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Relegation | Aufstieg verpasst: Der HSV scheitert schon wieder an sich selbst


Mehr Demut, bitte

Von William Laing

Aktualisiert am 06.06.2023Lesedauer: 4 Min.
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Wieder nichts: Auch in dieser Saison hat der HSV mit Trainer Tim Walter den Aufstieg verpasst.Vergrößern des Bildes
Wieder nichts: Auch in dieser Saison hat der HSV mit Trainer Tim Walter sein großes Ziel nicht erfüllen können. (Quelle: IMAGO/Michael Taeger)

Der HSV muss nach der Niederlage in der Relegation ein weiteres Jahr in der 2. Liga verbringen. Der Klub täte gut daran, sich endlich auch als Zweitligist zu begreifen.

Zum fünften Mal in Folge ist der Hamburger SV denkbar knapp am Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga vorbeigeschrammt. Dieses Mal war die Hürde VfB Stuttgart in der Relegation zu hoch. Doch gescheitert ist der Klub nicht nur an den Schwaben, sondern vor allem an der Selbstwahrnehmung.

Denn der Abstieg 2018 ist schon längst kein Betriebsunfall mehr. Die Zweitklassigkeit des größten Klubs Norddeutschlands ist zum Dauerzustand geworden. In den vergangenen Jahren mag der verpasste Sprung in die Bundesliga auf den ersten Blick viele Gründe gehabt haben. Trainer und Spieler kamen und gingen, Jahr für Jahr fanden neue Umbrüche statt. Auch in der eigenen Führungsriege war der HSV immer wieder für Schlagzeilen gut. Ruhe kehrte selten ein.

Doch diese Probleme waren nur oberflächlich. Was sich kontinuierlich durch den Verein zog, war das eigene Anspruchsdenken, zu Höherem berufen zu sein. Für den neutralen Beobachter wirkte es so, als würde der HSV die 2. Bundesliga auch im fünften Jahr hintereinander nur als Durchgangsstation sehen.

Wer mit dieser Einstellung durch die Saison geht, der ist in den entscheidenden Partien trotz sportlicher Qualität nicht bei der Sache. Oder: Wer in einer Saison zweimal gegen den Aufsteiger 1. FC Magdeburg verliert, kann nicht erwarten, aufzusteigen.

Der Aufstieg wäre grundsätzlich machbar gewesen

Dass der HSV grundsätzlich das Format eines Bundesligisten hat, soll dabei nicht infrage gestellt werden. Mit Spielern wie Robert Glatzel, Ludovit Reis und Sonny Kittel darf durchaus vom Oberhaus geträumt werden. Dass der Klub zudem zu den größten im Land zählt und in Schrebergärten von Kiel bis Nordrhein-Westfalen HSV-Flaggen wehen, ist unbestritten und zeigt, welche Strahlkraft der Verein landesweit noch immer besitzt.

Genauso wenig sollte vergessen werden, dass der Aufstieg in diesem Jahr so machbar gewesen wäre wie nie zuvor. Mit Bremen und Schalke war Hamburgs größte Konkurrenz bereits in der Vorsaison in die Bundesliga marschiert. Potenziellen Erstligisten wie Düsseldorf, Paderborn, St. Pauli, Hannover und Nürnberg fehlte die Konstanz; sie dümpelten im Tabellenmittelfeld herum. Die Chance, den Aufstieg endlich zu packen, war also gegeben für die Männer mit der Raute. Allein die Herangehensweise war die falsche.

Walters Parolen setzen den Klub unter Druck

Denn in Hamburg sprachen gefühlt die ganze Saison schon wieder viel zu viele vom Aufstieg. Ganz vorne dabei: Tim Walter. Der HSV-Coach war der erste Trainer seit dem Abstieg, der sich länger als eine Saison in der Hansestadt halten konnte. Das spricht für ihn und auch für den Wunsch nach Kontinuität beim HSV. Doch der Trainer befeuerte wieder und wieder das Denken, der Klub sei zu gut, zu groß, zu einzigartig für das Unterhaus. Und fiel damit jetzt sprichwörtlich auf die Schnauze.

Bestes Beispiel: Im März 2023 verlor der HSV mit 2:4 in Karlsruhe. Die Fans der Heimmannschaft verhöhnten die Norddeutschen daraufhin mit dem Lied "Nie mehr 1. Liga". Tim Walter reagierte im Anschluss hitzig. "Die, die sagen 'HSV, immer 2. Liga', die wissen nicht, dass wir nächstes Jahr in der 1. Liga spielen", sagte er dem NDR.

Einen Monat später verloren Walter und der HSV beim 1. FC Kaiserslautern. Eine Woche vor dem Derby gegen St. Pauli. Auf die Frage nach der Vorbereitung sagte er: "Wir müssen heute erstmal ein bisschen runterfahren und dann wollen wir am Freitag drei Punkte holen. St. Paulis Spiel gucke ich nicht, ich gucke nie zweite Liga."

Ein Indiz dafür, wie der Trainer tickt. Das Motto lautete wohl: Wir sind etwas Besseres als ihr. Ihr werdet es schon noch sehen.

Walters Aussagen machten den Klub immer wieder angreifbar, weil sie den Druck auf alle Beteiligten unnötig erhöhten. Mit den Aufstiegsparolen des Trainers war und ist niemandem geholfen. Was dem HSV in solch einer Situation besser getan hätte und künftig tun würde, wären Aufrichtigkeit und Demut.

Selbstakzeptanz als Weg aus der 2. Liga

Das heißt, sich nicht treiben lassen von Kommentaren über die ominöse Frühjahrsschwäche, die den Klub nun fünf Saisons in Folge den Aufstieg gekostet hat. Sich nicht treiben lassen von dem Gefühl, eigentlich in die 1. Liga zu gehören, sondern vielmehr sich selbst als Zweitligist zu akzeptieren, um aus dieser Position heraus ein neues Aufbruchsgefühl zu generieren. Sprich: ein HSV, der sich nicht über seine Ligazugehörigkeit definiert, sondern ein HSV, der seine Zweitligazugehörigkeit in sein aktuelles Selbstverständnis mit aufnimmt.

Aus dieser Position heraus würde der Klub sich selbst weniger verwundbar machen. Er wäre mit sich selbst im Reinen. Fans, Verantwortliche, Spieler und vor allem der Trainer müssen deshalb der Wahrheit ins Auge blicken: Der HSV ist ein Zweitligist. Wenn endlich alle im Verein das verstanden haben, wird ein Aufstieg in den nächsten Jahren viel wahrscheinlicher.

Verwendete Quellen
  • kicker.de: "Walter: "Die wissen nicht, dass wir nächstes Jahr in der ersten Liga spielen""
  • Eigene Recherche
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