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Bundesliga | Hertha BSC: Diese Trainerlösung klingt verrückt


Hertha BSC in der Krise
Diese Trainerlösung klingt verrückt

Pro & KontraVon Robert Hiersemann und Florian Wichert

04.10.2021Lesedauer: 1 Min.
Interview
Was ist ein Pro & Kontra?

Die subjektive Sicht zweier Autoren auf ein Thema. Niemand muss diese Meinungen übernehmen, aber sie können zum Nachdenken anregen.

Weltstar Andrea Pirlo: Nach 293 Tagen, 52 Spielen und einem Punkteschnitt von 2,15 war für den 42-Jährigen Schluss als Trainer von Juventus Turin. Zuletzt sagte er: "Ich würde gern ins Ausland."Vergrößern des Bildes
Weltstar Andrea Pirlo: Nach 293 Tagen, 52 Spielen und einem Punkteschnitt von 2,15 war für den 42-Jährigen Schluss als Trainer von Juventus Turin. Zuletzt sagte er: "Ich würde gern ins Ausland." (Quelle: Independent Photo Agency/imago-images-bilder)

Beim Hauptstadtklub brodelt es mal wieder, Trainer Dárdai wackelt. Braucht Hertha einen neuen Coach, vielleicht sogar einen namhaften?

Die Krise von Hertha BSC wird immer schlimmer. Der Hauptstadtklub läuft nach dem 1:2 gegen den SC Freiburg und der fünften Niederlage der jungen Saison dem Tabellenmittelfeld hinterher. Trotzdem gab Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic dem Trainer Pál Dárdai schon kurz nach Schlusspfiff eine Arbeitsplatzgarantie. Der Ungar bleibe Trainer von Hertha BSC – auch nach der Länderspielpause. "Ja, also noch mal, weil die Leistung – das habe ich Pál auch gesagt – insgesamt in Ordnung ist."

"Ich habe viele positive Ansätze gesehen", sagte Bobic. "Die Leistung und die Art und Weise war insgesamt in Ordnung, auch von der Körpersprache. Auch wenn das Ergebnis nicht stimmt." Darüber lässt sich sicher streiten, dennoch schloss Bobic an: "Wir sind jetzt ein, zwei Spiele im Rückstand und müssen alles tun, um den Rückstand im Herbst aufzuholen."

Bei Sky brachte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus als TV-Experte wenig später als möglichen Nachfolger Edin Terzić ins Spiel. Einen Kontakt mit dem ehemaligen Dortmunder Trainer und jetzigen Technischen Direktor hatte Bobic vor gut zwei Wochen noch deutlich dementiert. Und sich stattdessen – wie auch jetzt – für Dárdai ausgesprochen. Die spannende Frage nach dem verpatzten Saisonstart und dem Bobic-Bekenntnis:

Braucht Hertha BSC nicht eigentlich sofort einen neuen Trainer?

Pro
Florian WichertStellvertretender Chefredakteur

Ja, Dárdai ist gescheitert – und jeder weiß das

Nur sechs Punkte nach sieben Spielen, dafür schon 20 Gegentore. Zuletzt? Die 1:2-Heimpleite gegen Freiburg. Hertha und Trainer Pál Dárdai haben einen Katastrophenstart hingelegt. Die Bundesliga lacht mal wieder über den selbst ernannten "Big City Club". Trotz Ausgaben in Höhe von 160 Mio. Euro allein an Ablöse für neue Stars in den letzten zwei Jahren.

Die Hertha-Mannschaft spiele, als sei sie mit Messern zu einer Schießerei gekommen, sagte Sky-Kommentator Toni Tomic am Wochenende. Und hat recht. Herzlos, ideenlos, konzeptlos – so kann es nicht weitergehen.

Dárdai ist sicher ein guter, ehrlicher Typ – aber die Bilanz ist genauso inakzeptabel wie seine jämmerliche Pressekonferenz vor vier Wochen, als er sich selbst als "kleinen Pál" bezeichnete, der eigentlich nur auf Abruf Trainer ist. Damit hat er seine eigene Autorität endgültig über Bord geworfen und sich wirklich ein Ablaufdatum verpasst. Das ist nun überschritten.

Wer könnte übernehmen? Edin Terzic oder Florian Kohfeldt wären naheliegend, aber wenig kreativ. Spannender wäre die große Lösung. Die klingt verrückt, passt aber zu den internationalen Ambitionen: Andrea Pirlo, der nach seiner ersten Trainerstation bei Juventus Turin ins Ausland möchte und Deutschland kennt. Nicht nur durch die WM 2006. Unter anderem in Duisburg stellte er seine Weine vor.

Dárdai zumindest ist gescheitert – und jeder weiß das.

Kontra
Robert HiersemannBereichsleiter Entwicklung

Nein, Dárdai ist weiterhin der richtige Trainer für Hertha

Hertha BSC hält weiter an Pál Dárdai fest und macht damit alles richtig. Denn er wird den Verein erneut (knapp) in der Bundesliga halten – so, wie es ihm schon 2015 und 2021 gelang. Tauscht man den Ungarn aber aus, ist alles möglich. Auch der Abstieg.

Denn im Sommer verkaufte und verlieh die Vereinsführung Topspieler wie Cunha, Jhon Córdoba und Dodi Lukebakio für insgesamt 54,5 Millionen Euro. Die acht Zugänge mit einem Gesamtmarktwert von gerade mal 25,6 Millionen können das nicht kompensieren.

Dárdai kennt den Klub, zu dem er als 21-Jähriger 1997 wechselte, besser als jeder andere. Ihm liegt etwas an Hertha. Und auch die Zahlen belegen, dass er der richtige Mann ist: Unter Dárdai holten die Berliner im Schnitt 1,25 Punkte pro Spiel. Das ist der beste Wert der vergangenen fünf Hertha-Trainer! Kein Jürgen Klinsmann, kein Bruno Labbadia und schon gar nicht Ante Covic können da mithalten.

Viel wichtiger als ein neuer Trainer ist es, zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Hertha kein Verein für die vorderen Ränge ist, sondern zum erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten zählt. Und solange keine besseren Profis verpflichtet werden, sollte man froh sein, einen aufopferungsvoll kämpfenden Vereinshelden wie Dárdai an der Seitenlinie stehen zu haben.

Wer hat recht?

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.

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  • Im „Zweikampf der Woche“ kommentieren wir wöchentlich ein aktuelles Fußballthema. Sehen Sie den Schlagabtausch regelmäßig auch im Video – am Montag und manchmal auch Dienstag ab 19.30 Uhr im Rahmen der „Sport1 News“ bei Sport1 oder ab Montagnachmittag hier oben im Artikel.
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