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München: Im Zuhörraum können sich Menschen Probleme von der Seele reden


"Kaum noch Leerlauf"
Bei Zeitdruck und Einsamkeit: Zuhörraum immer beliebter

Von Sara Guglielmino

11.12.2023Lesedauer: 3 Min.
Nachrichten
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Seit Oktober steht der Zuhörraum am Stephansplatz in München.Vergrößern des Bildes
Seit Oktober steht der Zuhörraum am Stephansplatz in München. (Quelle: instagram.de/momo_hoert_zu)

Es ist ein kleines Häuschen mit einem großen Ziel: die Menschen zum Erzählen bewegen. Das Angebot ist inzwischen so beliebt, dass die Ehrenamtler kaum hinterherkommen.

Dem ein oder anderen Passanten mag das unscheinbare grüne Holzhäuschen am Stephansplatz in München bereits aufgefallen sein: Es soll aber einen großen Zweck erfüllen – nämlich Menschen ermöglichen, sich etwas von der Seele zu reden.

"Das Problem der heutigen Zeit ist die Zeit", sagt Michael Spitzenberger, Initiator des Projekts und Vorsitzender des Vereins Momo hört zu. Im stressigen Alltag fehle den Menschen oft die Zeit, sich gegenseitig zuzuhören. Das möchte Spitzenberger ändern. Den kleinen Zuhörraum bezeichnet der 55-Jährige als "Social Start-up" und Nachbarschaftsprojekt. Anfangs konnten Passanten wochentags von 12 bis 18 Uhr in den Zuhörraum gehen – kostenlos und ohne Termin.

Inzwischen sei der Raum sogar schon ab 9 Uhr geöffnet, manchmal sogar am Wochenende. "Wenn die Nachfrage so hoch bleibt, könnte das auch in Zukunft so weitergehen", sagt Spitzenberger t-online. Das Ziel sei dann, bis 20 Uhr geöffnet zu bleiben.

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Die productronica ist die Weltleitmesse für Elektronikfertigung. Sie findet im zweijährigen Rhythmus auf dem Gelände der Messe München statt. Träger ist der VDMA, Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau eV. Foto: Logo vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, kurz BMBF *** productronica is the worlds leading trade fair for electronics manufacturing It takes place every two years at the Messe München exhibition center Sponsor is the VDMA, Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau eV Photo Logo fr (Quelle: IMAGO/Manfred Segerer/imago)

Von der Bundesregierung gefördert

Das Projekt wurde im Herbst 2020 mit dem Ideenpreis für Soziale Innovationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ausgezeichnet. In der ersten Phase hatte das BMBF aus über 1.000 eingereichten Ideen insgesamt 20 ausgewählt. Ende 2023 startete dann die Praxisphase des Wettbewerbs "Gesellschaft der Ideen", bei der vier Projektteams für maximal drei Jahre eine Förderung von jeweils 250.000 Euro erhalten.

Zuhörraum hat "kaum noch Leerlauf"

Das grüne Holzhäuschen steht schon seit April vergangenen Jahres in der Münchener Innenstadt, zuerst am Isartorplatz, dann an der Schrannenhalle und seit Oktober am Stephansplatz. "Da waren wir zum Glück noch etwas versteckter", scherzt Spitzenberger. Am Anfang hörten er selbst, seine Frau und ein weiterer Ehrenamtlicher den Passanten zu – heute hat der Zuhörraum 35 ehrenamtliche Zuhörer, über zehn Menschen stünden auf der Warteliste.

Spitzenberger freue sich zwar über den Zuwachs, "wir haben allerdings kaum noch Leerlauf", so der ehemalige Unternehmer. In dem Holzhäuschen saßen bereits Menschen aus der ganzen Republik, so Spitzenberger. Ihn erreichten sogar Kooperationsanfragen aus dem Ausland, zuletzt aus Brasilien. Wie lange sich die Ehrenamtlichen die Sorgen und Freuden der Passanten anhören, sei ihnen selbst überlassen. "Jeder hat einen Schlüssel und trägt in einem digitalen Kalender ein, wann er Zeit hat", sagt Spitzenberger t-online.

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Spitzenberger: "Das Zuhören muss gelernt werden"

"Das Zuhören muss gelernt werden", sagt Spitzenberger. Ein zentraler Punkt dabei sei, auf ungefragte Ratschläge zu verzichten. "Die Lösung liegt immer in dir selber", sagt Spitzenberger, "der andere kann dir zwar zuhören, er kennt deine Welt aber nicht".

Der Zuhörraum stoße auf so viel Interesse, dass Spitzenberger das Angebot erweitern möchte. Derzeit konzipiere er ein Online-Zuhör-Training. Zehn Wochen lang sollen sich Teilnehmer in 14-minütigen Einheiten pro Tag wechselseitig zuhören. Der Kurs soll kostenpflichtig sein, aber ein Solidaritätsprinzip beinhalten. "So können Menschen hoffentlich auch dann teilnehmen, wenn sie weniger Geld zur Verfügung haben." Im Frühling soll laut Spitzenberger ein Testlauf starten, im Sommer soll der Kurs dann offiziell beginnen.

Für Unternehmen sieht der Initiator ebenfalls eine Chance: "Dort herrscht oft eine Kultur des Nicht-Zuhörens", sagt er. Von einem großen Münchener Unternehmens habe er bereits eine Anfrage für einen Zuhörraum bekommen.

Zuhörraum sucht Sponsoren

Vor Kurzem habe Spitzenberger eine Teilförderung bekommen, er sei allerdings noch immer auf der Suche nach einem Sponsoren. "Wir suchen nicht nur Geld, sondern auch die Mitarbeit des Menschen, der sich dahinter verbirgt", sagt der 55-Jährige. "Sonst bringt das Geld wenig."

Er selbst widme sich inzwischen voll und ganz dem Zuhörraum und investiere bis zu 50 Stunden pro Woche in das Projekt.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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