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"Todm├╝de, antriebslos, schreckliche Schmerzen und Kr├Ąmpfe"

Von Johanna T├╝ntsch

Aktualisiert am 28.04.2021Lesedauer: 5 Min.
Ein Corona-Testzentrum f├╝r Covid-Schnelltests (Archivbild): Ein K├Âlner berichtet ├╝ber seine Erfahrungen mit den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion.
Ein Corona-Testzentrum f├╝r Covid-Schnelltests (Archivbild): Ein K├Âlner berichtet ├╝ber seine Erfahrungen mit den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. (Quelle: Rupert Oberh├Ąuser/imago-images-bilder)
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Fast vier Monate lang litt Matthias Kaiser* unter den Folgen einer Corona-Infektion. Mit einem disziplinierten Sportprogramm hat er seinen K├Ârper wieder auf Kurs gebracht ÔÇô jedenfalls vorerst. Die Langzeitsch├Ąden von Covid-19 sind noch gar nicht erforscht.

Als Matthias Kaiser (Name ge├Ąndert) sich im vergangenen Herbst mit Corona infizierte, nahm er das zun├Ąchst auf die leichte Schulter. Als gesunder Mensch mittleren Alters sah er sich nicht besonders gef├Ąhrdet: "Ich habe es zwar nicht darauf angelegt, dass ich krank werde, aber ich habe gedacht: Wenn ich es einmal hatte, habe ich Antik├Ârper und muss mir ├╝ber eine Impfung keine Gedanken mehr machen", schildert der 47-J├Ąhrige.

Deswegen war er erst einmal auch nicht besonders besorgt, als ein Freund, den er kurz vorher getroffen hatte, ihm sagte: "Du, ich habe Corona. Lass dich besser mal testen!". Kaiser, der bis dahin keine Symptome hatte, ging zum Test. Ergebnis: positiv. "Am n├Ąchsten Morgen merkte ich beim Aufwachen, dass etwas mit mir nicht stimmte", erinnert er sich. Es begann mit einem unguten Gef├╝hl im Hals und entwickelte sich wie eine ziemlich heftige Grippe.

"Steif wie ein alter Mann"

Knapp zwei Wochen lang lag er im Bett. Ins Krankenhaus musste er nicht, doch da er alleine lebt, forderte ihm diese Zeit einiges ab: "Ich musste mich ja noch irgendwie versorgen". Freunde und Nachbarn h├Ątten ihn aber unterst├╝tzt, so gut sie konnten, erz├Ąhlt er. Nach zehn bis 14 Tagen schien alles ├╝berstanden. Gegen Ende der Quarant├Ąne schrieb er an eine Kollegin: "Ich bin da bereits durch und kann mich bald wieder frei bewegen. Es war nicht sehr angenehm, aber auch nicht t├Âdlich".

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├ťber die Zeit danach sagt der 47-J├Ąhrige: "Zwei, drei Tage lang f├╝hlte ich mich richtig gut". Dann ging es pl├Âtzlich los: "Mein K├Ârper war steif wie der von einem alten Mann. Ich war todm├╝de, antriebslos, hatte schreckliche Schmerzen und Kr├Ąmpfe. Das verlief in Wellen".

Mal schien ein paar Tage lang alles in Ordnung, dann folgten wieder mehrere Tage, an denen er sich vor Schmerzen und Schlappheit kaum aus einem Stuhl erheben konnte. Vor allem die Beine, der R├╝cken und der Nacken waren betroffen. Wenn er lag, schmerzte der Nacken so sehr, dass er beide H├Ąnde hinter den Kopf legen musste, um sich auf die Seite zu drehen oder aufstehen zu k├Ânnen ÔÇô der Kopf schien viel zu schwer, als dass er sich normal h├Ątte bewegen und aufstehen k├Ânnen.

Long Covid trifft die Mitte der Gesellschaft

Long Covid ÔÇô so nennen Mediziner die Langzeitfolgen, die auftreten, wenn eine Covid-19-Infektion vermeintlich schon ├╝berstanden ist. Daf├╝r, diese unberechenbaren Sp├Ątsch├Ąden nicht zu untersch├Ątzen, sondern intensiv zu erforschen, spricht sich zum Beispiel der SPD-Politiker Karl Lauterbach seit Monaten immer wieder aus. Patienten mittleren Alters, aber auch Kinder und Jugendliche k├Ânnten davon betroffen sein, warnt der K├Âlner Gesundheitsexperte.

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Etwa 15 Prozent der Corona-Patienten leiden nach ihrer Krankheit an Long Covid, berichtet der "K├Âlner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf eine Studie der Uniklinik K├Âln. Im Schnitt seien die Betroffenen 43 Jahre alt ÔÇô Matthias Kaiser ist mit seinen 47 Jahren also ein relativ typischer Fall. Das deckt sich auch mit seinen eigenen Erfahrungen. "Ich habe in verschiedenen St├Ądten Freunde, die auch Corona hatten. Vielen von ihnen ging es ├Ąhnlich", sagt er. Die Symptome sind seiner Erfahrung nach aber nicht immer ganz gleich: "Der Freund, bei dem ich mich angesteckt habe, leidet vor allem unter depressiven Phasen, die immer wieder kommen."

