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Deiche trotzen schwerer Sturmflut und Orkantief "Zeynep"

Von dpa
20.02.2022Lesedauer: 3 Min.
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Das Orkantief "Zeynep" hat bei seinem Weg über Schleswig-Holstein zahlreiche Schäden verursacht, aber keine Schwerverletzten oder gar Tote gefordert. Zum Sturm mit Böen jenseits von 140 Stundenkilometern kam an der Nordseeküste eine schwere Sturmflut hinzu. Die Deiche hielten jedoch. Allerdings hat "Zeynep" an vielen Stellen Schäden angerichtet, die nun ausgebessert werden müssen. "Auf uns warten arbeitsreiche Wochen", sagte die Direktorin des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz, Birgit Matelski, am Sonntag.

Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte waren seit Freitagnachmittag im ganzen Land rund um die Uhr im Einsatz. Insgesamt mussten sie mehr als 3000 Mal ausrücken. Die Regionalleitstelle West in Elmshorn hatte am Freitagabend getwittert, das Telefon klingele alle zwei Minuten. Erst in der Nacht zu Donnerstag hatte Sturmtief "Ylenia" zu Hunderten Einsätzen von Feuerwehren und Rettungsdiensten geführt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete in der Nacht zu Samstag in Kiel, auf Sylt und auf Helgoland Windstärken zwischen neun und elf, in Büsum wurde eine Orkanböe mit 143,3 Kilometer pro Stunde festgestellt.

Für die Nacht zum Montag kündigte sich das nächste Orkantief an: "Antonia". Der DWD warnte am Sonntag für die Nacht auf Sylt und Helgoland vor schweren Sturmböen mit 90 Stundenkilometern, die in Schauernähe auch zu orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten um 110 Stundenkilometer werden könnten. In der Landeshauptstadt Kiel wurden schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 75 und 90 Stundenkilometern sowie in Schauernähe orkanartigen Böen bis 105 Stundenkilometer erwartet.

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"Auf den Halligen lief die Flut auf einigen Warften über die Kante, aber die Bewohner hatten ihre Häuser so abgedichtet, dass kein Wasser eindringen konnte", blickte der Landesbetrieb für Küstenschutz auf das Wochenende. An der schleswig-holsteinischen Küste lagen die Wasserstände um rund drei Meter über dem mittleren Tidehochwasser, in Husum sogar bei 3,45 Meter und damit nur fünf Zentimeter unter dem Schwellenwert für eine sehr schwere Sturmflut. Dort erreichte der Wasserstand einen Wert von 5,16 Meter über Normalhöhennull (NHN). "Seit Beginn der Messungen lag er nur dreimal (1962, 1976 und 1999) höher. Das bisherige Maximum gab es mit 5,61 über NHN während der Sturmflut 1976."

Die nordfriesischen Halligen erlebten Landunter mit schwerer Brandung. Hooges Bürgermeisterin Katja Just berichtete von einer unruhigen Nacht. "Es war sehr beeindruckend, weil sehr viel Kraft im Wasser war. Es war eine richtige Brandung." Die vergleichsweise hohe Ockenswarft, auf der sie wohnt, sei etwa zur Hälfte im Wasser gewesen. Ab einem Pegelstand von 7,38 Metern laufe die Hallig voll, das Hochwasser habe 9,04 Meter erreicht.

"Die Deiche haben gehalten und sind weiterhin in einem wehrhaften Zustand", betonte die Direktorin des Landesbetriebs für Küstenschutz, Matelski. Allerdings sei es an den sandigen Küsten zu Vor- und Randdünenabbrüchen gekommen. "Hier werden die Schäden in den kommenden Wochen detailliert aufgenommen und bilanziert." An vielen Stellen sei zudem Schwemmgut angefallen, das nun abgeräumt werden müsse, damit die Grasnarbe, die den Deichkörper vor dem Ausspülen schützt, keinen Schaden nimmt.

Generell beließ es das Orkantief "Zeynep" im Norden zumeist bei Sachschäden: umgestürzte Bäume, umherfliegende Gegenstände und beschädigten Gebäude. Am AKN-Bahnhof Meeschensee in Norderstedt erfasste ein Triebwagen nach Feuerwehrangaben einen umgestürzten Baum und sprang im Bahnhofsbereich aus dem Gleis. Verletzt wurde niemand. Ebenfalls in Norderstedt deckte der Sturm das Dach eines Reihenhauses auf einer Fläche von 350 bis 400 Quadratmetern ab. In St. Peter-Ording wurden große Teile der Steganlage zerstört.

Erhebliche Einschränkungen gab es im Verkehr. Die Deutsche Bahn und andere Verkehrsdienstleister wie Nordbahn, Metronom und AKN Eisenbahn GmbH hatten bereits am Freitagnachmittag oder am frühen Abend den Zugverkehr im Norden ganz oder teilweise eingestellt. Am Sonnabend lief der Verkehr auf ersten Strecken wieder an, wobei die Eisenbahngesellschaft Metronom den Zugverkehr am Sonntag wegen "Antonia" wieder schrittweise einstellte. Nach 21.00 Uhr seien keine Züge von Metronom, Enno und Erixx mehr unterwegs, kündigte das Unternehmen in Uelzen an. Voraussichtlich bis Montagnachmittag sei ein Bus-Notverkehr geplant.

Die Deutsch Bahn teilte mit, dass Reisende im Norden und Nordosten bis mindestens Montagnachmittag mit starken Beeinträchtigungen rechnen müssten. Die Bahn riet dazu, Reisen von und nach Hamburg möglichst zu verschieben. Nach Angaben der Bahn sind bundesweit rund 2000 Einsatzkräfte rund um die Uhr im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren. Dies könne aber angesichts der Menge nur Schritt für Schritt erfolgen.

Wegen des Orkantiefs fielen auch etliche Schiffsverbindungen zu den Inseln und Halligen aus, wie die Reedereien mitteilten. Auch die Elbfähre von Glückstadt nach Wischhafen hatte ihren Betrieb vorübergehend eingestellt.

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