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Machtkampf beim VfB Stuttgart – das steckt hinter Hitzlspergers Angriff

Machtkampf in Stuttgart  

Das steckt hinter Hitzlspergers Angriff auf den Präsidenten

31.12.2020, 10:58 Uhr | sid, np

Machtkampf beim VfB Stuttgart – das steckt hinter Hitzlspergers Angriff. "Tiefe Risse im Verein": Das Tischtuch zwischen Präsident Claus Vogt (li.) und dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger scheint zerschnitten zu sein. (Quelle: imago images/Pressefoto Baumann)

"Tiefe Risse im Verein": Das Tischtuch zwischen Präsident Claus Vogt (li.) und dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger scheint zerschnitten zu sein. (Quelle: Pressefoto Baumann/imago images)

Der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger hat Präsident Claus Vogt scharf kritisiert und stellt sich beim VfB Stuttgart nun selbst zur Wahl im März 2021. Es droht ein Machtkampf, der zur Unzeit kommt.

Ein "tiefer Riss", ein "unzumutbarer Zustand" und ein "Profilierungswunsch eines Einzelnen": Thomas Hitzlsperger hat Claus Vogt in einem Offenen Brief scharf kritisiert, dem Präsidenten des VfB Stuttgart die Eignung für dieses wichtige Amt abgesprochen und einen Machtkampf um die Vereinsspitze entfacht. Der Ex-Nationalspieler wird selbst bei den Präsidentschaftswahlen am 18. März 2021 antreten, mit dem Ziel, den Klub "zu vereinen und eine Entwicklung zu stoppen, die den VfB innerlich vergiftet".

Hitzlspergers düstere Zukunftsprognose

Es sind drastische Formulierungen die der Ex-Nationalspieler wählt. Und auch die Veröffentlichung eines vierseitigen Briefes ohne Stellungname des Vereins überrascht so kurz vor dem Jahresende – und löst einen Machtkampf aus, wie Hitzlsperger selbst in seinem Schreiben zum Ausdruck bringt.  

Doch Hitzlsperger sieht seine Kandidatur wohl als alternativlos, da er die Gefahr sieht "kaputtzumachen, was wir in den letzten zwölf Monaten erreicht haben". Eine düstere Zukunftsprognose. Seine Kandidatur "soll ein Ausweg aus dieser Lage sein." Doch wie stehen seine Chancen?

Klar ist: Hat Hitzlsperger Erfolg, ist er endgültig der starke Mann bei den Schwaben. Schon jetzt arbeitet der 38-Jährige als Vorstandsvorsitzender und zugleich Sportvorstand. Er ist einer von vier Kandidaten, die ihre Präsidentschaftsbewerbung eingereicht haben.

"Existenz des ganzen Vereins" bedroht

Mit welchen Ambitionen Hitzlsperger in den Wahlkampf geht, drückte er in seinem Brandbrief unmissverständlich aus. Vogt, selbst erst seit Dezember 2019 im Amt, sorge für einen "tiefen Riss", der zwischen "unserem Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Vogt auf der einen Seite und dem gesamten Vorstand der AG und zahlreichen Gremienmitgliedern aus Präsidium, Aufsichtsrat und Vereinsbeirat sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der anderen Seite" verlaufe.

Der Präsident bedrohe wegen seines "Profilierungswunsches" die "Existenz des ganzen Vereins", so Hitzlsperger, der immer wieder betonte, dass der aktuelle sportliche Erfolg nur eine Momentaufnahme sei und durch eine Führungskrise schnell wieder hinfällig sein könnte.

"Unser Erfolg darf keine Momentaufnahme sein", forderte Hitzlsperger, dessen Wort beim VfB auch deshalb Gewicht hat, weil er zuletzt höchst erfolgreich arbeitete. Das Team steht als Aufsteiger auf Platz sieben, spielt mutigen und sehenswerten Offensivfußball. Der Machtkampf der Oberen nach einem überaus erfolgreichen Jahr kommt daher zur Unzeit.

Hitzlsperger: "Keine erkennbaren Fortschritte"

Vogt zog sich mit kritischen Nachfragen in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender angeblich den Zorn altgedienter VfB-Funktionäre zu. Darüber hinaus nutzt er wohl seine in der Vereinssatzung festgeschriebene Kontrollfunktion sehr ausgiebig.

"Claus Vogt ist mit Zielen und Vorstellungen angetreten, die uns allen wichtig sind. Ein Jahr später ist so gut wie nichts davon umgesetzt", schrieb Hitzlsperger: "Bei keinem dieser Themen, bei denen der Präsident die Führung übernommen hat, gibt es erkennbare Fortschritte. Es tut mir leid, aber das lässt sich nicht auf die Corona-Pandemie schieben."

Ein achtköpfiger Vereinsbeirat wählt in den kommenden Tagen zwei Bewerber aus, die sich dem Votum der Mitglieder stellen dürfen. Neben Vogt und Hitzlsperger stehen der Geschäftsmann Volker Zeh und die als Stuttgarter OB-Kandidatin gescheiterte Friedhild Miller auf der Liste. Zeh und Miller werden nur geringe Chancen eingeräumt.

Und wie stehen die Fans zum Machtkampf?

Sowohl Vogt als auch Hitzlsperger erfreuen sich im Klub eigentlich großer Beliebheit. Während mit Hitzlsperger und Sportdirektor Sven Mislintat der aktuelle sportliche Erfolg verbunden wird, gilt Vogt als Fanliebling, der sich gerne öffentlichkeitswirksam positioniert. 

Vogt selbst hat sich zu den Anschuldigungen des Vorstandschefs bislang nicht geäußert.Auf eine Anfrage der Stuttgarter Nachrichten/Zeitung antwortete er nur knapp: "Internes bleibt bei mir intern". Auch der Verein selbst, offenkundig in einer Zwickmühle, hat noch kein öffentliches Statement abgegeben. 

Und die Fans? Die sind, wie so oft, gespalten. Allerdings kristallisiert sich, zumindest im Internet, ein Plus an Befürwortern Claus Vogts heraus. Hitzlsperger muss sich einer bislang nie dagewesener Kritik stellen. 

Er sei ein "wesentlicher Teil der alten Seilschaft", die mitverantwortlich für den Datenskandal aus dem Jahr 2017 ist (Mehr dazu lesen Sie hier). Der Blog "Stuttgart international" spricht von einer "Selbstüberhöhung des Lehrlings", der "Nachhilfe in politischer Theorie" benötigt. Gemeint ist damit Hitzlspergers Streben nach Macht im "roten Clubhaus", der mit dem zusätzlichen Ausüben des Präsidialamtes endgültig zum starken Mann bei den Schwaben aufsteigen würde. Es ist ein Machtkampf zur Unzeit. 

Verwendete Quellen:

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