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Protokoll der Panik: Suche nach Motiv des Amokl├Ąufers

Von dpa
25.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Nach Amoklauf auf Uni-Campus in Heidelberg
Menschen legen vor einem Geb├Ąude der Universit├Ąt Blumen und Kerzen an den Wegesrand. (Quelle: Uwe Anspach/dpa/dpa-bilder)
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Es ist ein Protokoll der Panik, ├╝ber das Baden-W├╝rttembergs Innenminister Thomas Strobl am Dienstag minuti├Âs referiert.

Um 12.24 Uhr am Montag gehen in Heidelberg sieben Notrufe bei der Polizei ein. Sechs Minuten sp├Ąter fahren drei Streifenwagen auf dem Campus vor. Um 12.33 Uhr haben die Beamten bereits ihre Schutzausr├╝stung angelegt und beginnen, das Universit├Ątsgeb├Ąude zu durchk├Ąmmen, Raum f├╝r Raum. Um 12.43 Uhr stehen sie in dem H├Ârsaal, in dem die Sch├╝sse gefallen sind, die nicht nur Heidelberg in Schockstarre versetzen: Ein 18-j├Ąhriger Student l├Ąuft Amok, schie├čt einer 23-j├Ąhrigen Frau in den Kopf, sie stirbt am Montagnachmittag an den Folgen. Drei weitere Studenten werden verletzt. Um 12.51 finden die Polizisten den T├Ąter au├čerhalb des Geb├Ąudes auf - tot, er hat sich wohl selbst erschossen.

Was den jungen Mann dazu brachte, im H├Ârsaal um sich zu schie├čen, ist auch einen Tag nach der Tat r├Ątselhaft. Um 12.32 Uhr, also nur wenige Minuten nach den Notrufen, meldete sich der Vater des T├Ąters bei der Polizei, teilte den Beamten mit, sein Sohn habe ihm die Tat per WhatsApp angek├╝ndigt. Der Student schrieb dabei nach Polizeiangaben, "dass Leute jetzt bestraft werden m├╝ssen". Wann die Nachricht des Sohnes genau beim Vater eintraf, konnte Strobl am Dienstag nicht sagen.

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Nun sei die Stunde der Ermittler, betont der Minister immer wieder. "Die Wissenschaft weltweit schaut mit Erschrecken und fragend nach Heidelberg." Er sei sich sicher, dass es gelingen werde, rasch Licht ins Dunkel zu bringen. Eine Ermittlungsgruppe mit 32 Beamten und dem Namen "Botanik" hat die Arbeit aufgenommen. Der Name ist darauf zur├╝ckzuf├╝hren, dass das betroffene Uni-Geb├Ąude an den botanischen Garten grenzt.

Die Ermittler konzentrieren sich vor allem auf das Motiv des Attent├Ąters, durchleuchten das Umfeld des Studenten. Die Polizei wertet zudem digitale Ger├Ąte aus, die das Spezialeinsatzkommando (SEK) bei der Durchsuchung seiner Wohnung sichergestellt hat. Er sei zuversichtlich, dass die Auswertung Hinweise auf die Motivlage geben k├Ânnte, sagt Strobl. Zudem werden die beiden Leichen am Universit├Ątsklinikum Heidelberg rechtsmedizinisch untersucht.

Klar ist: Der Sch├╝tze war erst 18 Jahre alt und Deutscher, er lebte in Mannheim, studierte Biologie und war der Polizei bislang nie aufgefallen. Am Dienstag berichtet der "Mannheimer Morgen", dass der Mann im Berliner Stadtteil Wilmersdorf aufgewachsen sein soll. Es gebe keinerlei Hinweise auf eine politisch oder religi├Âs motivierte Tat, sagt Strobl. Er habe geh├Ârt, dass der T├Ąter in psychischer Behandlung gewesen sein soll, aber das sei Gegenstand laufender Ermittlungen. Der Innenminister vermag auch nicht zu sagen, ob sich der T├Ąter und das Todesopfer kannten.

Generell k├Ânne ein Mensch zum Amokl├Ąufer werden, "weil er die vorhandenen oder die subjektiv wahrgenommenen Kr├Ąnkungen von der Kindheit ├╝bers Jugendalter zum jungen Erwachsenenalter als besonders schlimm erlebt", sagt der Polizeipsychologe Adolf Gallwitz dem Radiosender SWR Aktuell. Amokl├Ąufer haben bei t├Âdlichen Angriffen wie dem in Heidelberg ein gemeinsames Denkmuster. "Er hat eine grandiose Art des Untergehens gesucht", so Gallwitz. "Ein Suizid war ihm letztlich einfach zu banal." Die T├Ąter seien keine Einzelg├Ąnger und "auch nicht immer nur Leute, die schwer psychisch krank sind".

Auch die Frage, wie der Biologie-Student an die beiden Langwaffen kam, von denen er eine f├╝r den Amoklauf nutzte, ist noch unbeantwortet. Der 18-J├Ąhrige soll die Gewehre vor wenigen Tagen im Ausland gekauft haben. In seinem Rucksack hatte er noch 100 Schuss Munition. Der baden-w├╝rttembergische Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, sagte, bei einem Repetiergewehr und einer Schrotflinte handele es sich um nicht leicht handhabbare Waffen, die meist J├Ąger nutzten und f├╝r andere in Deutschland legal kaum zu erwerben seien.

Gleichzeitig richtet sich der Blick der Politik auf die Opfer, die Angeh├Ârigen und die, die den Anschlag miterleben mussten. 30 Studenten waren im H├Ârsaal, als die Sch├╝sse fielen. Die Heidelberger Studierendenvertretung erinnert mit einer digitalen Gedenkfeier an die get├Âtete Studentin. Die drei Verletzten werden derweil am Dienstag nach ihren ambulanten Behandlungen in einer Klinik wieder entlassen. Sie befinden sich laut Polizei auf dem Weg der k├Ârperlichen Besserung. Am kommenden Montag ist in der Heidelberger Peterskirche eine zentrale Trauerfeier geplant.

Das baden-w├╝rttembergische Landeskabinett gedenkt am Dienstag der Opfer in einer Schweigeminute. "Diese schreckliche Gewalttat hat uns wirklich tief getroffen und ersch├╝ttert", sagt Ministerpr├Ąsident Winfried Kretschmann (Gr├╝ne). Er und Strobl rufen die Betroffenen auf, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man sei auf 26 Studentinnen und Studenten und auf zwei Angeh├Ârige bereits zugegangen, berichtet Strobl. "Die Universit├Ąt soll und wird ein angstfreier Raum bleiben f├╝r junge Menschen."

Das Erlebte k├Ânne zu posttraumatischen Belastungsst├Ârungen f├╝hren, wenn die Betroffenen nicht behandelt w├╝rden, warnt Gewerkschaftschef Kusterer. "Das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen."

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