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Unterkunft für Flüchtlinge am HSV-Stadion: Kritik an Standort an der A7


"Wir brauchen keine Sammellager am Rande der Stadt"

Von Markus Krause

Aktualisiert am 23.04.2022Lesedauer: 3 Min.
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Ukraine-Flüchtlinge (links) sollen am HSV-Stadion (rechts) untergebracht werden.
Ukraine-Flüchtlinge (links) sollen am HSV-Stadion (rechts) untergebracht werden. (Quelle: Bode/Getty Images/Citynews TV/leer)
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Rund 360.000 Ukraine-Flüchtlinge sind bereits in Deutschland. Die Kommunen errichten eilig Unterkünfte – doch zu welchen Bedingungen? Ein Beispiel eines umstrittenen Plans aus Hamburg.

Eine Welle von schutzsuchenden Menschen, wie es im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine der Fall ist, stellt eine Stadt wie Hamburg vor große Herausforderungen. Binnen kurzer Zeit müssen Unterkünfte für die Kriegsflüchtlinge geschaffen werden. Eine entsteht aktuell auf dem Parkplatz Braun des Volksparkstadions in Stellingen.

Normalerweise parken hier Fans des Hamburger SV an Spieltagen ihre Autos. Rund zehn Minuten braucht man zu Fuß zum Stadion. Doch die Parkfläche wird jetzt um etwa zwei Drittel reduziert – um Platz für Flüchtlinge aus der Ukraine zu schaffen.

Blaue, grüne, graue und weiße Wohncontainer werden hier aufgebaut. Bis zu 140 Personen sollen in einem Block – bestehend aus 24 Containern, die dreistöckig übereinander stehen – Platz finden, erklärt Frank Reschreiter, Pressesprecher der Behörde für Inneres und Sport, auf Anfrage von t-online.

Unterkünfte für bis zu 1.200 Schutzsuchende

Die Wohncontainer seien laut des Behördensprechers grundsätzlich mit je vier Betten, Stühlen, Tisch und Schränken sowie Licht und Heizung ausgestattet. Ein Container solle im Regelfall mit zwei Personen belegt werden, bei Familien könnten es auch einmal vier Menschen sein.

In einigen Bereichen sind zudem kleine Küchen geplant. Dazu kommen Räume für soziale Angebote, Kinderbetreuung, eine Schule sowie Sanitärbereiche, eine Kantine, Büros für die Verwaltung und den Pförtner.

Insgesamt könnten an diesem Standort maximal 1.200 Schutzsuchende untergebracht werden, so Reschreiter. Die tatsächliche Belegung hänge von der Lageentwicklung und dem individuellen Bedarf ab.

Doch geht die Rechnung der Behörde überhaupt auf? Ihr Plan sieht vor, zwei bis vier Menschen in einem Container unterzubringen. So würden in einen Block aus 24 Containern maximal 96 Menschen passen.

Vorgesehen sind aber 140 Personen. 44 Menschen würden hier also zusätzlich reingesteckt werden, auch wenn eigentlich gar kein Platz für sie ist. Sollte sich die Lage zuspitzen, droht der Standort aus allen Nähten zu platzen.

Hamburger Flüchtlingsunterkunft liegt direkt neben der Autobahn

Hinzu kommt: Der Standort befindet sich zwar direkt neben dem Volkspark, auf der anderen Seite verläuft aber auch die Autobahn A7. Die Fläche liegt in einem Industriegebiet mit verschiedenen Großlagern von Baustoffen, Gaststättenbedarf oder Möbelgeschäften.

Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf sucht man hier vergebens. Die nächste Aldi-Filiale liegt an der S-Bahnhaltestelle Stellingen – fast drei Kilometer entfernt. Die Märkte von Netto, Rewe oder Lidl sind noch weiter weg. Bis zum nächstgelegenen Spielplatz brauchen Familien zu Fuß fast 30 Minuten.

Und auch die Anbindung an öffentliche Nahverkehrsmittel wie Bus und Bahn ist sehr eingeschränkt. Die Linie 180 kommt den Großteil des Tages nur einmal pro Stunde. Und: Am Wochenende fährt aktuell gar kein Bus.

Container in verschiedenen Farben (Symbolbild): Insgesamt 1.200 Flüchtlinge sollen hier Platz finden.
Container in verschiedenen Farben (Symbolbild): Insgesamt 1.200 Flüchtlinge sollen hier Platz finden. (Quelle: Citynewstv)

Stadt Hamburg hält die Fläche für geeignet

Die Wahl des Standortes erklärt Frank Reschreiter von der Innenbehörde so: Um eine "sehr hohe Anzahl ukrainischer Schutzsuchender" in der Stadt unterbringen zu können, galt es, "zunächst möglichst viele Plätze an geeigneten Standorten zu schaffen".

Denn es sei nicht absehbar gewesen, wie viele Menschen tatsächlich aus der Ukraine nach Hamburg flüchten würden. Daher habe man "die unverzügliche Errichtung eines Interimsstandortes beschlossen", der "alle relevanten Parameter" erfülle, so der Beamte weiter.

Als "relevante Parameter" nennt der Sprecher die Größe der Fläche, ihre Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit sowie eine möglichst geringe zusätzliche Belastung von bestehenden Quartiersstrukturen.

Höhere Bus-Taktung und ein Shuttlebetrieb geplant

Angesprochen auf die fehlende Infrastruktur sagt Reschreiter, dass bereits im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 dieser Standort genutzt worden sei und seinerzeit die Linienführung des HVV erweitert wurde.

Auch dieses Mal solle die Taktung der Buslinie wieder verstärkt werden. Ebenso sei ein Shuttlebetrieb zu Angeboten wie Kleiderkammern durch den Betreiber, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), geplant.

Aber reicht das aus? Nein, sagt eine Mitarbeiterin einer Flüchtlingshilfe, die sich mit dem Standort auskennt. Die Menschen, die dort untergebracht würden, wären aufgeschmissen.

"Es geht ja nicht nur darum, mit dem Bus irgendwohin zu fahren, sondern auch irgendwo zu sein, wo man sich aufhalten kann." Und das sei dort nicht gegeben.

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Flüchtlingshelferin: "Da will niemand sein"

Die Flüchtlingshelferin bezeichnet die Fläche gar als "Lager" und findet es aus Sicht der Menschen, die dort leben müssen, "schrecklich und furchtbar", dass der Standort nach 2015 wieder auferstehe. "Da will niemand sein", sagt sie.

Das sieht auch Hans-Jürgen Brandt so. Der Betreiber der Miniaturgolf-Anlage im Volkspark sagt im Gespräch mit t-online, dass der Standort einfach zu weit entfernt liege. "Hier bei mir sind sie in der Walachei, hier ist doch nichts", so Brandt.

Aus diesem Grund wünscht sich die Flüchtlingshelferin, dass man aus der Flüchtlingskrise 2015 gelernt habe. "Wir brauchen bessere Unterbringungen für alle Geflüchteten. Dezentral gelegene Unterkünfte, in Wohnungen – und keine Sammellager am Rande der Stadt."

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Gespräch mit Sprecher der Behörde für Inneres und Sport
  • Telefonat mit Flüchtlingshelferin
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