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FC Bayern | Hainer exklusiv: "Beckenbauer fehlt mir vor allem als Freund"


Bayern-Präsident Hainer
"Wir erleben, wie eine Partei die Gesellschaft spaltet"

InterviewVon Julian Buhl

12.06.2024Lesedauer: 7 Min.
Interview
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Herbert HainerVergrößern des Bildes
Der Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München: Herbert Hainer. (Quelle: Sven Hoppe/dpa/dpa-bilder)

Im Exklusiv-Interview mit t-online spricht Bayern-Präsident Hainer über die Heim-EM, die am Freitag in München startet. Bei einem Thema wird er emotional.

Von München aus nahm schon das erste "Sommermärchen" 2006 seinen Lauf. Schließlich wurde damals am 9. Juni in der bayerischen Landeshauptstadt mit dem 4:2-Sieg der deutschen Nationalelf im WM-Auftaktspiel gegen Costa Rica das erste Kapitel eines denkwürdigen Turniers geschrieben. Diese Geschichte soll sich ab Freitag aus deutscher Sicht am besten wiederholen.

Denn 18 Jahre später soll es nun ein zweites "Sommermärchen" geben. Das von Bundestrainer Julian Nagelsmann angeführte DFB-Team wird die Europameisterschaft im eigenen Land am Freitag mit dem Spiel gegen Schottland erneut in der Münchner Arena eröffnen (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online). Auch für den FC Bayern ist das eine besondere Ehre. Bei einem Sieg und einer weiter zunehmenden Euphorie könnte ein für die DFB-Elf prägendes Heimturnier wieder im Stadion des deutschen Rekordmeisters seinen Anfang genommen haben.

Auch Herbert Hainer ist sich der Bedeutung der Partie bewusst. Im zweiten Teil des großen Exklusiv-Interviews mit t-online spricht der Bayern-Präsident über seine Erwartungen an die Heim-EM, über die Arbeit von Nagelsmann und das DFB-Comeback von Toni Kroos, aber auch über die Lücke, die Franz Beckenbauer hinterlassen hat – und über politische Entwicklungen, die ihm Sorgen bereiten.

t-online: Herr Hainer, am Freitag haben Sie jetzt ein ziemlich großes Terminproblem, oder?

Herbert Hainer: Das stimmt. Es wird jetzt das vierte Finalspiel der BBL-Meisterplayoffs stattfinden. Deshalb sind wir mit dem FC Bayern Basketball am Freitag in Berlin. Und ich habe auch eine Einladung zum Eröffnungsspiel der EM in München.

Wie werden Sie dieses Dilemma, in dem Sie jetzt stecken, lösen?

Ich hätte es den Basketballern des FC Bayern, aber auch mir gewünscht, dass sie den erhofften Meistertitel möglichst in drei Spielen klarmachen. Dann hätte ich am Freitagabend freigehabt. (Lacht.) Jetzt habe ich ein Luxusproblem und werde mich kurzfristig entscheiden.

Welche Bedeutung hat das EM-Eröffnungsspiel?

Für die Stadt München und uns als FC Bayern München ist es toll, dass so viele Spiele in der Allianz Arena und auch das Eröffnungsspiel hier stattfinden. Deutschland gegen Schottland wird eine Menge Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Generell freue ich mich unheimlich, dass die EM in Deutschland stattfindet. Solche großen Ereignisse sind perfekt, um die Menschen zusammenzubringen: Da gibt es Public Viewings und Riesenfeste auch außerhalb der Stadien. Auch die WM 2006 war nicht nur sportlich ein großer Erfolg.

Sondern worin noch?

Deutschland ist an ihr gewachsen. Auf einmal haben wir uns als Deutsche wieder getraut, Fähnchen ans Auto zu stecken und mit unserer schwarz-rot-goldenen Fahne zu winken. Das erhoffe ich mir jetzt auch wieder.

Die Allianz Arena wird während der EM nun "Munich Football Arena"– und nicht etwa Franz-Beckenbauer-Arena. Bedauern Sie das?

Für Franz Beckenbauer, der als Mensch und Fußballer Großartiges geleistet hat, wäre das natürlich toll gewesen. Aber so sind nun mal die Regularien. Wir sind ja nicht der Veranstalter, sondern die Uefa.

Wie sehr fehlt Beckenbauer gerade jetzt mit Blick auf die Heim-EM?

