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Hass gegen Betriebe wegen 2G-Regel: "Das ist unfassbar"

Von Katrin Börsch

Aktualisiert am 27.10.2021Lesedauer: 4 Min.
Carsten Menges und Sidney Spaeth (Montage): Wegen der 2G-Zutrittsregeln bekommen die Betreiber viel Hass ab.
Carsten Menges und Sidney Spaeth (Montage): Wegen der 2G-Zutrittsregeln bekommen die Betreiber viel Hass ab. (Quelle: Katrin Börsch/privat)
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"Zutritt nur für Geimpfte und Genesene": Wegen der Einführung der 2G-Regeln werden Gastronomen und Clubbetreiber in Frankfurt angefeindet. Sie sehen sich schrägen Vergleichen ausgesetzt.

Seit dem 16. September gilt in Hessen das 2G-Optionsmodell. Gastronomen, Clubbetreiber und seit Kurzem auch Ladenbetreiber dürfen entscheiden, ob bei ihnen 3G – also der Zutritt für Geimpfte, Genesene und Getestete – oder die strengere 2G-Regelung nur für Geimpfte und Genesene gelten soll. Da die 2G-Regelung Ungeimpfte ausschließt, gibt es Kritik an der Maßnahme. In sozialen Netzwerken erfahren manche Betreiber, die jene Regelung eingeführt haben, Hass und Anfeindungen.

So auch Sidney Spaeth vom Frankfurter Club Freud, der am 23. Oktober wiedereröffnet wurde. In seinen Club kommen nur Geimpfte und Genesene rein. Seitdem bekommt er fiese Nachrichten auf Facebook: "Manche User haben geschrieben, dass sie meinen Club boykottieren und dass sie hoffen, niemand würde zur Wiedereröffnung kommen und wir bankrott gehen", erzählt Spaeth.

Frankfurter Clubbetreiber: "2G mit Nazitum gleichzusetzen, ist für mich unfassbar"

Nach einem Zeitungsinterview, in dem sich Spaeth und ein DJ-Kollege zu der umstrittenen 2G-Regelung erklärten, habe es auf Facebook zahlreiche Hasskommentare gegeben. Teils auch mit einer Analogie zur Nazizeit. "Dann würde man ja wissen, was ich in der Zeit von 1933 bis 1945 getan hätte", gibt Spaeth die Anfeindung wieder. Die Corona-Impfkampagne mit dem zu vergleichen, was im Nazireich angerichtet wurde, sei für ihn unfassbar.

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"Durch solche Äußerungen werden die Nazi-Verbrechen relativiert", erklärt der Clubbetreiber. Auch auf persönlicher Ebene treffen ihn solche Kommentare hart: "Ich habe mich immer für Diversität und Toleranz eingesetzt", betont Spaeth.

3G kaum umsetzbar im Clubbetrieb

Für 2G habe er sich nur widerwillig entschieden. "Eigentlich bin ich eher für die 3G-Regelung, weil ich einfach keine Leute ausschließen möchte“, macht Spaeth deutlich. Er selbst sei geimpft, habe aber auch Verständnis für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollten. Ihm sei gegenseitige Toleranz wichtig.

"Man muss die Leute informieren und nicht ausgrenzen", sagt er zur Impfdebatte. Spaeth erklärt auch, warum 3G in seinem Club kaum machbar wäre: "Das würde bedeuten, dass nur 80 Leute anstelle von etwas mehr als 400 in den Club dürften. Alle müssten Maske tragen, auch beim Tanzen.

Außerdem müssten Ungeimpfte einen PCR-Test nachweisen. Spaeth kritisiert das Optionsmodell, das für Clubbetreiber keines sei. "Ich finde, dass die Impfpflicht auf dem Rücken der Gastronomen und Clubbetreiber ausgetragen wird und wünsche mir, dass die Politik klare Kante zeigt", sagt er.

Wiesbadener Pub-Betreiber wurde Gewalt angedroht

Der Wiesbadener Gastronom Carlos Roczek hat sich bereits recht früh dazu entschieden, 2G in seinem Pub einzuführen. Seit dem 13. September gilt die Regelung im Pub Roczek. Angekündigt habe der Wirt die Maßnahme sechs Wochen zuvor auf Facebook. "Ich wollte meinen Gästen die Zeit geben, sich noch schnell impfen zu lassen", sagt Roczek.

Auf die Frage, warum er sich für das 2G-Modell entschieden habe, erklärt er, dass er sich Sorgen um seine Gesundheit und die seiner Gäste mache. "Wenn in der Kneipe alle nah beieinander sitzen, ist es einfach besser, wenn alle geimpft oder genesen sind", sagt der Gastronom.

In den sozialen Medien schlugen ihm dafür Hass und sogar Gewaltandrohungen entgegen: Auf Facebook kündigte ein User an, sich Zutritt zum Pub mit einem G3-Gewehr zu verschaffen. Ein anderer zog einen Vergleich zur Nazizeit und meinte, Nichtgeimpfte würden gebrandmarkt.

Gastronom Carlos Roczek in seinem Pub "Roczek".
Gastronom Carlos Roczek in seinem Pub "Roczek". (Quelle: Pub Roczek)

Hetze sogar per Telefon

Die Hasskommentare sind mittlerweile gelöscht worden. Doch die Hetze geht weiter und habe sogar neue Dimensionen angenommen. "Es hat leider nicht aufgehört. Ich habe das Gefühl, die verfolgen einen", sagt der Kneipenwirt resigniert. Nun bekomme er neben Facebook auch Anfeindungen auf Instagram und sogar per Telefon.

Dabei wolle er doch einfach nur, dass er und seine Gäste sich im Pub sicher fühlen und keine Angst vor Ansteckungen haben müssten. "Am liebsten würde ich gar nicht mehr ans Telefon gehen", sagt der Wirt.

2G werde mit DDR-Methoden verglichen

Aufgrund des wirtschaftlichen Aspekts hat sich Carsten Menges in seiner Frankfurter Weinbar WeissGold für 2G entschieden. Seit dem 16. September gilt die Regelung im Innenbereich. "Ich habe einen kleinen Gastraum. Mit 3G könnte ich wegen der Abstandsregelung nur zehn Leute reinlassen. Das würde sich nicht rentieren", erklärt der Gastronom.

Auf der Terrasse gelte weiterhin 3G. Trotz dieses Mischkonzeptes und der nachvollziehbaren Begründung ist der Gastronom online Hasskommentaren ausgesetzt. "Die Äußerungen fallen nicht etwa auf Facebook, sondern werden per Google-Bewertungsplattform veröffentlicht. Da ist zum Beispiel ein User, der meinem Laden eine Ein-Stern-Bewertung gibt und kommentiert, dass ich in der DDR besser aufgehoben sei", sagt Menges.

Anspielungen auf das Dritte Reich sind in den Google-Bewertungen ebenfalls zu lesen: "Leider 2G. Die Erzählungen vom Großvater wie die Ausgrenzung damals angefangen hat kann man hier hautnah erleben", schreibt ein User. Andere nutzen ein Vokabular, das wie das der sogenannten "Querdenker" und anderen Verschwörungsideologen anmutet. Menges empfindet die Negativbewertungen nicht als geschäftsschädigend: "Die sind in der Minderheit. Ich stehe da echt drüber."

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