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  • 1. FC Köln – Steffen Baumgart übt Kritik: "Das finde ich grenzwertig"


Interview
Unsere Interview-Regel

Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Das entspricht nicht meiner Vorstellung von Wettbewerb"

Von Benjamin Zurmühl

02.08.2022Lesedauer: 7 Min.
Steffen Baumgart: Seit nun einem Jahr ist der 50-Jährige als Trainer des 1. FC Köln im Amt.
Steffen Baumgart: Seit nun einem Jahr ist der 50-Jährige als Trainer des 1. FC Köln im Amt. (Quelle: IMAGO/Herbert Bucco)
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Neue Wettbewerbe, Weltmeisterschaften im Winter und neue Regeln. Der Fußball wird stetig verändert. Das stößt einem Trainer wie Steffen Baumgart übel auf.

Es gibt Trainer, die ruhig an der Seitenlinie stehen und das Spiel still beobachten. Es gibt die, die ab und zu Anweisungen geben – und es gibt Steffen Baumgart. Der Kölner Coach ist 90 Minuten unterwegs, meist lautstark. Er lebt das vor, was er von seinen Spielern sehen will: Leidenschaft, Einsatz, Mentalität.

Baumgart setzt dabei auf klare, direkte Worte – genau wie in Interviews. Der 50-Jährige spricht klar an, was ihm gefällt und was er verändern würde. So auch im Gespräch mit t-online im Kölner Geißbockheim.

t-online: Herr Baumgart, es heißt, Sie seien zu Zeiten als Trainer des SC Paderborn als Zuschauer zum Amateurklub TuRa Elsen gegangen.

Steffen Baumgart (50): Das stimmt nicht ganz, ich bin dort immer vorbeigefahren. Und ich hatte damals in einem Interview gesagt, dass ich lieber so Fußball schaue als im Fernsehen.

Schauen Sie auch in Köln bei anderen Vereinen vorbei?

Wenn es die Zeit hergibt, gehe ich zur Fortuna (Köln, Anm. d. Red.) oder zu Viktoria. Am Tag vor unserem Schalke-Spiel zum Beispiel plane ich, zu Viktoria gegen Wiesbaden zu gehen. Sonst schaue ich mir auch Spiele von unserer U21, U19 oder U17 an.

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Mögen Sie die Stadionatmosphäre so gern?

Ich finde es einfach interessanter – und Fußball vor dem Fernseher oft eher langweilig.

Dabei waren Sie im vergangenen Jahr selbst Experte bei Übertragungen von Fußballspielen.

Nein, Experte war ich nicht (lacht).

Wie würden Sie das dann nennen? Gesprächspartner?

Ja, das passt schon eher.

Steffen Baumgart (2.v.l.) war im vergangenen Jahr für Prime Video im Einsatz.
Steffen Baumgart (2.v.l.) war im vergangenen Jahr für Prime Video im Einsatz. (Quelle: Joachim Bywaletz via www.imago-images.de)

Hat sich Ihre Sichtweise auf Fußball im Fernsehen seitdem verändert?

Nein, trotzdem war es interessant und hat mir viel Spaß gemacht. Ich werde das weiter machen, wenn es die Zeit zulässt. In diesem Jahr wird es allerdings noch schwieriger, mal im Einsatz zu sein.

Das liegt auch daran, dass Sie womöglich auch im September und Oktober noch in der Conference League sein werden. Was halten Sie von dem Wettbewerb?

Die Idee finde ich super, es gab ja auch früher schon drei europäische Wettbewerbe. Was ich schwierig finde, ist der Modus: Du scheidest als Dritter in der Gruppenphase der Champions League aus und kommst in die Europa League. Und wenn du in der Europa League an einem gewissen Punkt ausscheidest, kommst du in die Conference League. Nur so konnte AS Rom die Conference League überhaupt gewinnen. Das entspricht nicht meiner Vorstellung von Wettbewerb. Wenn ich aus dem DFB-Pokal rausfliege, mache ich ja auch nicht im Landespokal weiter. Aber an sich finde ich die Conference League gut. Es gibt andere Wettbewerbe, die ich für überflüssig halte.

Zum Beispiel?

Die Nations League.

Wegen des Einflusses auf die ohnehin kurze Vorbereitung auf die Saison?