Er fehlt mir vor allem persönlich als Freund. Ich habe gerade kürzlich wieder mit seiner Frau telefoniert. Es war einfach immer etwas Besonderes, mit Franz Beckenbauer zu tun zu haben. Ich habe ihn vor 30 Jahren kennengelernt, Franz war ja immer ein Adidas-Athlet. Wir sind dann über die vielen Jahre auch Freunde geworden. Es ist einfach schade, dass es diese Begegnungen jetzt nicht mehr gibt.

Und wie sehr fehlt er dem Land bei der EM?

Als Fußballer und mit dem, was er für Fußball-Deutschland geleistet hat, ist er unersetzlich. Denken Sie nur daran, wie er vor der WM 2006 durch 31 Länder und im Grunde die ganze Welt gereist ist, um die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland zu promoten. Was er da auf sich genommen hat, das kann man ihm nicht hoch genug anrechnen.

Bei der Gedenkfeier für Beckenbauer Anfang des Jahres erinnerte Uli Hoeneß ebenfalls an die WM 2006 und sagte: "Da müssen wir wieder hinkommen in unserem Land, dass alle stolz sind. Aber ich möchte ganz deutlich betonen, dass ich bei diesem Prozess die AfD nicht dabeihaben möchte!" Wie sehen Sie das?

Wir erleben gerade, wie eine Partei wie die AfD die Gesellschaft spaltet. Der FC Bayern und auch die Nationalmannschaft müssen zeigen, dass man seinen Kurs halten muss – wir werden nie abdriften, nicht nach links und niemals nach rechts. Wir alle haben die Verpflichtung, die Demokratie zu beschützen.

Bereitet Ihnen die politische Entwicklung in Deutschland Sorgen?

Eine Spaltung der Gesellschaft kann nie einen positiven Aspekt haben. Dem müssen wir gemeinsam entgegenwirken. Denn es ist ein unheimliches Gut, dass unsere Generation zum Beispiel nie einen Krieg in Deutschland erlebt hat und wir hier ein freiheitliches, demokratisches Leben führen können. Das ist absolut schützenswert und jeder einzelne Bürger muss etwas dafür tun.

Ist die EM da auch eine Chance?

Absolut, gerade im Sport ist das Zusammenführende viel stärker als das Trennende. Wir haben beim FC Bayern alle möglichen Hautfarben im Verein, unterschiedliche Religionen, unterschiedliche sexuelle Neigungen und es passt trotzdem alles sehr gut zusammen – oder gerade deshalb. In der Nationalelf ist das genauso. Da hat der Sport die faszinierende Kraft, die Spaltung und Ausgrenzung, die teilweise in der Gesellschaft existiert, zu überwinden. So eine EM kann dazu auch viel beitragen.

Was konkret erwarten Sie vom Turnier?

Ich bin überzeugt, dass die EM als Veranstaltung ein absoluter Erfolg wird. Die deutschen Fans werden das sicherlich super mittragen – und zwar nicht nur mit Blick auf die deutsche Nationalmannschaft, sondern auch mit ihrer Gastfreundschaft. Jetzt hoffe und wünsche ich mir – und bin eigentlich auch davon überzeugt –, dass die deutsche Mannschaft gut abschneiden wird.

Woher nehmen Sie die Überzeugung?

Wir sind der größte Fußballverband der Welt, haben schon vier Weltmeisterschaften gewonnen. Die Ergebnisse der letzten drei Turniere entsprachen nicht unseren Fähigkeiten. Da sind wir deutlich unter unseren Möglichkeiten geblieben.

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Und Bundestrainer Julian Nagelsmann ist der Richtige, um diese Fähigkeiten aus der Mannschaft rauszuholen?

Ganz sicher. Schon als Julian Nagelsmann Bundestrainer wurde, habe ich gesagt, dass er für mich der absolut Richtige ist. Weil er Aufbruchstimmung erzeugen kann. Und das hat sich bewahrheitet. Das hat man gegen die Niederlande und Frankreich, aber auch jetzt in den Testspielen gegen die Ukraine und Griechenland wieder gesehen, auch wenn da zuletzt nicht alles geglückt ist. Doch es gibt wieder Feuer und Eifer. Ich bekomme das ja hautnah mit.

Das müssen Sie erklären.

Ich wohne ja immer noch in Herzogenaurach, wo die Nationalelf jetzt ihr EM-Quartier hat. Die Atmosphäre dort ist großartig, es herrscht Aufbruchstimmung. Deutschland wird auch schon wieder als einer der Favoriten genannt. Julian Nagelsmann hat dazu viel beigetragen.

