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"Organisatorisch ist das eine Katastrophe"

Von Christof Paulus

09.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Außengastronomie in München-Schwabing (Symbolbild): Nach Wegfall der Sperrstunde können Gäste wieder länger sitzen bleiben.
Außengastronomie in München-Schwabing (Symbolbild): Nach Wegfall der Sperrstunde können Gäste wieder länger sitzen bleiben. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)
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Seit Monaten mussten in Bayern Gäste in Kneipen und Restaurants um 22 Uhr nach Hause. Die Sperrstunde ist jetzt gekippt, das freut die Wirte. Doch der nächste Stress ist vorprogrammiert.

Euphorisch klingt Herbert Hofer nicht, wenn man ihn auf das Ende der Sperrstunde anspricht. Natürlich sei er froh, dass sein Restaurant "Zur Baumwolle" in Nürnberg nun länger offen bleiben dürfe, sagt der Wirt. Aber ob es sich schon lohne, länger zu öffnen, wisse er nicht. Und auch das Personal könne schnell knapp werden.

Seit Herbst galt in Bayern die Regel, dass Kneipen und Restaurants um 22 Uhr schließen mussten. An diesem Mittwoch fällt die Sperrstunde im Freistaat, dann können Gaststätten auch noch später Gäste empfangen. Bekanntgegeben hatte Ministerpräsident Markus Söder das erst am Montag – zwei Tage zuvor. "Organisatorisch ist das eine Katastrophe", sagt Hofer.

Sperrstunde in Bayern fällt, aber nicht ohne Probleme

Und nicht nur die Sperrstunde, auch die weiteren Ausgangsbeschränkungen in früheren Corona-Wellen setzen der Gastronomie auch heute noch zu. "Die Gäste sind genervt", sagt Hofer. Er habe kein Vertrauen mehr, will sich nicht darauf verlassen, dass die Regeln nicht auch wieder verschärft werden. "Wir passen nur noch kurzfristig an", sagt er.

Von den Folgen der Corona-Beschränkungen berichtet auch der Münchener Gastronomie-Sprecher Christian Schottenhammel. "Viele haben Mitarbeiter verloren", sagt er. Den Angestellten könne man das nicht verdenken. "Mit jedem Lockdown mussten die Betriebe Mitarbeiter freistellen, hatten keine Arbeit mehr für sie."

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Schottenhammel, der unter anderem das "Paulaner am Nockherberg" betreibt, sieht sich für das Ende der Sperrstunde gut gerüstet. "Wir konnten das Personal aus der Kurzarbeit schnell reaktivieren", sagt er. Anderen Betrieben gehe es da schlechter. Nach dem Ende der Sperrstunde erwartet er nun wieder mehr Arbeit für die Betriebe.

Gastronomie in München freut sich auf Ende der Sperrstunde

"Das Ende um zehn Uhr hat uns einige Gäste gekostet", erklärt er. "Es war immer schade, schon so früh die Rechnung bringen zu müssen", sagt der Unternehmer. Das gesellige Beisammensein habe gefehlt. "Und das macht den Beruf mit aus."

Nun hofft er, dass nicht doch eine erneute Corona-Welle wieder schärfere Maßnahmen mit sich bringt. Auf die verlängerten Öffnungszeiten freut er sich. Und glaubt, dass auch viele Gäste den Abend gleich ausnutzen wollen.

Bis das Nachtleben auch am Wochenende aber wie gewohnt zurückkehrt, dauert es noch. Kneipen profitieren zwar vom Wegfall der Sperrstunde – weiter warten müssen hingegen Clubs und Diskotheken. Dierk Beyer hofft jetzt darauf, dass die Staatsregierung bald einen Fahrplan vorlegt, wie er sagt.

Nachtleben in München wartet auf Ende der Maßnahmen

Der Chef im Club "Neuraum" ist zugleich Mitglied im Vorstand des Verbands der Münchener Kulturveranstalter. Das Ende der Sperrstunde ist für ihn ein "Hoffnungsschimmer", auch wenn Diskotheken weiter geschlossen bleiben müssen. Kurzfristig sei eine Öffnung für die Betriebe auch kaum zu organisieren – weshalb er sich bald neue Perspektiven erhofft.

Ganz stimmig erscheinen ihm die Maßnahmen ohnehin nicht. "Je nach Veranstaltung gelten in Gaststätten unterschiedliche Regeln", sagt er. Bei Kulturveranstaltungen, etwa mit Livemusik, dürfte nur ein Teil des Ladens ausgelastet werden. Fällt dies weg, können alle Plätze belegt werden. "Diese Diskrepanz müssen wir überwinden", sagt Beyer.

Was ihm gefalle, sei, dass die Stadt Stück für Stück wieder lebendiger werde. "Studenten, die wieder bei den Eltern gewohnt haben, kommen zurück", beobachtet er. "Auch der Tourismus läuft wieder an." Das seien gute Zeichen – dass auch das Nachtleben wieder anlaufen kann.

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von Klaus Wiendl
GastronomieMarkus Söder

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