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Weltfrauentag: Was die Fußball-Männer von den Frauen lernen können

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MEINUNGMehr Klarheit, weniger Phrasen  

Was die Fußballer von den Frauen lernen können

Ein Kommentar von Benjamin Zurmühl

08.03.2018, 16:32 Uhr
Weltfrauentag: Was die Fußball-Männer von den Frauen lernen können. Lena Goeßling (l.), Alexandra Popp (m.) und Tabea Kemme: Drei Beispiele für Fußballerinnen, die sich nicht davor scheuen, ihre Meinung zu sagen. (Quelle: imago)

Lena Goeßling (l.), Alexandra Popp (m.) und Tabea Kemme: Drei Beispiele für Fußballerinnen, die sich nicht davor scheuen, ihre Meinung zu sagen. (Quelle: imago)

Jede Woche werden viele Interviews mit Fußball-Profis veröffentlicht, die oft ähnliche Aussagen haben. Klare Meinungen fehlen dabei immer häufiger. Positive Gegenbeispiele finden sich bei den Frauen.

Was hätte Frank Rost als aktiver Spieler des HSV wohl nach der Niederlage im Nordderby gegen Bremen vor zwei Wochen gesagt? Wir werden es nie erfahren. Doch nach einer solchen Leistung im vielleicht wichtigsten Spiel des Jahres wäre ihm wohl die Hutschnur geplatzt. Die aktuellen Profis des HSV vermieden jedoch klare Ansagen, verloren sich eher in Phrasen oder wichen aus. 

"Dafür handele ich mir auch immer mal wieder Ärger ein"

Ein Punkt, den auch Mario Basler wenige Wochen zuvor im "Sport1-Doppelpass" heftig kritisierte: "Bei den meisten Interviews von den Spielern nach dem Spiel mache ich den Ton aus oder schalte um. Die reden alle nur noch den gleichen Mist." Auch den Ursprung des Problems lieferte er: "Es hat doch keiner mehr seine eigene Meinung. Früher hat man nach dem Spiel gesagt: 'Ich hab scheiße gespielt.' Heute sagen sie: 'Der Gegner war besser'."

Damit hat Basler bewusst übertrieben. Dass keiner mehr seine Meinung sagt, entspricht nicht der Wahrheit. Trotzdem hat man oft das Gefühl, dass Spieler bei einigen Fragen ihre tatsächlichen Ansichten zurückhalten. Wahrscheinlich aus Angst, in der Öffentlichkeit und besonders in den sozialen Medien dafür abgestraft zu werden.

Mats Hummels ist der Meinung, dass das für die Spieler kein Grund sein darf. "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass man den Leuten Fußball erklären oder ihnen zumindest ein bisschen aufzeigen kann, was hinter den Kulissen passiert – ohne dabei Vertraulichkeiten zu brechen. Dafür handele ich mir auch immer mal wieder Ärger ein, aber das nehme ich in Kauf", sagte er im Interview mit dem Sportmagazin "Socrates".

Klare Worte – und viel Lob

Mit der Denkweise ist Mats Hummels leider in der Minderheit. Muss man sich also darauf einstellen, dass es in Zukunft immer mehr Spieler gibt, die lieber schweigen als bestimmte Themen anzusprechen? Wahrscheinlich. Doch ein Blick in den Frauenfußball zeigt, dass die Öffentlichkeit für offene Worte auch dankbar sein kann. 

Ein Beispiel ist Tabea Kemme. Die deutsche Nationalspielerin und Olympiasiegerin von Rio de Janeiro zeigte sich im Interview mit t-online.de aufgeweckt, reflektiert und war trotzdem nicht weniger freundlich als ihre männlichen Kollegen. Sie zeigte keine Angst vor einem "Shitstorm" in den sozialen Medien und sprach ein paar brisante Punkte an. Hier ein paar Beispiele:

  • "Die Theatralik und Schauspielerei im Männerfußball hat zugenommen und den Spielfluss zerstört."
  • "Bei den Ablösesummen, die in den Markt investiert werden, wird völlig über das Ziel hinausgeschossen. Das ist eine Frechheit."
  • "Die EM lief miserabel. Die Enttäuschung war sehr groß, weil wir uns sehr intensiv vorbereitet haben. Das ist das Schlimmste, was einem Sportler passieren kann."

Keine Phrasen, klare Aussagen. Auch die Rückmeldungen der Leser waren sehr positiv. Ein/e Leser/in von t-online.de schrieb zum Beispiel: "Danke an Frau Kemme, die mal sagt, was Sache ist." Ein/e andere/r ergänzte: "Ich bin überrascht, dass sich bislang niemand vom starken Geschlecht zu der Problematik klar und eindeutig positioniert hat."

Der Finger in der Wunde

Mit ihren Aussagen war Tabea Kemme kein Einzelbeispiel. Alexandra Popp zum Beispiel zählte nach einer peinlichen 2:3-Niederlage gegen Island ihre Mannschaft an: "So geht es nicht weiter. Es muss knallen innerhalb des Teams." Damit hat Popp nicht lange um den heißen Brei herum geredet, sondern sofort den Finger in die Wunde gelegt. 

Alexandra Popp (r.) war nach dem Spiel gegen Island sauer über die Mannschaftsleistung. (Quelle: imago/Pressefoto Baumann)Alexandra Popp (r.) war nach dem Spiel gegen Island sauer über die Mannschaftsleistung. (Quelle: Pressefoto Baumann/imago)

Auch Teamkollegin Lena Goeßling war ein paar Wochen später überraschend nicht im Kader der DFB-Frauen. Eine Begründung erhielt sie laut eigener Aussage von Trainerin Steffi Jones nicht. Statt es zu verschweigen und damit die Fragen der deutschen Fußball-Fans unbeantwortet zu lassen, gab sie ihre Gefühlslage preis.

Geschadet hat es ihr offenbar nicht, denn sie hat sich mit Trainerin Jones inzwischen ausgesprochen und fand sich beim "SheBelieves Cup" wieder im Kader. Ein professionelles Verhalten von Goeßling, aber auch von Jones. Das Problem anzusprechen ist wichtig, es aber auch intern korrekt und ehrlich zu regeln, mindestens genauso.

Fazit: Man darf nicht vergessen, dass Männer im Fußball stärker in der Öffentlichkeit stehen als Frauen. Damit gehen auch Risiken einher. Trotzdem wäre es zu wünschen, dass sich mehr männliche Fußball-Profis ein Beispiel an den Frauen nehmen, öffentliche Kritik in Kauf nehmen und ihre Sichtweisen klar äußern. Mats Hummels geht mit gutem Beispiel voran.

Verwendete Quellen:

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