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Grings zur Frauen-WM: Titelkampf – vier Teams sind weiter als Deutschland


MEINUNGGrings zur WM 2019  

Kampf um WM-Titel: Vier Teams sind weiter als Deutschland

Eine Kolumne von Inka Grings

16.06.2019, 11:05 Uhr
Grings zur Frauen-WM: Titelkampf – vier Teams sind weiter als Deutschland . Die USA starteten mit einem beeindruckenden 13:0 gegen Thailand in das Turnier.  (Quelle: imago images/ZUMA Press)

Die USA starteten mit einem beeindruckenden 13:0 gegen Thailand in das Turnier. (Quelle: ZUMA Press/imago images)

Am Montag kämpft Deutschland beim Spiel gegen Südafrika um den Gruppensieg. Ein Punkt schon reicht für Platz eins. Doch reicht die bisherige Leistung für den Titel? Ein Blick auf meine Turnierfavoritinnen der WM. 

Sechs Punkte aus zwei Spielen. Ein von den Resultaten her optimaler Start für das deutsche Team. Doch ist dieses Team auch Titelaspirant? Wo steht die deutsche Mannschaft im Vergleich zu den anderen Top-Nationen wie zum Beispiel den USA, Frankreich oder Australien?

Doch schauen wir erst nochmal auf das letzte Spiel gegen Spanien zurück. Spanien war handlungsschneller und wacher – und auch in dieser Partie hätte sich Deutschland, wie schon gegen China, nicht beschweren dürfen, wenn es mit 0:2 in die Pause gegangen wäre.

Stärkere Gegner werden die Unsicherheiten ausnutzen

Die Abwehr wirkt noch nicht zu 100 Prozent eingespielt. Marina Hegering hat erst fünf Länderspiele absolviert, natürlich fehlt ihr die Erfahrung – und auch Sara Doorsoun konnte der Abwehr noch nicht die nötige Stabilität verleihen. Stärkere Gegner werden solche Unsicherheiten sicherlich ausnutzen.

Grundsätzlich lief die deutsche Mannschaft anfangs nur hinterher und bekam im Mittelfeld keinen Zugriff – das wurde durch die Wechsel zur Pause dann deutlich besser. Klara Bühl möchte ich hervorheben, die ein tolles WM-Debüt gefeiert und nach ihrer Einwechslung richtig Schwung in die Offensive gebracht hat.



Apropos Offensive: Es war auffällig, dass Handlungsschnelligkeit fehlte. Das muss man hinterfragen. Liegt es an der heimischen Liga, die vielleicht am Ende doch nicht so gut ist? Liegt es an der Unerfahrenheit der jungen Spielerinnen?

Natürlich darf man nicht vergessen, dass 15 Debütantinnen im Kader stehen und sich diese Mannschaft im Umbruch befindet. Nichtsdestotrotz ist es enttäuschend, dass die Führungsspielerinnen spielerisch nicht überzeugend eingreifen. Lena Goeßling, Alexandra Popp, Verena Schweers: Das sind alles Spielerinnen mit internationaler Erfahrung, von denen ich ein Stück weit mehr erwarte.

Das deutsche Team kann sich nicht auf Individualistinnen verlassen

Dafür ist es umso bewundernswerter, wie beispielsweise Giulia Gwinn, Klara Bühl oder Lena Oberdorf vor Selbstbewusstsein strotzen und mit ihrer Frische und Dominanz glänzen. Diese Qualität kann in der Zukunft noch sehr wertvoll sein.

Aktuell kann man festhalten: Das deutsche Team kann sich nicht auf Individualistinnen verlassen, weil es diese derzeit in der Mannschaft einfach nicht gibt. Das Kollektiv ist entscheidend und funktioniert. Man spürt, dass diese Mannschaft eine Einheit ist.

Gegen Südafrika ist nun nicht die Zeit für Experimente. Stabilität und Sicherheit gewinnen sollte das Credo sein. Denn ab dem Achtelfinale wird das Tempo anziehen – dann dürfen Fehler wie die gegen China oder Spanien nicht mehr passieren.

Titelfavorit? Vier Teams sind weiter als Deutschland

Aber gehört diese Mannschaft nun auch zu den Titelfavoriten? Eine Einordnung nach der Vorrunde ist schwierig, vor der K.o.-Phase werden die Karten neu gemischt. Grundsätzlich zählt die deutsche Mannschaft trotz der schwankenden Leistung bislang nach wie vor zum Favoritenkreis. Allerdings sehe ich sie, Stand jetzt, in meiner persönlichen Rangliste erst an fünfter Stelle. Vier Teams sind da weiter.

Das sind zum einen die USA und Frankreich: Diese Mannschaften treten mit einem Kader an, der schon seit mehreren Jahren in der gleichen Konstellation zusammenspielt. Das merkt man einfach auf dem Platz. Sie sind gefestigt, strahlen eine wahnsinnige Sicherheit und ein enormes Selbstbewusstsein aus.

Wie sich die USA selbst fordern, ist großes Kino!

Insbesondere die USA: die Entschlossenheit, die Konzentration von Anpfiff bis Abpfiff, die Passqualität – das fand ich extrem beeindruckend. Normalerweise erwartet man, dass ein Team spätestens nach einem 8:0 einen Gang runterfährt. Aber sie fordern sich permanent selbst, das ist ganz großes Kino!

Bei Gastgeber Frankreich sind die Dynamik in der Offensive sowie das Zusammenspiel in der Spitze herausragend. Sie haben mit Le Sommer auch eine Angreiferin, die sich in absoluter Topform befindet. Und dazu kommt natürlich noch die enorme Stärke bei Standards, die man schon in den ersten Spielen bestaunen durfte.


Auch Norwegens Spielerinnen haben mich sehr beeindruckt. Sie haben gegen Frankreich lange und stark dagegengehalten, sich absolut nicht von der Atmosphäre beeindrucken lassen und das Tempo selber hochgehalten. Von diesem Team verspreche ich mir noch einiges.

Zu guter Letzt natürlich noch Australien, die ich nach wie vor als Geheimfavoriten auf dem Zettel habe. Gegen Italien haben sie etwas unglücklich verloren, gegen Brasilien lagen sie schon mit 0:2 hinten. Wie dieses Team zurückgekommen ist und das Spiel gedreht hat, spricht für eine wahnsinnige Mentalität innerhalb der Mannschaft und ein großes Selbstbewusstsein.


Generell ist in der Gruppe C mit Brasilien, Italien und Australien noch völlig offen, wer am Ende nur Dritter wird – und damit im Achtelfinale auf Deutschland treffen könnte. Das wird nochmal richtig spannend am letzten Spieltag. Ich freue mich drauf.


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