Das war auch in der letzten Saison schon so. Die Jungs sind ein ganzes Jahr lang unterwegs und müssen dann noch mal diese Spiele bestreiten. Wir haben drei Spieler, die mit Verletzungen aus der Nations League gekommen sind. Einer ist mit einem Kreuzbandriss richtig lange raus (Dimitrios Limnios, Anm. d. Red.). Die Jungs kommen so in keine Erholungsphase. Diese Entwicklungen im Fußball finde ich schwierig. Wenn ich höre, dass der Einwurf abgeschafft werden soll. Oder dass über Playoffs nachgedacht wird. Das wird nicht dafür sorgen, dass die Konkurrenz zum FC Bayern stärker wird, sondern ein weiterer Wettbewerb, bei dem es um Geld geht.

Würden Sie, wenn Sie in der Position wären, Dinge rückgängig machen?

Es gibt viele Neuerungen, die gut sind. Nehmen wir den Video-Schiedsrichter: Wenn es um Abseits geht, halte ich ihn für eine Bereicherung. Nicht alle Eingriffe aus dem Kölner Keller finde ich sinnvoll, aber seit der Einführung hat sich viel getan. Nur, weil etwas nicht perfekt läuft, ist nicht alles schlecht. Aber wir sollten immer daran denken, beim Fußball zu bleiben und ihn nicht zu überfrachten.

Womit wir wieder bei den Playoffs wären.

Wir können das mal ausrechnen. Wir haben 18 Mannschaften, 34 Spiele für jede von ihnen. Dann spielen die Plätze 1 bis 6 noch mal gegeneinander, also sind es noch mal fünf Spiele extra pro Team. Das finde ich grenzwertig, bei dieser Frage bin ich Traditionalist.

Im Zuge dieses Themas wird auch aktuell wieder über die 50+1-Regel gesprochen, deren Abschaffung führende Köpfe des FC Bayern fordern. Dabei haben sie die Sorge, dass der deutsche Fußball international abgehängt wird. Wie sehen Sie das?

Dem FC Bayern muss man zugutehalten, dass der Verein all das Geld selbst erwirtschaftet hat. Zur 50+1-Regel: Sie wird uns so lange beschäftigen, bis es sie nicht mehr gibt. Vielleicht wird sie in 10 Jahren fallen, vielleicht auch in 20. Vielleicht dauert es auch noch länger. Finde ich das gut? Nein. Ich bin dafür, dass die Mitglieder entscheiden können. Trotzdem glaube ich, dass sie fallen wird. Und dann muss jeder Verein für sich entscheiden, welchen Weg er gehen will. Wir haben jetzt schon Aktiengesellschaften, wir haben ausgegliederte GmbHs und Co. KGaAs, ist das noch 50+1?

Bayerns Vorstandschef Oliver Kahn plädiert für die Abschaffung der 50+1-Regel.
Bayerns Vorstandschef Oliver Kahn plädiert für die Abschaffung der 50+1-Regel. (Quelle: IMAGO/Michael Taeger)

Wäre es für Sie als jemand, der die Tradition im Fußball wahren will, eine Option, mal für einen Klub mit einem Investor im Hintergrund zu arbeiten?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Am Ende bin ich ein Profitrainer und mache meinen Job. Ich bin keiner, der sich hinstellt und sagt: Ich arbeite nur für Traditionsklubs! Ich würde aber auch nie jemanden fragen, was ich machen darf und was nicht. Jeder hat das Recht, für sich Entscheidungen zu treffen und die gilt es zu respektieren. Aktuell habe ich einen Vertrag, der noch zwei Jahre geht. Und, Stand jetzt, würde ich den auch verlängern.

Nehmen wir an, Sie würden ein Angebot aus Saudi-Arabien annehmen. Hätten dann nicht andere das Recht, diese Entscheidung zu kritisieren?

Jeder darf diese Meinung vertreten. Ich finde es immer nur schwierig, wenn Leute Menschen aus der Ferne kritisieren, ohne sie selbst oder ihre Meinung und Beweggründe zu kennen.

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Aktuell arbeiten Sie beim 1. FC Köln, der finanziell nicht mit Investorenklubs mithalten kann. Sie haben eine Mannschaft, die im Vorjahr 16. wurde, auf den siebten Platz geführt – und das ohne einen Umbruch. Wie haben Sie das Potenzial in dieser Mannschaft erkannt?

Das habe ich nicht erst erkannt, als ich angefangen habe. In jedem Gespräch mit dem 1. FC Köln habe ich gesagt, dass mit dem Verein mehr möglich ist. Das haben auch die letzten Ergebnisse unter Friedhelm Funkel gezeigt. Da hat man gesehen, in welche Richtung es gehen kann.

Sie haben einzelne Spieler besser gemacht. Rechtsverteidiger Benno Schmitz hat sowohl in offensiven als auch in defensiven Statistiken große Sprünge gemacht.

