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Entsetzen ├╝ber Zust├Ąnde an K├Âlner F├Ârderschule

Von Ren├ę Denzer

Aktualisiert am 19.10.2021Lesedauer: 4 Min.
Dunkle G├Ąnge und undichte Sanit├Ąranlagen: In dem Nebengeb├Ąude des Genoveva-Gymnasiums ist derzeit die F├Ârderschule untergebracht.
Dunkle G├Ąnge und undichte Sanit├Ąranlagen: In dem Nebengeb├Ąude des Genoveva-Gymnasiums ist derzeit die F├Ârderschule untergebracht. (Quelle: privat/Montage: t-online)
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Schlechte Raumsituation, mangelnde Hygiene und au├čer Acht gelassene soziale Aspekte: K├Âlner Eltern zeigen sich entsetzt ├╝ber die Zust├Ąnde an der F├Ârderschule ihrer Kinder. Auch ein zwischenzeitlicher Umzug hat die Situation nicht verbessert.

Anna-Joelle war so froh, dass sie nach der langen Zeit der Corona-Pandemie wieder regelm├Ą├čig in die Schule gehen konnte. Doch nach den Sommerferien ging es f├╝r die 16-J├Ąhrige anstatt in ihre Schule an der Sportplatzstra├če im K├Âlner Stadtteil Porz-Wahnheide nach M├╝lheim. Der Grund: Raummangel. Mit katastrophalen Folgen.

An der Pestalozzischule, einer F├Ârderschule f├╝r geistige Entwicklung, war schlichtweg kein Platz mehr. Deswegen wurden die Klassen der Berufspraxissch├╝ler und -sch├╝lerinnen, die bald in Behindertenwerkst├Ątten einer Arbeit nachgehen werden, ausgelagert. Ins ├╝ber 16 Kilometer entfernte M├╝lheim.

Die Zust├Ąnde, die sich den 21 Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern, Lehrkr├Ąften und Eltern in einem Nebengeb├Ąude des Genoveva-Gymnasiums boten, waren unzumutbar: Wassersch├Ąden, ausd├╝nstender Parkettkleber, Schimmel. Hinzu kamen dunkle Flure am helllichten Tag. F├╝r das Licht auf dem Weg zur Toilette musste das Handy herhalten.

Der Weg zur Toilette ist dunkel: Am Standort M├╝lheim waren die Flure nicht beleuchtet.
Der Weg zur Toilette ist dunkel: Am Standort M├╝lheim waren die Flure nicht beleuchtet. (Quelle: privat)
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F├Ârderschule in K├Âln: "Die Kinder standen im Wasser"

Auch stellte sich die Frage, ob das Trinkwasser aus den Leitungen auch wirklich trinkbar ist ÔÇô untersucht worden war es n├Ąmlich nicht. Sicherheitshalber wurde von den Eltern ein Lieferdienst beauftragt, der Wasserk├Ąsten brachte.

Wolfgang Flo├čbach, dessen Sohn Nils ebenfalls nun in M├╝lheim unterrichtet wird, kommt aus dem Kopfsch├╝tteln nicht mehr heraus. "Die Kinder standen in der Toilette im Wasser, es tropfte von der Decke." Zudem seien die Sanit├Ąranlagen ├╝berhaupt nicht behindertengerecht. Pflegeliegen ÔÇô Fehlanzeige. Dabei sind diese f├╝r manche der Sch├╝lerinnern und Sch├╝ler immer wieder n├Âtig. Der Vater berichtet von ├╝bergelaufenen Toiletten, Fotos zeigen Wasser, das sich seinen Weg bis in die Klassenr├Ąume bahnt.

Wasser auf den G├Ąngen: Am Au├čenstandort in der Holweider Stra├če gab es Sch├Ąden durch N├Ąsse.
Wasser auf den G├Ąngen: Am Au├čenstandort in der Holweider Stra├če gab es Sch├Ąden durch N├Ąsse. (Quelle: privat)


Die R├Ąumlichkeiten befinden sich im dritten Stock. Und bergen damit die n├Ąchste Gefahr f├╝r die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. Ein regelm├Ą├čiges L├╝ften der R├Ąume, wie es im Rahmen des Infektionsschutzes vorgesehen ist, ist nur unter permanenter Aufsicht m├Âglich. Zu gro├č die Gefahr, dass Kinder dort mehrere Meter in die Tiefe st├╝rzen k├Ânnten.

Die Fenster wiederum k├Ânnen nicht abgeschlossen werden, da diese als Notausgang gekennzeichnet sind. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler sind jedoch nicht in der Lage, bei Feuer aus diesen Fenstern auf eine Leiter der Feuerwehr zu klettern. "Was man unseren Kinder, aber auch den Lehrkr├Ąften zumutet, ist ein Unding", schimpft Flo├čbach.

Neuer Standort in M├╝lheim: Rollstuhlfahrer konnten nicht mit umziehen

Anna-Joelles Mutter, Anja M├╝ller, bringt es auf den Punkt: "Die Schule ist einfach nicht behindertengerecht." Damit sind nicht nur die R├Ąume und Sanit├Ąranlagen gemeint. Es ist der Standort selbst: Der Schulweg sei f├╝r die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler viel zu lang. Manche von ihnen, die vorher selbstst├Ąndig mit dem Bus zur Schule gefahren sind, k├Ânnten das nicht mehr.

