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Max Eberl: "Uli Hoeneß hat seine menschliche Seite nicht verloren"


INTERVIEWGladbach-Sportdirektor Max Eberl  

"Uli Hoeneß hat seine menschliche Seite nicht verloren"

Von Benjamin Zurmühl

19.10.2018, 06:26 Uhr
Max Eberl: "Uli Hoeneß hat seine menschliche Seite nicht verloren". Hat von Uli Hoeneß (l.) viel gelernt: Max Eberl. (Quelle: imago)

Hat von Uli Hoeneß (l.) viel gelernt: Max Eberl. (Quelle: imago)

Max Eberl feiert ein besonderes Jubiläum. Seit dem heutigen Freitag ist er zehn Jahre Sportdirektor in Gladbach. Im Interview mit t-online.de spricht er über seinen Job, die fehlende Ausbildung unter Sportdirektoren und erzählt eine Anekdote zu Uli Hoeneß, die ihn stark beeinflusst hat.

Nur Michael Zorc ist in der Bundesliga länger als Sportdirektor im Amt als Max Eberl. Zehn Jahre zieht der gebürtige Niederbayer nun die Fäden bei Borussia Mönchengladbach. Eine Zahl, die im heutigen Fußball eher untypisch ist. Zum Vergleich: Bei den Bundesliga-Trainern ist beispielsweise Christian Streich mit sieben Jahren am längsten im Amt.

Dass Eberl in Gladbach so viel Zeit verbracht hat, liegt vor allem an den starken Ergebnissen seiner Arbeit. Er machte aus dem Abstiegskandidaten ein Team, das die letzten Saisons häufiger im oberen Tabellendrittel zu finden ist. Sein Erfolgsgeheimnis: Eine gute Strategie und Kontinuität – und ein guter menschlicher Umgang. Diesen hat er sich von Uli Hoeneß abgeschaut ...

t-online.de: Herr Eberl, Sie feiern ihr zehnjähriges Jubiläum als Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Hätten Sie damals damit gerechnet, so lange bei einem Klub im Amt zu sein?

Ich schätze Kontinuität, deshalb hätte ich es mir sicher damals auch schon gewünscht. Rechnen sollte man damit aber nicht. Der Fußball ist so schnelllebig, da ist sowas selten. Auf meinem Weg musste ich auch einige Klippen umschiffen, die ganz anders hätten ausgehen können. Als ich ein paar Jahre als Sportdirektor hinter mir hatte, habe ich mir gewünscht, hinter Helmut Grashoff die zweitlängste Amtszeit als Manager zu haben (Grashoff war von 1966 bis 1991 Manager der Borussia, Anm. d. Red.). Das habe ich nun geschafft und im Januar bin ich sogar 20 Jahre beim Klub, was für mich ein weiterer Meilenstein ist.

Welche Momente sind Ihnen besonders im Kopf geblieben?

Da fällt mir sofort das Tor von Roberto Colautti im Jahre 2009 zum 1:0 gegen Schalke 04 am 31. Spieltag ein. Damals war Hans Meyer Trainer und wir konnten die Klasse halten. Dazu die Relegation in Bochum unter Lucien Favre zwei Jahre später. Nicht vergessen werde ich auch die 1:0-Führung gegen den FC Barcelona in der Champions League. Bis zu dem Zeitpunkt haben wir das Spiel dominiert – gegen Barcelona! Das sind Momente, die man sich für immer behält.

Sind Sie stolz auf das, was Sie in Mönchengladbach aufgebaut haben?

Ich bin sehr glücklich darüber, dass viele Sachen aufgegangen sind, die ich geplant habe. Wir haben sowohl auf als auch abseits des Platzes ein tolles Team aufgebaut. Bei all dem Druck und Erfolgshunger im Fußball gibt das ein gutes Gefühl, sich so aufeinander verlassen zu können.

Welche Eigenschaften muss ein Sportdirektor denn haben?

Da hat jeder Sportdirektor seine eigene Herangehensweise. Ich habe früher viel von Uli Hoeneß gelernt, der sehr strategisch den Verein Bayern München aufgebaut hat. In meiner Zeit in München Anfang der 90er-Jahre habe ich das live miterlebt. Uli hat seine menschliche Seite nicht verloren. Als ich damals bei Bayern gespielt habe, war ich kein Top-Spieler und wurde daher nach Bochum verliehen. Dort hatte ich mich leider schwer verletzt und bin zur Reha nach München zurück. Eines Tages fuhr Uli Hoeneß auf den Parkplatz am Vereinsgelände vor. Da standen Hunderte Fans und Journalisten und er lässt sie stehen, kommt zu mir und fragt mich, wie es mir geht. Und er hat es nicht gemacht, weil er es machen musste, sondern weil er es wollte.