Das funktioniert nur über das Kollektiv. Ich lege nicht die Hand auf und schon spielt Benno besser. Die Art und Weise des Fußballs sind entscheidend für den Erfolg. Ich bin überzeugt, dass man mit jedem Kader jeden Fußball spielen kann. Und dann muss man ihn weiterentwickeln. Mit einer hohen Intensität, einer hohen Laufbereitschaft und der richtigen Mentalität sieht der Fußball automatisch zehn Prozent besser aus. Wenn dazu noch ein klares System mit den richtigen Abläufen kommt, überrascht es viele, dass Spieler, die angeblich kein Fußball spielen konnten, plötzlich Fußball spielen können.

Wie haben Sie vorher die Mannschaft analysiert?

Das war nicht notwendig. Ich habe den 1. FC Köln aus der Bundesliga und einzelne Profis aus der ersten oder zweiten Liga gekannt. Ich bin mir auch relativ sicher, dass ich Ihnen aus dem Kopf sagen kann, wie jede Mannschaft der ersten drei Ligen spielen kann, ohne mir noch mal zehn Spiele angucken zu müssen.

Worauf achten Sie, wenn Sie einen neuen Spieler verpflichten?

Mentalität, Geschwindigkeit, Robustheit. Dazu kommt es auch immer auf die Position an und darauf, was wir im jeweiligen Fall haben wollen. Das kann auch eine gewisse Größe oder ein gutes Verhalten im Eins-gegen-Eins sein. Manchmal geht es auch darum, auf einer Position verschiedene Dinge zu haben. Nehmen wir mal das Beispiel Kainzi (Florian Kainz, Anm. d. Red.) und Linton Maina. Linton ist stärker im Eins-gegen-Eins in der Geschwindigkeit. Kainzi ist dafür viel erfahrenerer und ruhiger am Ball. Wir werden beide brauchen.

Linton Maina (r.) kam im Sommer von Hannover 96.
Linton Maina (r.) kam im Sommer von Hannover 96. (Quelle: IMAGO/Eibner Pressefoto/Heike Feiner)

Sie haben auch einen Profi aus der Regionalliga verpflichtet mit Denis Huseinbasic. Bei ihm gab es die Überlegung, ihn auszuleihen. Jetzt soll er offenbar bleiben. Wie wollen Sie ihn weiterentwickeln?

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Das Training in der Intensität bringt ihn schon sehr viel weiter. Dazu wird er auch in unserer Regionalliga-Mannschaft zum Einsatz kommen. Wir sind überzeugt, dass er sich so bestmöglich entwickeln kann und dem FC langfristig helfen wird. Wir haben auch Steffen Tigges nicht verpflichtet, um in diesem Jahr Kölns bester Torschütze zu werden, sondern geben ihm die Zeit, um sich zu entwickeln.

Wie wird diese Planung von dieser sehr speziellen Saison beeinflusst, in der Mitte November für zwei Monate Pause ist?

Das ist für uns alle neu. Wir haben uns im Trainerteam sehr viele Gedanken dazu gemacht und haben einen Ablaufplan entwickelt, der bis zum 20. Januar geht.

Wie sieht der Plan aus?

Nach der Halbserie machen wir eine Reise in die USA, danach gibt es Urlaub. Dann beginnen wir nach zwei Wochen wieder mit dem Training, ehe es zu Weihnachten und Silvester für die Jungs noch mal freigibt. Die drei Wochen im Januar vor dem Start geht es wieder in die Vorbereitung, vielleicht auch in ein Trainingslager. Das werden wir sehen.

Es gab und gibt auch Überlegungen, in dieser Zeit ein Turnier zu veranstalten.

Nicht für uns. Mit der Reise in die USA und den Spielen da haben wir ausreichend Programm. Halbserie ist Halbserie.

Werden Sie in diesen anstrengenden Monaten vor dieser Pause, womöglich sogar mit einer Conference-League-Gruppenphase, Ihren intensiven Fußball anpassen? Gerade in Anbetracht der verkürzten Saisonvorbereitung?

Nein, im Idealfall bleibt die Intensität in jedem Spiel hoch. Wir sind darauf vorbereitet, haben uns verstärkt und der Kader ist stärker als im Vorjahr. Das heißt aber nicht automatisch, dass wir jetzt auf Platz fünf oder sechs landen.

Köln muss aber noch sparen und auch Stammspieler wie Anthony Modeste oder Ellyes Skhiri könnten noch abgegeben werden. Würden Sie in dem Fall auch von einem stärkeren Kader sprechen?

Ich gehe davon aus, dass beide bleiben. Natürlich gibt es Gespräche, aber ich befasse mich nicht mit Eventualitäten. Diese Gedanken mache ich mir nicht.

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