Aha-Erlebnis: "Ingwer? Ich rieche wieder!"

Viele berichten auch von einem lange andauernden Geruchsverlust ÔÇô so auch Kaiser. Erst vor wenigen Wochen, also etwa vier Monate nach der Infektion, stellt sich sein Riechverm├Âgen wieder ein. F├╝r ihn ein echtes Aha-Erlebnis: "Ich hatte kurz vorher frischen Ingwer geschnitten. Dann sa├č ich am Tisch, rieb mir durchs Gesicht und war kurz irritiert: Was ist das? Es war ein unbeschreibliches Gef├╝hl, als ich begriff: Ich rieche Ingwer ÔÇô ich kann wieder riechen!"

Ingwer und S├╝├čholz, diese beiden Naturheilmittel haben ihn auch w├Ąhrend seiner akuten Infektion begleitet ÔÇô eine Freundin hatte ihm n├Ąmlich den Tipp gegeben, dass schon w├Ąhrend der ersten SARS-Welle vor einigen Jahren S├╝├čholz als Heilmittel im Gespr├Ąch gewesen sei. Wissenschaftlich best├Ątigt ist das laut einer Auswertung der "Deutschen Apotheker Zeitung" zwar nicht, doch der 47-J├Ąhrige ist von seinen Erfahrungen damit begeistert.

Beweglichkeit m├╝hsam zur├╝ckerobert

Auch zur ├ťberwindung seiner Long-Covid-Symptome hat er auf Natur und Selbstheilungskr├Ąfte gesetzt. "Die Situation war schrecklich, aber ich wollte mich nicht damit abfinden. Ich wollte nicht von einem Tag auf den anderen ein alter Mann sein", sagt er. Enorm viel Willensst├Ąrke und ein sehr gutes K├Ârpergef├╝hl seien ihm dabei zugute gekommen: "Ich habe die Kraft, Dinge in meinem Leben zu ver├Ąndern. Au├čerdem kenne ich meinen K├Ârper richtig gut. Ich wusste: Der braucht einen Tritt in den Hintern, damit er wieder aufwacht und wei├č, dass er sich zusammenrei├čen muss", sagt er schmunzelnd.

Mit viel Selbstdisziplin zwang er sich, regelm├Ą├čig laufen zu gehen. Anfangs empfand er die Situation als Katastrophe: "Ich lief zehn Minuten und war dann f├╝r den Rest des Tages total erledigt. Wirklich erledigt, ich konnte nichts mehr tun. Aber ich bin schon einmal mit dem Fahrrad bis nach Spanien gefahren. Ich wei├č, mein K├Ârper rafft sich irgendwann auf, wenn ich ihn dazu zwinge."

Nach und nach schaffte er es, seine Laufzeit auf eine Stunde t├Ąglich zu verl├Ąngern ÔÇô wobei ihn immer wieder die Nachwirkungen seiner Corona-Infektion f├╝r einige Tage einholten, "aber dann bin ich eben langsam gelaufen".

"Gl├╝cklich, dass es die Muskeln betraf"

Inzwischen l├Ąuft er nur noch jeden zweiten Tag, an den jeweils anderen Tagen macht er Yoga. An den Wochenenden g├Ânnt sich Kaiser eine Sportpause. Die R├╝ckenschmerzen, erz├Ąhlt er, h├Ątten jetzt auch nachgelassen, die Kr├Ąmpfe kommen nur noch selten, und die Beine tun nicht mehr weh: "Guck, wie beweglich ich wieder bin", sagt er stolz und klappt wie ein Taschenmesser zusammen, bis die Brust die Beine ber├╝hrt.

Gegen die M├╝digkeit und die Muskelschmerzen habe ihm Vitamin D geholfen. Das hat er zum einen als Nahrungserg├Ąnzung genommen, zum anderen darauf geachtet, sich in die Sonne zu setzen, sobald das Wetter es zulie├č, um die k├Ârpereigene Produktion von Vitamin D anzukurbeln.

Insgesamt, meint der 47-J├Ąhrige, hat er noch Gl├╝ck im Ungl├╝ck gehabt: "Ich bin gl├╝cklich, dass bei mir haupts├Ąchlich nur die Muskeln betroffen waren, denn das ist etwas, das ich nach meinem eigenen Verst├Ąndnis wieder aufbauen konnte. Eigentlich habe ich nichts anderes gemacht als Menschen in der Reha machen."

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Langfristige Aussagen bislang nicht m├Âglich

Bei anderen Long-Covid-Patienten l├Ąuft es weniger glimpflich ab: Anstelle der Muskeln k├Ânnen die Atemwege betroffen sein, das Herz-Kreislauf-System, das Nervensystem und der Stoffwechsel.

"Fatigue", also eine krankhafte M├╝digkeit, wie sie auch Kaiser zeitweise erlebte, trat einer britischen Studie zufolge bei 69 Prozent der Patienten noch acht Wochen nach ihrer vermeintlichen Genesung auf. ├ťber einen langfristigen Verlauf ist, da die Erkrankung so neu ist und sich durch Mutationen immer wieder ver├Ąndert, noch gar nichts zu sagen. Matthias Kaiser hat, so scheint es, f├╝rs Erste Gl├╝ck gehabt.

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