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Vogel des Jahres: Könnte der Kiebitz in Bayern für immer verstummen?


Vogel des Jahres stark gefährdet
Könnte sein Ruf in Bayern bald verstummen?

Von t-online, ok

06.10.2023Lesedauer: 3 Min.
imago images 0303882541Vergrößern des BildesDen Kiebitz erkennt man an seinem auffälligen Federkleid und seinem Ruf: Es klingt ein bisschen als würde er seinen Namen rufen. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/alimdi / Arterra / Wouter Pattyn/imago)
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Der Kiebitz gehört zu den auffälligsten Singvögeln, sein Bestand ist aber vor allem in Bayern dramatisch gefährdet. Fachleute kämpfen um jeden einzelnen Vogel.

Der Kiebitz ist zum Vogel des Jahres 2024 gekürt worden. Zurecht, wenn man den Singvogel mit dem markanten Federkleid äußerlich betrachtet. Sein Gefieder glänzt metallisch grün oder violett. Auffallend ist auch die lange Feder auf dem Kopf, die der Kiebitz stets wie eine frisch frisierte Tolle vor sich herträgt. Es gibt allerdings auch eine Kehrseite der Medaille: Der Singvogel ist in Bayern stark gefährdet. Sein Lebensraum wird immer kleiner.

Ursprünglich waren Kiebitze einmal vor allem in Mooren und auf Feuchtwiesen zu finden. Dort fühlt er sich am wohlsten. Diese Flächen werden aber heutzutage häufig landwirtschaftlich genutzt, was den Lebensraum des Vogels stark einschränkt, wie der Bayerische Naturschutzverband (LBV) mitteilt. Der Kiebitz weiche auf Äcker und bewirtschafteten Wiesen aus.

Viele Bruten gingen verloren, weil Traktoren und andere Maschinen die gut versteckten Nester überrollen, weil sich dort weniger Nahrung für die Jungvögel finden lässt, und weil Räuber wie der Fuchs dort leichteres Spiel haben. Auch Spaziergänger und Hunde können den Bodenbrüter stören. In der ausgeräumten Landschaft finden Kiebitze zudem immer weniger Nahrung, zu denen vor allem Insekten und deren Larven zählen, heißt es vom LBV.

Der Kiebitz: Bestand in Bayern ist katastrophal gesunken

Der Bestand des Kiebitzes sei in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland, aber auch in Bayern "katastrophal" gesunken, teilt der LBV mit. 90 Prozent der Bruten gingen verloren. In Bayern zählt man derzeit nur noch rund 4000 Revier- bzw. Brutpaare. Fachleute kämpfen hier buchstäblich um jeden einzelnen Vogel. Mittlerweile wird der Kiebitz auch in den meisten Roten Listen der gefährdeten Arten in Mitteleuropa geführt.

Einst kam der Kiebitz in Bayern flächendeckend vor. Naturschützer haben sich zum Ziel gesetzt, diesen Zustand wieder herbeizuführen. Die wichtigsten Brutgebiete des Kiebitzes in Bayern liegen im Unteren Isartal, dem Erdinger Moos und dem Knoblauchsland am Rande Nürnbergs. Das Knoblauchsland ist eines der größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete in Deutschland – und quasi ein Kiebitz-Hotspot. Hier lebt der zweitgrößte Bestand Bayerns auf einer vergleichsweise kleinen Fläche. "Ich habe noch nie so viele beieinander gesehen", sagt Lisa Schenk vom bayerischen Naturschutzverband LBV.

Der Kiebitz zur Brutzeit: Ein Gaukler der Lüfte

"Vor allem zur Balzzeit ist es spektakulär. Da machen die Männchen eine Art Luftakrobatik, um die Weibchen zu beeindrucken." Die Gaukler der Lüfte drehen Schleifen über ihrem Revier, lassen sich in akrobatischen Flugmanövern gen Boden fallen und rufen dabei weit hörbar: "Kie-wit". Den Kiebitz so gut beobachten zu können, ist selbst für die Expertin etwas Besonderes. Um den Kiebitz im Freistaat zu schützen, hat der LBV im Frühjahr 2023 das Artenhilfsprojekt "Vanellus vanellus muss ein Bayer bleiben" gestartet. Ziel des Projekts ist es, Kiebitz-Gelege aktiv zu schützen und wichtige Akteure für den Schutz zu vernetzen.

Im Knoblauchsland hat der LBV dieses Jahr 100 Jungkiebitze beringt, um noch mehr über die Art zu erfahren. Die Renaturierung von Feuchtwiesen und Mooren könnte den Rückgang der Art aufhalten. Auch eine späte Mahd bewirtschafteter Wiesen gebe den Jungvögeln eine Chance zum Überleben.

Im Herbst verlässt der Kiebitz sein Brutgebiet

Im Herbst verlässt er sein Brutgebiet, um in milderen Regionen zu überwintern, zum Beispiel in Frankreich, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden. Ein paar bleiben hier in Deutschland, ein Teil zieht weg. Das hängt auch von der Witterung ab.

Der taubengroße Vogel aus der Familie der Regenpfeifer und der Erhalt seines Lebensraums könnten durch den neuen Titel noch einmal mehr Beachtung bekommen: Bei der Wahl zum "Vogel des Jahres" 2024 flatterte er mit fast 28 Prozent der Stimmen auf den ersten Platz und darf im kommenden Jahr deshalb den Titel tragen.

Seit 1971 küren Nabu und LBV einen Jahresvogel, um auf die Gefährdung der heimischen Vögel aufmerksam zu machen. Seit 2021 darf die Bevölkerung online abstimmen. Rund 120.000 Menschen beteiligten sich in diesem Jahr.

Verwendete Quellen
  • lbv.de:" Der Kiebitz ist Vogel des Jahres 2024" (Stand: 6.10.2024)
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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