Was haben Sie daraus mitgenommen?

Das war eine simple Situation, die mir gezeigt hat, worauf es ankommt. Es geht im Sport eben immer noch um Menschen und das Miteinander. Deswegen kommuniziere ich auch viel bei der Arbeit. Ich versuche dran zu sein, ohne zu nahe zu sein. Ich will meine Kollegen fordern, aber auch da sein, wenn sie mich brauchen.

Was ist Ihnen noch wichtig?

Ich arbeite sehr strategisch. Wir haben eine Idee und einen klaren Plan. Mein Schreibtisch ist zum Beispiel sehr klar geordnet und aufgeräumt, weil ich so auch meinen Job als Sportdirektor sehe.

Während Trainer zur Arbeit in der Bundesliga eine A-Lizenz brauchen, gilt das nicht für Sportdirektoren. Sollte das nicht eigentlich auch der Fall sein?

Hundertprozentig. Ich halte das für absolut logisch und notwendig, dass man eine Grundausbildung in diesem Job hat. Schließlich sind wir verantwortlich für Vereine, die Umsätze von 100 bis 700 Millionen Euro machen. Ich profitiere davon, dass ich nach meiner Schulzeit eine Weiterbildung zum Sportfachwirt abgeschlossen habe. Für mich war die Zeit als Jugenddirektor die bestmögliche Ausbildung. In dem Posten kannst du Fehler machen, ohne eine öffentliche Diskussion auszulösen. Es sind viel kleinere Summen, aber trotzdem trägt man Verantwortung für viele Menschen. Da geht es zum Teil auch um banale Dinge wie die Organisation von Fahrdiensten. Als ich dann Sportdirektor wurde, bezeichneten mich einige als "Greenhorn".  Da musste ich schmunzeln, weil ich mehr in dem Bereich gearbeitet hatte als mancher Ex-Profi, der direkt vom Fußballplatz ins Büro gewechselt ist.

Wollen Sie sich persönlich noch weiterentwickeln?

Ich will nicht stehen bleiben. Eine Sprache zu lernen wäre naheliegend und sinnvoll. Mein Englisch ist in diesem Beruf ohnehin automatisch besser geworden, weil ich oft mit Kollegen aus dem Ausland zu tun habe. Zu Beginn meiner Arbeit hier habe ich mich etwas davor geziert, viel Englisch zu sprechen. Abgesehen vom Sprachlichen wandelt sich der Beruf stetig. Die Menschen ändern sich. Die Spieler ändern sich. Der Umgang ändert sich durch Social Media. Da müssen wir als Sportdirektoren mitgehen. Wenn nicht, kommen jüngere Kollegen an und sägen berechtigterweise an deinem Stuhl. Man darf sich nicht krampfhaft an alten Dingen festhalten. Das heißt aber auch nicht, dass ich auch alle neuen Einflüsse mitmache. Ich bleibe meinen Stärken und Prinzipien treu.

Könnten Sie sich denn vorstellen, mal im Ausland zu arbeiten?

Ich kann es mir heute besser vorstellen als noch vor einigen Jahren, konkrete Gedanken habe ich keine. Ich hatte in meiner Karriere nur zwei Pläne: Ich wollte Fußball-Profi werden und im Management eines Klubs arbeiten. Beides ist mir gelungen und ich darf zwei Träume leben. Alles Weitere wird man sehen.

Im Zuge Ihrer Arbeit haben Sie viel mit den Kollegen aus England zu tun. Dort wurde in diesem Sommer die Transferperiode verkürzt. Auch in Italien schloss das Transferfenster früher als in den Jahren zuvor. Wie würden Sie Ihre Eindrücke beschreiben?

Ich habe mir mehr Vorteile für uns davon versprochen. Es war tatsächlich so, dass unsere Topspieler ab Mitte August nicht mehr in der Gefahr waren, aus England attackiert zu werden. Auf der anderen Seite waren wir auch nicht mehr in der Lage, Spieler von der Insel auszuleihen. Die Vereine haben gesagt, dass sie das gerne machen würden, aber keinen Ersatz mehr holen können. Somit konnten wir nicht mehr voneinander profitieren.