Bei ge├Âffnetem Fenster ist die Gefahr gro├č, dass eines der F├Ârderschulkinder in die Tiefe st├╝rzt: Dabei sollen wegen der anhaltenden Corona-Lage die Klassenzimmer regelm├Ą├čig bel├╝ftet werden.
Bei ge├Âffnetem Fenster ist die Gefahr gro├č, dass eines der F├Ârderschulkinder in die Tiefe st├╝rzt: Dabei sollen wegen der anhaltenden Corona-Lage die Klassenzimmer regelm├Ą├čig bel├╝ftet werden. (Quelle: privat)

Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, konnten nicht mit nach M├╝lheim umziehen. Wegen der Stufen in den dritten Stock ist es dort nicht barrierefrei. "Der etablierte Klassenverband musste demzufolge aufgel├Âst werdenÔÇť, so M├╝ller. Und Flo├čbach erg├Ąnzt: "Von heute auf morgen sind die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen worden. Manche Bezugspersonen wie Lehrer und auch Mitsch├╝ler fehlen am neuen Standort."

Auch entspreche der Schulhof in M├╝lheim den Eltern zufolge nicht den Voraussetzungen, die die Kinder der F├Ârderschule brauchen, um sicher spielen zu k├Ânnen. Zudem sei er nicht gegen ein Weglaufen gesichert.

Behindertenbeauftrager: "Unzumutbare Unterbringung"

Mit dieser langen M├Ąngelliste haben sich die Eltern an die Politik, Gremien und die Stadt gewandt. Auf Nachfrage von t-online, ob es nicht einen anderen Standort gegeben habe, um die Kinder unterzubringen, hei├čt es bei der Stadt K├Âln: "Aufgrund der angespannten gesamtst├Ądtischen Schulraumsituation war der Standort Holweider Stra├če (...) die einzige alternative Unterbringungsm├Âglichkeit, um den Mehrbedarf der F├Ârderschule Sportplatzstra├če zu decken." Es wird aber einger├Ąumt, dass Sanierungen durchgef├╝hrt werden m├╝ssen.

In einem Schreiben aus dem B├╝ro der Behindertenbeauftragten der Stadt hei├čt es: "Aus meiner Sicht handelt es sich hier um eine unzumutbare Unterbringung der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler mit Behinderung. Insbesondere die sanit├Ąren Anlagen, die Raumsituation und die hygienischen Bedingen machen ein unverz├╝gliches Handeln des Schultr├Ągers erforderlich."

Neuer Standort ebenfalls nicht behindertengerecht

Nach den Beschwerden ist die Stadt K├Âln t├Ątig geworden ÔÇô das kann Anja M├╝ller best├Ątigen. Doch Freude will bei ihr nicht aufkommen. Zwar wurde f├╝r die Kinder der F├Ârderschule ein neues Geb├Ąude auf dem Schulareal am Standort M├╝lheim gefunden. Allerdings gibt es weiterhin Probleme: Das Geb├Ąude ist ebenfalls nicht vollst├Ąndig behindertengerecht und hat keine Toiletten. Die Pflegeliege f├╝r Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler steht in einem kleinen Behinderten-WC neben der Turnhalle. Telefon und Internet gibt es nicht.

Die K├╝che ist aufgrund des Wasserschadens und des Schimmelverdachts im fr├╝heren Geb├Ąude nicht nutzbar. Der zur Verf├╝gung stehende Werkraum darf laut Aussage des Genoveva-Gymnasiums nicht von den F├Ârdersch├╝lern genutzt werden, so M├╝ller. Er fordert deshalb die kurzfristige Bereitstellung einer Lernk├╝che sowie den Zugang zu den Werkr├Ąumen ÔÇô auch um dem Gef├╝hl der Ausgrenzung und Diskriminierung entgegenzuwirken.

Die Pestalozzischule F├Ârderschule Geistige Entwicklung: Der Hauptsitz befindet sich im K├Âlner Stadtteil Porz-Wahnheide.
Die Pestalozzischule F├Ârderschule Geistige Entwicklung: Der Hauptsitz befindet sich im K├Âlner Stadtteil Porz-Wahnheide. (Quelle: Ren├ę Denzer)

Containerl├Âsung kurzfristig nicht umsetzbar

Es m├╝sse mittelfristig dringend eine Containeraufstellung an der Stammschule in Porz-Wahnheide bewilligt werden. Doch: "Die Aufstellung neuer Container f├╝r aktuelle Engp├Ąsse ist kurzfristig nicht umsetzbar, da vergaberechtliche Vorgaben, Genehmigungsverfahren und Aufstellung rund zwei Jahre in Anspruch nehmen", hei├čt es auf Nachfrage bei der Stadt.

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Bleibt die Frage: Wenn der Bedarf an F├Ârderschulpl├Ątzen derart gestiegen ist, dass der Platz einer Schule nicht ausreicht, sollte es da nicht Planungen geben, bestehende F├Ârderschulen auszubauen oder gar eine neue Schule zu bauen? Von der Stadt hei├čt es dazu, die Verwaltung pr├╝fe diesen Punkt aktuell intensiv. Und weiter: "Insbesondere bestehende Schulgeb├Ąude sind oft problematisch in Sachen Barrierefreiheit, die insbesondere f├╝r F├Ârderschulen von elementarer Bedeutung sind." Das erleben einige K├Âlner F├Ârdersch├╝lerinnern und -sch├╝ler gerade hautnah.

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