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Formel 1 ├Ąchzt unter Hamiltons ├ťberlegenheit

Von dpa
Aktualisiert am 27.06.2019Lesedauer: 3 Min.
Lewis Hamilton (r) und Toto Wolff feierten mit Mercedes schon etliche Siege.
Lewis Hamilton (r) und Toto Wolff feierten mit Mercedes schon etliche Siege. (Quelle: David Davies/PA Wire./dpa)
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Spielberg (dpa) - Sebastian Vettel w├╝nscht sich wieder eine Formel 1 zum Herzen erobern, Bernie Ecclestone schl├Ągt eine Radikalreform vor.

Die Sorge um die Motorsport-K├Ânigsklasse, die vor allem unter der ├ťberlegenheit von Superstar Lewis Hamilton leidet, hat auch vor dem malerischen Alpenpanorama in Spielberg nicht halt gemacht. "Hoffentlich k├Ânnen wir darauf einwirken, dass wir wieder die Art Rennfahren erleben, in die wir uns verliebt haben, als wir jung waren", sagte Vettel im Fahrerlager des Gro├čen Preises von ├ľsterreich.

Hamilton erdr├╝ckt die Formel 1 regelrecht, weil die Konkurrenz - wie allen voran Vettel und Ferrari - einfach nicht mithalten kann. Komplizierte Regeln hin oder her, letztlich gelten sie f├╝r alle. Hamilton verbessert sich seit Jahren, der Rest scheint zu stagnieren. Die Folge: Hamilton kann auf dem Red Bull Ring am 30. Juni (15.10 Uhr/Sky und RTL) seinen 80. Grand-Prix-Sieg holen - er h├Ątte dann nur noch elf weniger als Michael Schumachers lange f├╝r unerreichbar gehaltener Rekord. Hamilton ist auf dem Weg zu seinem sechsten WM-Titel, dann fehlt nur noch einer, um mit Schumachers sieben Titeln gleichzuziehen.

Dass der publikumswirksamste Pilot meist vorneweg f├Ąhrt, kann ihm niemand vorwerfen. Es wird aber zum Problem f├╝r die Motorsport-K├Ânigsklasse. Langeweile kommt auf. "Der Sport ist sicher nicht in bester Verfassung", meinte Vettels Teamkollege Charles Leclerc. Die Leute w├╝rden das Interesse verlieren, betonte Racing-Point-Fahrer Sergio Perez. Das Feld m├╝sse einfach wieder enger zusammenr├╝cken.

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Nur wie? K├╝nstlich geschaffene ├ťberholhilfen gibt es ja schon. Ex-Gesch├Ąftsf├╝hrer Ecclestone w├╝rde einfach eine dritte WM-Wertung f├╝r Teams einf├╝hren. Gut zweieinhalb Jahre nach seiner Entmachtung klangen die Ideen des 88 Jahre alten Briten verwegen.

Den Rennst├Ąllen der Team-WM w├╝rde er ein Auto bauen, zudem bek├Ąmen sie 30 Millionen Dollar im Jahr. Nachtanken, spezielle Reifenregeln, dazu die Autos der Hersteller wie Mercedes oder Ferrari einfach schwerer machen. Und all das eigenm├Ąchtig. "Zuerst w├╝rde ich mit den Teams nicht reden. Das ist, als h├Ątte man ein Komitee, und das brauchst du nicht, wenn du solche Entscheidungen triffst", sagte Ecclestone dem Sender ESPN. Unter seine fast vier Jahrzehnte w├Ąhrenden Herrschaft bis zur Entmachtung durch die neuen US-Besitzer Liberty Media Anfang 2017 fallen allerdings auch Siegphasen anderer Teams wie Ferrari Anfang dieses Jahrtausends oder Red Bull mit Vettel von 2010 bis einschlie├člich 2013.

Seit einschlie├člich 2014 ist vor allem aber Hammer-Time. "Eines Tages wird er seine Karriere beenden mit mehreren Rekorden, und die Leute werden sagen: Er war der beste Pilot auf diesem Planeten, und wir waren Zeugen seiner Reise", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff j├╝ngst ├╝ber Hamilton. Der mittlerweile 79-malige Grand-Prix-Gewinner steht seit seinem Einstieg in die Formel 1 im Fokus. Rund zw├Âlf Jahre ist das nun schon her.

Er war der erste dunkelh├Ąutige Pilot in der Geschichte der Motorsport-K├Ânigsklasse. Eine Vita wie gemacht f├╝rs gro├če PS-Kino. Der Vater nimmt einen Zweitjob an, um den Junior zu f├Ârdern. Hamilton verpasst im Deb├╝tjahr nach einem denkw├╝rdigen Stallkrieg den WM-Titel, im zweiten Jahr ist der erste Triumph perfekt.

Es folgen Aufs und Abs, die damalige Beziehung zu Popstar Nicole Scherzinger setzt Hamilton zu. Er lebt seinen Trennungsschmerz aus, selbst an Rennwochenenden. Die ganz gro├čen Erfolge bleiben erst mal aus. Dann der Wechsel von McLaren zu Mercedes. Eine Befreiung. "Wir haben einen unglaublichen Boss", lobte Hamilton wiederum Wolff.

58 Siege feierte Hamilton im Mercedes seit seinem Wechsel als Nachfolger von Michael Schumacher zur Saison 2013 - die Bilanz seit 2014 ist noch eindrucksvoller: 57 Siege in 108 Rennen. Hamilton gewann rechnerisch also mehr als jedes zweite Rennen. "Lewis ist am besten, wenn man ihm den Freiraum gibt, seinen Leidenschaften zu folgen", erkl├Ąrt Wolff. Er hat es schon oft so oder ├Ąhnlich gesagt. Er muss es immer wieder, weil Hamiltons Lebensweg f├╝r manche nicht so ist, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt.

Hamilton d├╝st mit seinem Privatjet auch zwischen seinen vielen Formel-1-Reisen um die Welt, ist Modedesigner, mit Hollywoodstars per Du, mit anderen Sportikonen befreundet. W├Ąhrend sein Rivale Vettel in der Abgeschiedenheit seiner Schweizer Wahlheimat auf einem ehemaligen Bauernhof das Leben mit Frau und zwei Kindern genie├čt, reicht Hamilton der PS-Stress nicht. "Lewis braucht die Zeit zwischen den Rennen, um sich vom Rennfahren abzulenken."

Immerhin gab Hamilton seinen Fans j├╝ngst einen Rat, wie man mit sich, der Welt und ihren Herausforderungen klarkommen kann. "Es ist in Ordnung, unsicher zu sein, das geht uns allen mal so. Es ist in Ordnung, nicht auf alles Antworten zu haben", schrieb Hamilton bei Instagram: "Ich m├Âchte nur, dass Du dir selbst sagst: Ich bin sch├Ân, so wie ich bin, ich bin unermesslich stark, und ich kann alles schaffen, was ich mir vornehme."

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