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Gehirnerschütterungen im Fußball: Der Druck wächst

Besorgniserregende Neuigkeiten  

Kopfverletzungen: Der Druck auf den Fußball wächst

01.11.2019, 10:11 Uhr
Gehirnerschütterungen im Fußball: Der Druck wächst. Dortmunds Jadon Sancho: Kopfverletzungen können für die Stars der Bundesliga gefährliche Folgen haben. (Quelle: imago images/Thomas Bielefeld)

Dortmunds Jadon Sancho: Kopfverletzungen können für die Stars der Bundesliga gefährliche Folgen haben. (Quelle: Thomas Bielefeld/imago images)

Gehirnerschütterungen im Fußball sind weiter ein sensibles Thema. Neue Studien bestätigen die Sorge, dass die Gefahren von Kopfverletzungen größer sind als bisher gedacht.

Das große Problem beim Thema Risiko von Gehirnerschütterungen im Fußball war bisher, dass kaum etwas bekannt war. Weder über die konkreten Folgen noch über die Anzahl. Während im American Football keine andere Verletzung so thematisiert wird, tappt der Fußball noch im Dunkeln. Lediglich eine Studie des University Colleges in London stellte fest, dass von ihnen untersuchte Fußballer eher an Demenz erkrankten als Nichtfußballer. 

Mehr Demenz, mehr Alzheimer, mehr Parkinson

Einen belegbaren Zusammenhang oder konkrete Ursachen konnten sie noch nicht feststellen. Aber es war immerhin ein Ansatz. Und genau diesen Ansatz verfolgten auch andere. Forscher der Universität Glasgow führten eine Studie durch, die sogar die FA, also der englische Fußballverband, mitfinanzierte. Sie untersuchten 7.676 tote Fußballer, die zwischen den Jahren 1976 und 1990 geboren wurden und verglichen sie mit rund 23.000 toten Nichtfußballern, deren Alter, Geschlecht und sozialer Status sich nicht unterschied.

Dabei stellten sie fest, dass die Demenz-Wahrscheinlichkeit bei Fußballern dreieinhalb Mal so groß war wie bei der Vergleichsgruppe. Auch die Fälle von anderen Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer waren signifikant höher. Ein klares Signal dafür, dass der Fußball für den Kopf ungesund sein kann.

"Wir wollten einfach, dass der Fußball das Richtige tut"

Auch Jeff Astle verstarb 2002 an den Folgen einer Hirnkrankheit, verursacht durch den Fußball. Seine Tochter Dawn wurde inzwischen von über 400 anderer Familien von demenzkranken Fußballern kontaktiert. Die Ergebnisse der Studie sollten sie eigentlich nicht überraschen, trotzdem war sie schockiert. "Wir wussten, dass mein Vater nicht der Einzige sein kann. (...) Wir wollten einfach, dass der Fußball sich wirklich für das Problem interessiert und das Richtige tut." Mit der Studie ist diesbezüglich ein Anfang getan.

Jeff Astle: Er ist bei West Bromwich Albion eine Legende. Zehn Jahre spielte er für die "Throstles". (Quelle: imago images/Colorsport)Jeff Astle: Er ist bei West Bromwich Albion eine Legende. Zehn Jahre spielte er für die "Throstles". (Quelle: Colorsport/imago images)

Was aus der Studie jedoch nicht hervorgeht, sind die Ursachen für die erhöhten Fälle der Hirnkrankheiten. Sind es tatsächlich Gehirnerschütterungen, die nicht gut ausheilten und für größeren Schaden sorgten? Sind es vielleicht die Fußbälle, die vor vielen Jahren noch schwerer waren als die heutigen und so bei Kopfbällen gefährlicher waren? Sind es sogar andere Faktoren?

Die ersten Maßnahmen

Diese Fragen konnten die Wissenschaftler noch nicht beantworten. Der Leiter der Studie, Willie Stewart, sagte: "Es müssen zwar alle Anstrengungen unternommen werden, um die Faktoren zu ermitteln, die zu dem erhöhten Risiko neurodegenerativer Erkrankungen beitragen, damit dieses Risiko verringert werden kann."

Der Neuropathologe fügte aber auch an: "Es müssen auch die möglichen großen gesundheitlichen Vorteile des Fußballspielens berücksichtigt werden." Und auch die sind signifikant. Herzkrankheiten und Krebsarten wie Lungenkrebs traten bei den Fußballern seltener auf. Das ist erfreulich, schmälert aber noch nicht die Ergebnisse bezüglich der Hirnerkrankungen.

Nicht zu unterschätzen: Die gefährlichen Folgen von Kopfballduellen. (Quelle: imago images/Nordphoto)Nicht zu unterschätzen: Die gefährlichen Folgen von Kopfballduellen. (Quelle: Nordphoto/imago images)

Nun entwickelt sich der Fußball kontinuierlich weiter – und auch in Sachen Kopfverletzungen in eine positive Richtung:

  1. Das moderne Spiel, sei es mit viel Ballbesitz oder blitzschnell ausgespielten Umschaltsituationen, ist flacher geworden. Es gibt weniger lange Bälle oder Flanken, was zu weniger Kopfballduellen führt. Somit sinkt das Risiko für Kopfverletzungen. Sportanalysten von Opta haben 2008/09 noch rund 38 Flanken pro Premier-League-Spiel gemessen, inzwischen sind es rund 24. 
  2. Auch die englischen Klubs haben schon Lehren aus der genannten Studie gezogen. Erstligist AFC Bournemouth hat damit aufgehört, in seinen Jugendakademien Kopfbälle trainieren zu lassen. Auch der schottische Fußballverband hat die Anzahl der Übungen mit Kopfbällen reduziert. Dass man Kopfbälle im Spiel nicht vermeiden kann, ist klar. Doch im Training können sie minimiert werden. Es gibt schließlich genug Spielformen, gerade für junge Kinder, die einen Einsatz des Kopfes nicht erfordern. 

Fußball vor Eishockey

Wie gefährlich der Fußball gerade im Kindesalter sein kann, zeigt nämlich eine weitere Studie. Diese stammt nicht aus England, sondern aus den USA. An der Universität von North Carolina haben Forscher die Gehirnerschütterungen von Highschool-Schülern in diversen Sportarten untersucht. Über 9.500 Fälle analysierten die Wissenschaftler und stellten ihre Ergebnisse vor Kurzem vor.

Die meisten Gehirnerschütterungen traten, wenig überraschend, beim American Football der Jungs auf. 10,4 Fälle gab es pro 10.000 Athleten. Auf Platz zwei lag aber schon der Mädchenfußball mit 8,19 Fällen a 10.000 Athletinnen. Erst danach folgte das Eishockey der Jungs.
    

    
Diese Ergebnisse kamen für viele überraschend, schließlich erlebt der Fußball in den USA gerade einen Hype, da er die "gesündere" Alternative zu physisch intensiveren Sportarten wie American Football darstellt. Das ist auch nach der Studie definitiv noch zutreffend, doch unterschätzt werden dürfen die Gefahren des Fußballs nicht.

Genau das gilt nun auch für die deutschen Fußballvereine. Sich ein Beispiel an den englischen Teams zu nehmen, würde keinem Klub schaden, sondern sogar in der Ausbildung der jungen Kinder helfen. Denn langfristige Gesundheit sollte das Ziel eines jeden Fußballprofis sein.

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