Sie waren stets ein Verfechter der früheren Schließung, sofern alle großen Ligen mitziehen würden. Ist das immer noch so?

Ja, ich wäre weiterhin dafür, die Transferperiode unter diesen Voraussetzungen zu verkürzen. Es kann aber nur funktionieren, wenn alle Länder mitmachen. Deutschland ist ein Exportmarkt. Bei uns werden Top-Spieler wie Aubameyang, Dembélé, ter Stegen oder Xhaka aus dem Ausland weggekauft. Wenn wir dann als erste Liga das Transferfenster schließen würden, könnten wir nicht mehr reagieren. Das wäre eine komplett falsche Strategie. So wie ich es verstehe, ist die spanische Liga strikt gegen eine Veränderung. Von daher ist jede weitere Diskussion überflüssig. Ich glaube auch, dass die englische Liga bald wieder auf Ende August zurückgeht.

Können Sie das näher erläutern?

Wenn ich meine Kollegen aus England so höre, sagen die schon: "Es wäre schon nicht schlecht, wieder mehr Zeit zu haben." Am Ende entscheidet das die Liga mit den Eigentümern, aber dieser Sommer war untypisch für die Premier League. Es wurde nicht so viel transferiert in England. Klar, es gab wieder zwei, drei große Einkäufe, aber es wurde schon weniger und die Vereine dort haben immer spät eingekauft. Dieses Jahr ging das nicht.

Nicht nur auf dem Transfermarkt gibt es viele Wechsel. Auch auf den Trainerbänken tut sich viel. Schon früh werden einige Coaches zur Diskussion gestellt. Was halten Sie davon?

Das ist gefährlich. Natürlich stehen Trainer und Sportdirektoren für den Erfolg eines Vereins, aber einen Trainer schon nach zwei Spielen infrage zu stellen, ist äußerst bedenklich. In einem solchen Fall hätte ich ihn schon vorher infrage stellen müssen. Denn dann ist das ja nur abhängig von Ergebnissen. Als Sportdirektor sehe ich schon die komplette Vorbereitung und müsste vorher reagieren. Natürlich gibt es von außen Druck, aber selbst wenn das angestrebte Ziel nicht erreichbar scheint, geht eine verfrühte Trainerdiskussion in die total falsche Richtung. Das ist ein generelles Phänomen in Deutschland. Es geht oftmals nicht um die Sache. Sondern: Wenn es schlecht läuft, muss ein Kopf rollen und wenn es gut läuft, muss ein Kopf gefeiert werden. Das Spiel rückt in der aktuellen Schnelllebigkeit in den Hintergrund.

Sie bleiben nicht nur ruhig wenn es schlecht, sondern auch wenn es gut läuft. Nach dem Abgang von Lucien Favre 2015 haben Sie länger gewartet, bis der erfolgreiche Interimstrainer André Schubert einen festen Vertrag erhielt.

Ich kannte André Schubert damals schon gut. Wir haben ihn aus der U15 des DFB geholt und bei uns ist er als Trainer der U23 an den Männerfußball herangerückt. Da kann ich nicht nach zwei Wochen eine Jobgarantie aussprechen. Wir haben die Entscheidung nach sechs bis sieben Wochen getroffen, weil wir gründlich darüber nachdenken wollten. Damals wurde dann oft gesagt, ich hätte ihn "enteiert". Nein, das habe ich nicht. Übrigens: Dieser Kredit, den André Schubert von der Öffentlichkeit zu Beginn hatte, der war zum Saisonende schon viel weniger. Damals haben wir die Champions League erreicht, was ein sehr großer Erfolg ist. Trotzdem wurde an ihm gezweifelt. Dann haben wir ein klares Statement gesetzt und seinen Vertrag verlängert. Schließlich war er unser Trainer und daran gab es keine Zweifel.

Trotzdem trennte sich Gladbach im darauffolgenden Winter von Schubert.

Leider konnten wir die guten Leistungen nicht aufrechterhalten und mussten uns im Winter von ihm trennen, aber auch das geschah nicht aus einer Emotion oder öffentlichem Druck heraus. Auch diese Entscheidung haben wir nach vielen Gesprächen und reiflicher Überlegung getroffen. Ich bin nun mal ein Sportdirektor, der lange an Trainern festhält. Ich möchte ihnen die Chance geben, aus einem Loch herauszukommen. Da helfen keine übereilten Entscheidungen.

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