Unter anderem mit der Nominierung von Toni Kroos, den er von einer Rückkehr in die Nationalelf überzeugt hat?

Natürlich. Er hatte den Mut, Toni Kroos noch einmal zurückzuholen. Nicht jeder hat sofort gejubelt. Aber er ist davon überzeugt und Toni Kroos hat ja auch hervorragend gespielt. Wir haben jetzt wieder im Finale der Champions League gesehen, zu was er in der Lage ist.

Kroos könnte seine Karriere zum Abschluss nun mit dem EM-Titel krönen.

Das wäre natürlich eine tolle Geschichte. Er ist so schon ein sagenhaft erfolgreicher Fußballer. Chapeau auch, wie er seinen Rücktritt jetzt bekannt gegeben hat. Es ist nicht einfach für so einen erfolgreichen Sportler, dann zu sagen: "Ich könnte schon noch ein, zwei Jahre weiterspielen, aber ich will mich jetzt mehr um meine Familie kümmern." Auf der Höhe des Erfolgs mit dem Champions-League-Sieg abzutreten, das gelingt nicht jedem.

Für Thomas Müller (35) und Manuel Neuer (38) könnte es ebenfalls das letzte große Turnier mit der Nationalelf sein.

Ich wünsche beiden, dass sie ein großartiges Erlebnis bei der EM haben werden.

Könnte das auch dem FC Bayern nach dieser ernüchternden, titellosen Saison helfen?

Es hilft jedem Verein und jedem Spieler, wenn er mit einem Erfolgserlebnis von so einem Turnier zurückkehrt. Und nicht mit verpassten Zielen im Hinterkopf – wie zuletzt mit dem Vorrundenaus bei der WM in Katar.

Der Bayern-Block in der Nationalelf ist bei der EM nicht so dominant, wie das in der Vergangenheit häufig der Fall war. Wie bewerten Sie das?

Das ist wahrscheinlich ein Spiegelbild der Saison, die wir gespielt haben. Aber insgesamt haben wir schon sehr viele Nationalspieler bei der EM dabei, nicht nur bei der deutschen Nationalelf. Und ich bin davon überzeugt, dass wir in Zukunft auch wieder das Gros der deutschen Mannschaft stellen werden.

Am 31. Mai 2025 wird in der Allianz Arena das nächste große Spiel ausgetragen werden: das Endspiel der Champions League. Das zu erreichen ist jetzt das, was beim FC Bayern über allem steht, oder?

Wir sind sehr glücklich, dass wir 2025 das Finale hier in München haben, und es wäre natürlich ein Traum, zu Hause wieder im Finale zu stehen.

Ist die Aussicht auf dieses Heimfinale ein Anlass, dass Sie sich Gedanken über Ihre persönliche Zukunft zu machen? Ihre Amtszeit als Präsident läuft noch bis November 2025.

Es sind noch knapp anderthalb Jahre bis zur nächsten Präsidiumswahl. Ich schaue in diesem Sommer, dass wir die neue Saison anpacken, damit wir im nächsten Jahr vor allem wieder Deutscher Meister werden. Meine eigene Zukunft spielt aktuell keine Rolle.

Wirklich nicht? Am 3. Juli werden Sie 70 Jahre alt. Gehen Sie da nicht mal in sich und überlegen, wie Ihre weitere Lebensplanung aussieht?

Nicht wirklich. Ich bin ja ein Sportverrückter und beim FC Bayern München schon seit über 20 Jahren im Aufsichtsrat. Deswegen mache ich mir auch an meinem Geburtstag keine Gedanken, was ich am Tag danach tun werde. Mir macht es als Präsident beim FC Bayern unheimlich viel Spaß. Solange das der Fall ist, mache ich weiter.

Der Zeitpunkt, wann Sie über Ihre Zukunft nachdenken werden, ist also noch offen. Der Ort, an dem Sie das tun werden, steht aber trotzdem schon fest, oder?

Was meinen Sie genau?

Na, den Bauernhof Ihrer Tochter, den Sie ja auch vor der letzten Präsidiumswahl 2022 besucht haben …

Das kann gut sein, dass ich das dieses Mal wieder so machen werde. (Lacht.) Denn da gibt es viel Ruhe zum Nachdenken in der freien Natur mit den Pferden.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Interview mit Herbert Hainer
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