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S-Bahn-Ausbau in München: Probleme wohl schon seit 2020 bekannt

Von dpa, ads

Aktualisiert am 24.09.2022Lesedauer: 3 Min.
Die Stammstrecke war gesperrt (Archivbild): Wegen der Struktur der Strecke kann eine Verspätung den ganzen Innenstadt-Verkehr lahmlegen.
Eine Stammstreckensperrung (Archivbild): Wegen der Struktur der Strecke kann eine Verspätung den ganzen Innenstadt-Verkehr lahmlegen. (Quelle: stock&people/imago images)
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Eigentlich sollte die neue Stammstrecke in München 2028 an den Start gehen, im Juni zeigt sich: Das wird nichts. Doch das soll schon früher klar gewesen sein.

Seit fünf Jahren fließen Millionen in eine neue S-Bahn-Strecke für München: Dass das, anders als geplant, noch 15 Jahre weitergehen und fast doppelt so teuer werden soll, war einem Bericht zufolge jedoch früher klar, als in der Öffentlichkeit bekannt. Beide Probleme hatten hat sich einem Medienbericht zufolge im Detail bereits 2020 abgezeichnet.

Auf der Stammstrecke werden fast alle S-Bahn-Linien in München gebündelt, ein großer Teil verläuft durch einen Tunnel – Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht. Verspätungen auf der Strecke wirken sich deshalb oftmals massiv auf den gesamten S-Bahn-Verkehr in und um München aus.

Die zweite Stammstrecke sollte das Nadelöhr entlasten und ursprünglich 2028 in Betrieb genommen werden und 3,8 Millionen Euro kosten. Im Juni dieses Jahres wurde bekannt gegeben, dass das Projekt wohl stattdessen noch bis 2037 dauern und 7,2 Millionen Euro kosten wird.

Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" zufolge, hatte die Deutsche Bahn jedoch bereits bei einem Gespräch am 25. September 2020 dem bayerischen Verkehrsministerium auf 32 Seiten präsentiert, wie schlecht es um das Projekt stehe. Demnach drohte schon damals eine Verzögerung um sechs Jahre bis 2034. Die Bahn habe im Detail Gegenmaßnahmen vorgeschlagen. Allein bei den Kosten sei die Bahn damals konkrete Antworten schuldig geblieben.

Verkehrsministerium: Keine Grundlage die Öffentlichkeit zu informieren

Das Verkehrsministerium erklärte dazu laut "SZ", bei Gesprächen wie diesem sei es üblich, dass auch Präsentationen gezeigt werden. Die Ministeriumsspitze habe den damals zuständigen DB-Vorstand Ronald Pofalla gefragt, was von den Aussagen zu halten sei.

Pofalla habe daraufhin in einem Schreiben vom 13. Oktober 2020 die Aussagen zurückgenommen: Es sei nur eine erste Diskussionsbasis gewesen. Um einen Stand zu erreichen, der verlässliche Aussagen ermögliche, bedürfe es zusätzlicher intensiver Anstrengungen.

Das Ministerium zog daraus laut "SZ" den Schluss, es habe damals keine Grundlage gegeben, die Öffentlichkeit zu informieren. Die Staatskanzlei sei auf Arbeitsebene informiert worden, gab das Ministerium laut "SZ" weiter an.

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Die riesige Baustelle am Marienhof (Archivbild): Die Grünen-Landtagsfraktion fordert eine Untersuchung der Aufträge.

Die Staatskanzlei wiederum berief sich ebenfalls darauf, dass die Bahn-Spitze damals die zuvor präsentierten Aussagen über eine Verzögerung bis 2034 "sofort wieder als obsolet und nicht relevant zurückgewiesen" habe. Man warte bis heute auf eine "abschließende Antwort" der Bahn.

Grünen-Abgeordneter: "Das muss Konsequenzen haben"

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Büchler nannte es am Freitagabend einen "absoluten politischen Skandal", dass der Staatsregierung schon 2020 auf 32 Seiten Details zu den Bauverzögerungen vorgelegt worden seien – und dies nicht veröffentlicht worden sei.

"Schließlich macht es eine riesigen Unterschied, ob man ein Projekt 2020 stoppt oder ändert – oder zwei Jahre später", so Büchler. "Wir werden genau untersuchen, was in der Zwischenzeit an Aufträgen vergeben wurde, wohl wissend, dass das Projekt vermurkst ist – das muss Konsequenzen haben." Die Grünen fordern angesichts der Kostenexplosion und Verzögerung eine Bau-Pause.

"Milliardengrab für ganz Bayern" verhindern – Grüne fordern Prüfung

Büchler sprach laut Bayerischem Rundfunk (BR) angesichts der möglichen Verzögerung und Kosten von bis zu 7,8 Milliarden Euro von einem Kostenniveau, das "nicht mehr tragbar" sei. Bevor das Tunnelbauwerk zum "Milliardengrab für ganz Bayern" werde, forderten Büchler und seine Parteikollegen eine Pause beim Bau, auch über einen generellen Baustopp müsse man nachdenken.

"Dass wir das S-Bahnsystem massiv ausbauen müssen, ist unstrittig", sagte Büchler weiter auf dpa-Anfrage. Es müsse aber geprüft werden, ob der Tunnel der richtige Weg sei oder ob es Alternativen gebe, die schneller zu Verbesserungen führten. Immer wieder gebe es bei der S-Bahn Chaos. "Das kann jetzt nicht 15 oder 20 Jahre so weitergehen."

Die S-Bahn-Station Hackerbrücke (Archivbild): Zahlreiche Menschen sind jeden Tag auf die Strecke angewiesen – insbesondere zu Wiesnzeiten.
Die S-Bahn-Station Hackerbrücke (Archivbild): Zahlreiche Menschen sind jeden Tag auf die Strecke angewiesen – insbesondere zu Wiesnzeiten. (Quelle: Michael Westermann/imago-bilder)
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Um den Fahrgästen rasch Erleichterung zu verschaffen, sollen nach Ansicht der Grünen der S-Bahn-Südring ertüchtigt und der Nordring und die S-Bahn-Außenäste ausgebaut werden. Ein Großteil der Störungen und Verzögerungen entstehe an den Außenästen, so Büchler laut BR.

Verkehrsminister: Baustopp würde weitere rund zwei Milliarden kosten

Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) hält laut BR von den Forderungen der Grünen nichts. Für den Bau der zweiten Stammstrecke seien "ausschließlich die fundierten und final geprüften Aussagen und Informationen" der Bahn maßgeblich.

Danach würde ein Baustopp neben der schon investierten Milliarde Euro weitere rund zwei Milliarden kosten, ohne dass ein Nutzen für den Großraum München gewonnen wäre, teilte Bernreiter auf BR24-Anfrage mit. "Die Bahn hat angekündigt, im Herbst offizielle Zahlen zur zweiten Stammstrecke vorzustellen – erst dann können wir weiter in die Zukunft schauen."

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
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Von Alexander Spöri, Olaf Kern
Von Christof Paulus
Bündnis 90/Die GrünenDeutsche BahnVerkehrsministerium

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