auflagen annehmen. Viele seien sich gar nicht über die Testpflicht bewusst, meint Marcel.

Marcel, Restaurantleiter des Kupferstechers: "Das ist eine Chance für uns Gastronomen". (Quelle: Katrin Bösch)Marcel, Restaurantleiter des Kupferstechers: "Das ist eine Chance für uns Gastronomen". (Quelle: Katrin Bösch)

Für die Öffnung hätte er gerne mehr Vorlaufzeit gehabt: "Leider konnten wir sie nicht schon ein bis zwei Wochen vorher planen. Dadurch ist nicht alles da, weil ja auch die Lieferanten begrenzte Kapazitäten haben." Sorge bereite ihm das Wetter. Dass sich Gastronominnen und Gastronomen aufgrund dessen vorerst gegen eine Öffnung entscheiden, könne er gut nachvollziehen: "Bei diesen unbeständigen Temperaturen den Kostenapparat wieder hochzufahren, ist ein Risiko. Wir haben es jetzt einfach mal auf die Schnelle probiert, quasi Learning by Doing", sagt der Restaurantleiter.

Den Inzidenzwert kontrolliere er täglich, denn es könne schließlich auch gut sein, dass die Gastronomie in fünf Tagen wieder schließen müsse, gibt er zu bedenken.

"Die Freude ist riesig!"

Über einen fast voll besetzten Außenbereich zur Mittagszeit kann sich Kellnerin Sharon freuen. Sie arbeitet im Gingko, einem beliebten Restaurant mit Ganztageskonzept auf der Berger Straße, und ist zu beschäftigt, um Fragen zu beantworten. Zeit für Fragen haben jedoch Sara und Marius, die an einem der Tische auf ihre Bestellung warten. Sara ist begeistert über die Gastro-Öffnung: "Die Freude ist riesig! Wir sind gleich heute Früh um 10 Uhr zum Corona-Test gegangen, damit wir jetzt hier sitzen dürfen", sagt sie.

Dass sie sich vorher einem Test unterziehen lassen musste, empfindet sie nicht als Hürde für den Gastronomiebesuch: "Das geht ja mittlerweile wirklich super schnell, alles kein Problem." Ihre Tests haben die beiden direkt am vergangenen Freitag, als sie von der Öffnung erfahren haben, gebucht. "Der Test ist ja 24 Stunden gültig. Wir gehen heute bestimmt noch mal essen", freut sich die junge Frau.

Freudestrahlend stehen auch die Gäste Verena und Thilo vor dem Restaurant und warten darauf, platziert zu werden. "Am letzten Tag, bevor die Gastronomie schließen musste, war ich auch schon hier im Ginkgo. Das war Ende Oktober. Es hat geregnet und ich habe eine Kürbissuppe gegessen", erinnert sich die Frau. Die Öffnung wollten die beiden auch wieder hier begehen. Dafür haben sie sich zuvor testen lassen: "Wir hatten schon Angst, dass zu viel los sein wird, aber das ging total schnell. Wir konnten durch das Testzentrum direkt durchmarschieren", sagt Verena. Das Testen stelle schon einen Mehraufwand dar, gebe aber auch ein Stück Sicherheit, findet sie.

"Die Testpflicht ist nervig"

Auch im Außenbereich des nahe gelegenen vietnamesischen Restaurants Comai hat sich eine junge Familie mit Baby an einem Tisch niedergelassen. Bei den Eltern, David und Sabrina, sei die Vorfreude auf den Restaurantbesuch groß gewesen. Die vorherigen Corona-Tests empfindet das Paar jedoch als lästig: "Es ist nervig. Die Webseiten der Teststellen sind extrem unübersichtlich. Da hat man eine endlose Liste an Testzentren, kann aber nicht filtern, welche nun an Feier- oder Sonntagen aufhaben. Dann wäre da auch die Frage: Wo brauche ich einen Termin und wo nicht? Es hat ein bisschen gedauert, bis wir da durchgestiegen sind", sagt David.

"Ich habe sieben Monate perspektivlos auf der Couch herumgesessen"

Marina Oral vor dem Café Luisa: Die Eröffnung innerhalb kürzester Zeit stellte eine Herausforderung dar. (Quelle: Katrin Bösch)Marina Oral vor dem Café Luisa: Die Eröffnung innerhalb kürzester Zeit stellte eine Herausforderung dar. (Quelle: Katrin Bösch)

Auf der oberen Berger Straße, die nach Alt-Bornheim führt, steht die Betreiberin des Café Luisa vor ihrem Laden. Marina Oral hat während des Lockdowns kein Take-Away angeboten. Es wäre nicht rentabel gewesen, weil die Kolleginnen und Kollegen ringsherum die Nachfrage schon gut abdecken würden, erklärt sie.

"Ich habe sieben Monate perspektivlos auf der Couch herumgesessen, von den finanziellen Einbußen mal ganz zu schweigen", beschwert sie sich. Umso größer sei die Freude über die Öffnung, die jedoch überraschend für sie kam: "Das war schon sehr kurzfristig. Innerhalb von zwei Tagen musste ich die Mitarbeiterinnen zusammentrommeln, Einkäufe und Bestellungen machen. Wir waren rund um die Uhr beschäftigt", sagt die Café-Betreiberin. Gerade habe sie ihren ersten Gast gehabt. "Die Leute freuen sich alle. Na klar, die sind ausgehungert. Das Social Distancing war für alle schlimm", meint Oral.

Verwendete Quellen:
  • Beobachtungen und Gespräche vor Ort

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