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RB vor erstem Titel: Leipzig als liebstes Fan-Feindbild

Von dpa
Aktualisiert am 16.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Fans von RB Leipzig halten ihre Fanschals in die Höhe.
Fans von RB Leipzig halten ihre Fanschals in die Höhe. (Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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Leipzig (dpa) - Rudi Völler versteht die Welt nicht mehr. Und so erbat sich die deutsche StĂŒrmerlegende als eine Art letzten Wunsch vor dem Ruhestand, dass der SC Freiburg vor dem Pokalfinale gegen RB Leipzig einlenkt und den ins Alberne mĂ€andernden Schalstreit beendet.

"Ihr könnt nicht zum Finale und Theater haben. Das könnt Ihr mir zum Abschied nicht antun", sagte Völler auf seiner Abschiedsfeier bei Bayer Leverkusen. Freiburg hatte vor dem Endspiel am Samstag die Verwendung ihres Wappens fĂŒr gemeinsame Fanartikel untersagt.

Mintzlaff: "HĂ€me muss man sich erarbeiten"

Abneigung gegen RB Leipzig hat mittlerweile so etwas wie Tradition im deutschen Fußball. Dann ist immer wieder vom Konstrukt die Rede, das es eigentlich gar nicht geben dĂŒrfte. WĂ€hrend man sich auf Manager-Ebene mittlerweile mit dem Gegenteil abgefunden hat, gibt es in der Fanszene weiter Widerstand. "Wir machen solche Produkte fĂŒr die Fans und wenn die Grundlage dafĂŒr nicht gesehen wird, dann sollte man es auch lassen", sagte Freiburgs GeschĂ€ftsfĂŒhrer Oliver Leki bei Sky zum Schal-Zoff. Der 49-JĂ€hrige zeigte sich erstaunlicherweise ĂŒberrascht von dem Ausmaß dieser Entscheidung.

Dabei wird das Feindbild RB Leipzig oftmals dann vermehrt bedient, wenn der Club erfolgreich ist. Da kommt so ein Pokalfinale gerade recht, in dem die Sachsen ihren ersten großen Titel gewinnen können. Schließlich nimmt RB der Logik folgend einem anderen Verein den Platz im Finale weg. Im Trainingszentrum am Leipziger Cottaweg gehen sie damit routiniert um und bedienen sich bei Wilhelm Busch, der Neid einst als aufrichtigste Form der Anerkennung bezeichnete. "HĂ€me muss man sich erarbeiten", sagte Vorstandsboss Oliver Mintzlaff.

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Vielen Gegnern von RB Leipzig geht es aber weder um Neid noch um HĂ€me. Sie sehen den Missbrauch ihres Spiels. Sie sehen ZustĂ€nde wie in England, wo Clubs von Oligarchen und Scheichs gesteuert werden und wo ein Verein wie Newcastle United in der kommenden Saison in den Farben Saudi Arabiens spielen soll, weil deren neuer EigentĂŒmer eben dorther kommt. Sie wollen, die Zukunft ihres Vereins mitgestalten und vor allem mitbestimmen dĂŒrfen.

Mitbestimmung ist in Leipzig nicht gegeben

Das ist in Leipzig nicht vorgesehen. "Da wird Fußball gespielt, um eine GetrĂ€nkedose zu performen", Ă€tzte einst Borussia Dortmunds GeschĂ€ftsfĂŒhrer Hans-Joachim Watzke. Eine romantische Geschichte, nach der sich ein paar Kumpels mit demselben Hobby zusammentaten und einen Verein grĂŒndeten - die gibt es bei RB nicht. Mitbestimmung fĂŒr Fans entfĂ€llt weitgehend. Stand MĂ€rz 2022 hatte Leipzig nur 20 stimmberechtigte Mitglieder.

Hinzu kommen ein paar Hundert Fördermitglieder. Die dĂŒrfen bei den Mitgliederversammlungen zuschauen, aber haben nichts zu sagen. Solche öffentlichen ZusammenkĂŒnfte gibt es auch erst seit 2014, weil sie Auflage und Bedingung fĂŒr den Zweitligaaufstieg waren.

Im Regelwerk des deutschen Fußballs war das System RB im GrĂŒndungsjahr 2009 nicht vorgesehen. Es war einem Investor untersagt, sich in einen Verein einzukaufen, die Stimmenmehrheit zu ĂŒbernehmen, den Namen zum Zweck der Werbung zu Ă€ndern oder neu zu vergeben.

"RB" steht fĂŒr RasenBallsport

Also grĂŒndete der österreichische GetrĂ€nke-MilliardĂ€r Dietrich Mateschitz den Verein einfach selbst und kaufte dem SSV MarkranstĂ€dt das Startrecht fĂŒr die Oberliga ab. Die 50+1-Regelung, laut der muss der Verein eine ausgelagerte Kapitalgesellschaft steuern, wurde damit in Leipzig ausgehebelt. Denn das Unternehmen ist der Verein.

Der Kniff, nach dem RB fĂŒr RasenBallsport und nicht fĂŒr Red Bull stehen soll, bringt so manchen Gegner der Leipziger noch mehr in Rage. Der SĂ€chsische Fußball-Verband hatte zunĂ€chst alle EntwĂŒrfe fĂŒr das Clubwappen abgelehnt, da es dem Markenzeichen des Konzerns zu Ă€hnlich war. Nach leichten Änderungen wurde im Mai 2010 doch alles durchgewunken.

Dem Vernehmen nach erwogen der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga einmal, gegen das Leipziger Modell zu klagen. Doch das hĂ€tte wohl auf wackligen FĂŒĂŸen gestanden. Schließlich wirkt insbesondere die TSG Hoffenheim mit MĂ€zen Dietmar Hopp als eine Art PrĂ€zedenzfall.

Fankultur lÀsst sich nicht kaufen

Nach ein paar Jahren ohne den erhofften Ertrag verpflichtete Mateschitz Ralf Rangnick. Und der fĂŒhrte den Club dorthin, wo er heute steht. Im oberen Regal des deutschen Fußballs.

Was sich allerdings nicht kaufen lĂ€sst, ist eine Fankultur. Selbst Trainer Domenico Tedesco bemĂ€ngelte nach dem - nicht ausverkauften - Halbfinal-Hinspiel in der Europa League gegen die Glasgow Rangers die maue Stimmung. Zum RĂŒckspiel reisten dann nur 1000 AnhĂ€nger, ein geplanter Fanmarsch wurde abgesagt.

Zuletzt schmiss der Club deswegen seine PR-Maschine an und wurde nicht mĂŒde zu betonen, dass man fĂŒr das Pokalfinale 50 000 Tickets hĂ€tte verkaufen können. Viele Fans gingen demnach leer aus. Und auf einen gemeinsamen Finalschal mit Freiburg mĂŒssen sie verzichten.

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