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Risiken und Chancen: Geflüchtete Ukrainerinnen suchen Arbeit

Von dpa
05.05.2022Lesedauer: 3 Min.
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Eine nach Deutschland geflüchtete ukrainische Zahnärztin soll zur Probe sechs Monate ohne Lohn in der Praxis arbeiten. Ein Kosmetikstudio will eine gerade dem Krieg entkommene Ukrainerin als Vollzeitkraft mit 1000 Euro Monatsbrutto abspeisen. Um geflüchtete Frauen aus der Ukraine vor derartiger Ausbeutung zu schützen und sie hierzulande gemäß ihrer oft hohen beruflichen Qualifikation zu beschäftigten, müssten viele Hebel in Bewegung gesetzt werden, fordern Experten.

Nicht wenige Frauen wollen trotz fehlender deutscher Sprachkenntnisse möglichst schnell arbeiten und hinzuverdienen, sagt Sozialwissenschaftlerin Ildiko Pallmann vom Minor Projektkontor für Bildung und Forschung. Über rechtliche Fragen, das Arbeitsmarktsystem oder den Mindestlohn seien sie häufig noch nicht informiert. "Das erhöht die Gefahr, in ausbeuterische Arbeit zu gehen", warnte sie am Donnerstag. Bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt müsse oberstes Ziel sein, die Frauen passend zu ihren Qualifikationen einzustellen.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. April sind nach neusten Erkenntnissen rund 600.200 ukrainische Staatsangehörige in Deutschland erfasst worden. Wie viele es genau sind, ist unbekannt. Bei den erwachsenen Kriegsflüchtlingen handelt es sich überwiegend um Frauen, viele kommen mit ihren Kindern. Die Voraussetzungen für eine Integration in der Arbeitsmarkt hierzulande seien günstig, betont Yuliya Kosyakova vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das Bildungs- und Qualifikationsniveau in der Ukraine sei recht hoch.

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Ob Integration tatsächlich gelinge und in welchem Tempo, hänge von mehreren Faktoren ab. Wichtig: Die Anerkennung von Berufsabschlüssen und -erfahrungen der Frauen. Das sei mitunter "tückisch". So könne etwa eine Anwältin mit Topkenntnissen im ukrainischen Recht in Deutschland schwerlich Verwendung finden, eine Mathe-Lehrerin aber vergleichsweise schnell in den Unterricht einsteigen.

Die grundsätzlich wichtigen Deutschkenntnisse sind umso bedeutender. Warum? Viele ukrainische Frauen arbeiten in "typisch weiblichen Berufen" wie im Bildungs- oder Gesundheitsbereich, berichtet Forscherin Kosyakova. Da sind Ansprache und Kommunikation zentral.

Die ukrainische Krankenschwester Kateryna Nezhentseva hilft Geflüchteten tatkräftig. Die 44-jährige stammt aus dem von russischen Angriffen schwer getroffenen ostukrainischen Charkiw. Sie war schon im Jahr 2014 mit ihrem Sohn nach Neuss in Nordrhein-Westfalen gekommen und arbeitet dort seit einer neunmonatigen Praxis-Anerkennungszeit in den Rheinland Kliniken. "Viele Frauen wollen sofort arbeiten, aber das ist schwierig. Erst mal sind Wohnung und Papiere noch ein großes Thema. Und die deutsche Sprache ist das Problem." Sie berät Neuankömmlinge auch mit Hilfe von sozialen Medien, welche Wege es gibt, im Gesundheitsbereich Fuß zu fassen.

Ukrainerinnen informieren sich sehr stark über soziale Medien, erläutert Pallmann. Aus ihrer Beratung berichtet sie: Die meisten haben einen Hochschulabschluss, es sind vor allem Lehrerinnen, Betriebswirtinnen, Ärztinnen. Fragen rund um die Arbeit sollten in Integrationskurse eingebaut werden, findet sie. "Damit die Leute nicht so ausgeliefert sind."

Wenn Frauen erst mal auch unterhalb ihrer Qualifikation jobben wollten, so dürfe man sie aber nicht aus den Augen verlieren, um sie später angemessen zu vermitteln. Und Pallmann mahnt: Es gebe bereits Beispiele, dass vor allem Subunternehmen etwa aus den Branchen Lager, Logistik oder Fleischindustrie billige Arbeitskräfte anheuern wollten: "Die sehen da jetzt natürlich auch Potenzial bei den Geflüchteten aus der Ukraine."

Arbeitsmarktexpertin Kosyakova rät zu einer regional ausgewogeneren Verteilung der Flüchtlinge. Der allgemeine Kita-Platzmangel erweise sich oft als Hemmschuh für Mütter, an Integrations- und Sprachkursen teilzunehmen.

Nezhentseva hat einige Verwandte und Freundinnen nach Deutschland holen können, für sie Unterkünfte auch bei deutschen Familien gefunden. Sie weist noch auf ein weiteres Ausbeutungsrisiko hin. Bei der Wohnungssuche für eine Freundin bot ihr ein Mann am Telefon wörtlich an: "Die Frau kann bei mir wohnen und putzen und kochen. Und wenn wir beide uns gefallen, geht vielleicht noch mehr." Die 44-Jährige glaubt, dass es solche Fälle häufig gibt. "Und die Frauen sind verzweifelt, haben die Kinder, wollen mit ihnen nicht in den Sammelunterkünften bleiben. Sie können kein Deutsch und trauen sich nicht, sich an die Polizei zu wenden", sagt sie.

Die ukrainischen Frauen steckten in einem Dilemma, wollten in der Heimat helfen, kämpfen, bei ihren Männern bleiben, aber zugleich ihre Kinder in Sicherheit bringen. Viele ihrer Angehörigen und Freunde harrten weiter in den umkämpften Gebieten aus. Bei aller Hilfe für die Flüchtlinge wird sie doch geplagt von Schuldgefühlen: "Ich bin hier sicher, kann lachen, die Sonne sehen. Und sie sind unter Bombenbeschuss."

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