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Hamburg: Wie Olympiasieger Fürste zum Top-Anbieter von Coronatests wurde

Bald 25 Zentren in Hamburg  

Wie Olympia-Sieger Fürste zum Top-Anbieter von Coronatests wurde

Von Eva Puschmann und Arne Henkes

28.03.2021, 10:49 Uhr
Hamburg: Wie Olympiasieger Fürste zum Top-Anbieter von Coronatests wurde. Früher feierte er seine Erfolge auf dem Hockeyplatz, heute im Büro: Der Ex-Nationalspieler ist einer der Top-Anbieter von Corona-Schnelltests in Hamburg. (Quelle: dpa/Georg Wendt)

Früher feierte er seine Erfolge auf dem Hockeyplatz, heute im Büro: Der Ex-Nationalspieler ist einer der Top-Anbieter von Corona-Schnelltests in Hamburg. (Quelle: Georg Wendt/dpa)

Zweimal Gold und einmal Bronze bei den Olympischen Spielen: Moritz Fürste war Hockey-Nationalspieler und kann sich viele Auszeichnungen auf die Fahne schreiben. Heute kämpft er nicht mehr um Medaillen, sondern gegen Corona und ist dabei ausgesprochen erfolgreich.

"Wie die Jungfrau zum Kinde", so beschreibt Moritz Fürste selbst, wie er dazu gekommen ist, Corona-Schnelltestzentren in Hamburg aufzubauen. Es sei nicht das erste Mal in seinem Leben, dass er in eine Aufgabe hineingestolpert sei, erklärt der 36-Jährige gegenüber t-online.

In dieser und der nächsten Woche wird Fürste zwölf weitere Corona-Schnelltestzentren eröffnen. Insgesamt sind es dann 25. Der Welthockeyspieler von 2012 ist damit einer der Top-Anbieter in seiner Heimatstadt Hamburg.

Hineingestolpert? Erklärbar ist sein Weg natürlich trotzdem. Fürste hat eigentlich eine Firma für Sportevents. Als die Corona-bedingt keine Aufträge mehr bekam, musste er umdenken und erfinderisch werden. Der Plan: ein Konzept entwickeln, das große Veranstaltungen wieder ermöglicht. Selbsthilfe also. Der Lösungsansatz von Fürste: Testen!

"Mir war früh klar, dass es nur über Tests funktioniert. Wie konnte man übersehen, dass neben dem Impfen nur das Testen hilft?", fragt er. Tägliche Testungen hätten schon vor Monaten das Infektionsgeschehen in Deutschland eindämmen können. Abstand und Alltagsmasken seien natürlich auch wichtige Mittel, aber eben nicht alles. 

Keine Zweifel am eigenen Konzept

Schon im vergangenen Sommer hat Fürste mit seinem Team bei der Stadt Hamburg ein Konzept eingereicht, nach dem es möglich sein sollte, ein Event mit 3.000 Menschen durchzuführen. "Ich habe keinen Grund gesehen, warum das so nicht funktionieren sollte", so Fürste.

Trotzdem gab es eine Absage. Gerade vor dem Hintergrund geschlossener Kitas, Schulen, Geschäfte und komplett ausgebremster Branchen keine Überraschung für den motivierten Unternehmer, aber doch eine Enttäuschung.

Fürste: "Ich habe gelernt, dass Politik anders funktioniert. Das Feedback hat gezeigt, dass das Konzept schlüssig ist, aber Politik eben kein mutiges Feld ist. Politik ist Abwägen." Ein Grund aufzugeben? Nicht für Fürste. Irgendwann sollte während der Pandemie schon die Zeit für solche Konzepte kommen. 

Nachfrage nach Testzentren ist ungebrochen

Da Fürstes Unternehmen "Upsolut Sports" über die nötige Infrastruktur verfügte, schnell Tests und die technischen Mittel organisieren konnte, strukturierte der Olympiasieger es kurzerhand um. Aus der Eventplanung wurde eine für Testzentren. Zunächst waren 15 Personen innerhalb des Unternehmens mit dem Thema Coronatest betraut. Mittlerweile beschäftigen sich 80 Mitarbeiter unter Hochdruck damit, Testzentren aufzubauen und zu leiten. Und jeden Tag kommen neue Anfragen hinzu.

"Inzwischen haben wir so 80 bis 100 Anfragen für Testzentren pro Tag", erzählt Unternehmer Fürste. Und jede Woche kommen etwa zehn neue Zentren dazu. In Hamburg und im Umkreis, in Schleswig-Holstein, Niedersachen, Berlin, Berchtesgaden und Süddeutschland. Dabei ist es ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes, dass die Zentren an Orten aufgebaut werden, an denen sie später auch gebraucht werden: beispielsweise in den Sportvereinen und Fitnessstudios oder an Universitäten. 

Inzidenzwert ist für Fürste das falsche Maß

In den Zentren von Fürstes Unternehmen werden aktuell täglich 7.000 Menschen getestet. Die meisten von ihnen gehen mit einem negativen Testergebnis nach Hause. Nur etwa fünf Prozent der Getesteten haben ein positives, so Fürste. Die meisten von ihnen seien symptomfrei. "Und da ist es doch super, dass wir das herausfinden!"

Ein Problem hat Fürste allerdings ausgemacht. Mehr Tests führen automatisch zu mehr positiven Testergebnissen, erklärt er. Für ihn stellt daher der Inzidenzwert nicht das Maß dar, mit dem die Politik über Öffnungen entscheiden sollte: "Es muss im Verhältnis stehen, wie viel getestet wird und wie viele Menschen infiziert sind." Für ihn sei alles andere absurd.

Experten folgen dieser Einschätzung nicht. Nach den derzeitigen Daten ließen sich höhere Fallzahlen nicht durch den Anstieg der Schnelltests erklären, hatte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, Lars Schaade, jüngst erklärt.

Liegt seine Zukunft in der Politik?

Fürste konzentriert sich voll auf seine Corona-Testzentren. Wie es für ihn anschließend weitergeht? Mit Sicherheit kehrt er in seinen eigentlichen Job zurück: Sportveranstaltungen organisieren. Doch tun sich aufgrund seiner Aktivitäten auch scheinbare Alternativen auf.

Gerade in den letzten Wochen sei er sogar mehrfach gefragt worden, ob er sich nicht einen politischen Werdegang vorstellen könne. Über die Frage lacht der 36-Jährige: "Ich glaube nicht, dass ich ein Mann für die Politik bin – aber vielleicht sehe ich das eines Tages anders."

Verwendete Quellen:
  • Persönliches Gespräch mit Moritz Fürste

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