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Autoraser im Luxusort Grünwald: "An Tempo 30 hält sich auch keiner"


"An Tempo 30 hält sich auch keiner"


Aktualisiert am 08.03.2023Lesedauer: 3 Min.
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Ein selbstgemaltes 30er-Schild an einem Baum in Berlin (Symbolbild): Wie man sieht, protestieren nicht nur in Grünwald Menschen für 30er-Zonen.
Ein selbstgemaltes 30er-Schild an einem Baum in Berlin (Symbolbild): Wie man sieht, protestieren nicht nur in Grünwald Menschen für 30er-Zonen. (Quelle: IMAGO / Stefan Zeitz)

Dicke Autos fahren eh nicht nur 30 – diese Aussage eines Gemeinderats sorgte für Wirbel. Freie Bahn für BMW & Co. also? Jetzt spricht der Urheber des Zitats.

So etwas habe er noch nicht erlebt, sagt Thomas Lindbüchl. Er sitzt für die CSU unweit von München im Gemeinderat in Grünwald und sagte dort vergangene Woche einen Satz, der danach deutschlandweit die Runde machte. In Grünwald hätten viele Leute große Autos. Wenn man da aufs Gas trete, sei man gleich bei 50, sagte er. "Mit diesen Autos kann man gar nicht 30 fahren." Und fertig war das Klischee.

"Leute haben mir erzählt, wie ich Auto zu fahren habe", sagt Lindbüchl auf Anfrage von t-online. Oder, dass in einer Gemeinderatssitzung kein Platz für Humor sei. Denn genau so sei der Kommentar gemeint gewesen: als Spaß. Denn nach einer einstündigen Diskussion darüber, ob einige Straßen in Grünwald zur 30er-Zone werden sollten – obwohl die Verwaltung dargelegt habe, dass das rechtlich gar nicht geht –, hatte Lindbüchl keine Lust mehr.

"An Tempo 30 hält sich auch keiner"

"Die Kollegen im Gemeinderat kennen mich. Bei so einem polemischen Kommentar am Ende einer Debatte wissen die, was davon zu halten ist", sagt der CSU-Politiker. Was er damit habe sagen wollen: "An Tempo 30 hält sich auch keiner, was diskutieren wir hier eigentlich?" Würden sich in den Straßen, die nun zur Debatte stehen, alle an die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Kilometern pro Stunde halten, gebe es kein Problem.

Thomas Lindbüchl sitzt im Grünwalder Gemeinderat: Nach einem Satz wurden deutschlandweit Pressevertreter auf ihn aufmerksam.
Thomas Lindbüchl sitzt im Grünwalder Gemeinderat: Nach einem Satz von ihm wurden deutschlandweit Pressevertreter auf ihn aufmerksam. (Quelle: CSU Grünwald)

Die Grünen hatten im Gemeinderat an vielen Stellen Tempo 30 gefordert, unter anderem, weil sich viele Anwohner von den schnellen Autos bedroht fühlen. Das kann Lindbüchl auch verstehen. "Die Angst wegen schnellem Verkehr ist berechtigt", sagt er. Darum herrsche in Grünwald auch zum Großteil schon Tempo 30, nur an den Sammelstraßen, die aus den Wohngebieten zu den Hauptverkehrsstraßen führen, da gehe das einfach nicht. Das habe die Verwaltung bestätigt und das hätten letztlich auch fast alle Gemeinderäte verstanden.

Blitzer aufstellen sei nicht Hauptjob der Polizei

Also was tun? Zu mehr Blitzern sagt Lindbüchl: "Das ist eine beliebte Forderung. Aber unsere Polizei ist nicht im Hauptjob dafür zuständig, zu blitzen." Und wenn man mehr Kontrollen aufstellen würde, hieße es: "In Grünwald kann man gar nicht mehr Auto fahren."

Was die Aufregung um Lindbüchls Kommentar so hochkochen ließ: Grünwald ist bekannt dafür, die Heimat vieler reicher und bekannter Menschen zu sein, und das Klischee von den großen, schnellen Autos an der Isar ist beliebt hier in der Umgebung von München. Nicht zuletzt deshalb, weil auch einige der bekanntesten Münchner in Grünwald leben: diverse Fußballer des FC Bayern.

Und gerade die fielen in den vergangenen Jahren immer wieder mit Verkehrsdelikten auf, kürzlich wurde Oliver Kahn Berichten zufolge der Führerschein entzogen. Wenn dann noch ein CSU-Gemeinderat wie Lindbüchl mit einem Zitat daherkommt, in dem er spöttisch über genau jene Autos spricht, ist das Skandälchen perfekt. Nur, dass Lindbüchl gar nicht in das Klischee des PS-Schnösels aus der Vorstadt zu passen scheint.

Zitat sei aus Kontext gerissen gewesen

Er fahre das halbe Jahr mit dem Fahrrad zur Arbeit, sagt er. Und er würde sich freuen, wenn die Aufregung zumindest dazu beitrage, dass sich die Leute verstärkt ans Tempolimit halten. Dann wäre der Shitstorm womöglich doch für etwas gut gewesen, hofft er. An seiner Art, im Gemeinderat zu wirken, will er nichts ändern. "Wir machen fundierte Arbeit dort", sagt er. "Auch wenn es ein Ehrenamt ist." Und auf eines legt er Wert: "Für Humor muss da immer Platz sein."

Das Zitat, mit dem die ganze Aufregung begann, ist seiner Ansicht nach aus dem Zusammenhang gerissen. Auch wenn die Gemeinderätin der Grünen, Ingrid Reinhart, im Gespräch mit der "Schwäbischen Zeitung" über ihn sagt: "Dem ist wirklich kein Schmarrn zu blöd." Aber das sei für ihn nicht repräsentativ, sagt Lindbüchl. "Auf das Niveau will ich eigentlich nicht herunterlassen. Und es ist mir auch egal."

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