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Luis Rubiales will nach Kuss-Eklat im Amt bleiben: Ein Schlag ins Gesicht


Ein Schlag ins Gesicht

Von David Digili

Aktualisiert am 25.08.2023Lesedauer: 3 Min.
Meinung
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SOCCER-WORLDCUP-ESP/Vergrößern des Bildes
Quelle: Juan Medina/Reuters

Der umstrittene Funktionär bleibt an der Spitze von Spaniens Fußball. Seine Erklärung ist ein Skandal. Jetzt muss es Konsequenzen geben.

Er ist eigentlich schon längst weg. Er will es nur noch nicht wahrhaben. Und im besten Fall reißt er gleich all seine Mitstreiter mit in den Abgrund.

Wüsste man es nicht besser, Luis Rubiales‘ Auftritt an diesem Freitag hätte auch als Satire durchgehen können, als Verballhornung durch einen täuschend echten Doppelgänger. Was der Präsident des spanischen Fußballverbands aber da in Madrid aufführte, das war hässlichste Realität.

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Krude Thesen, wilde Verschwörungstheorien

Was als Rücktrittserklärung des Funktionärs nach dem Kuss-Skandal erwartet wurde, geriet zur Schmierenkomödie, zu einem bizarren Rundumschlag mit kruden Thesen, wilden Verschwörungstheorien und kraftmeiernden Durchhalteparolen.

"Soll mich ein Küsschen in beiderseitigem Einvernehmen hier rausbringen?" trotzte der 46-Jährige der anwesenden Presse und all seinen Kritikern entgegen. "Ich werde kämpfen bis zum Ende", und das muss beim Blick auf Rubiales verqueres Selbstverständnis als Drohung verstanden werden. Er sei Opfer einer "Hetzkampagne", "falscher Feminismus" wolle ihn zur Strecke bringen, man wolle an ihm "eine öffentliche Hinrichtung" begehen. Es fehlte nicht viel, und Rubiales hätte wahrscheinlich auch noch "den Westen" für die Kritik an ihm verantwortlich gemacht und seinen aufgezwungenen Kuss als "Spezialoperation" zur "Entnazifizierung" der betroffenen Nationalspielerin Jenni Hermoso erklärt.

"Ich werde nicht zurücktreten" brüllte Rubiales mehrfach, bekam zum Abschluss dann – auch das ein trauriger, surrealer Moment – vereinzelt gar Standing Ovations.

Eine verschworene Gemeinschaft

Wer gedacht oder gar gehofft hatte, der Tiefpunkt einer selbstgerechten, weinerlichen und mit einem enormen Minderwertigkeitskomplex behafteten Männerwirtschaft sei bereits mit Rubiales‘ Übergriff auf Hermoso und seiner halbherzigen "Entschuldigung" erreicht, den belehrten Spaniens Fußballchef und seine Ermächtiger auf abscheulichste Weise eines Besseren. Auch Nationaltrainer Jorge Vilda saß übrigens in vorderster Reihe und spendete inbrünstig Applaus – und beantwortete so auch die Frage, warum er, ebenfalls einschlägig aufgefallen, überhaupt noch im Amt ist.

Es ist eine verschworene Gemeinschaft, eine Gutsherrenrunde, die sich darin gefällt, niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, mit nicht zu überbietender Dreistigkeit jegliche Kritik abbügelt und ungestört von unliebsamer Kritik weiterwurschteln will. Die traurige Wahrheit: Unterstützung für den Frauenfußball, für Frauenrechte, für Inklusion und Diversität, wie in schicken Hochglanzkampagnen, schnellen Clips und bunten Aktionen demonstriert, ist für diese Herren eben doch nur geschickte PR. Geschickte PR, unter deren Deckmantel Belästigung, Missbrauch, Diskriminierung und Beleidigung munter weiter betrieben werden können. Diese falsch lächelnde Maske haben sich die Verantwortlichen in den letzten Tagen selbst vom Gesicht gerissen.

Jetzt muss es eine Reaktion geben

Vielleicht aber hat Rubiales ungewollt sogar eine ganz andere Entwicklung angestoßen. Denn wie sich die spanische Öffentlichkeit im Nachgang erneut und noch vehementer gegen Rubiales positioniert, von der Politik über Torwart-Denkmal Iker Casillas bis hin zu aktiven männlichen Spielern, das ist vorbildlich – und sollte auch der deutschen (Fußball-)Gesellschaft nach den beschämenden Reaktionen ihrer Köpfe ein Beispiel sein.

Mehr noch: Jetzt muss es eine geschlossene Reaktion geben – die in ihrer Schärfe keine Zurückhaltung kennen darf. Spaniens Starspielerin Alexia Putellas solidarisierte sich nach Rubiales‘ Volte erneut klar mit ihrer Teamkollegin Hermoso, schrieb auf der Plattform X (vormals Twitter): "Das ist nicht hinnehmbar. Schluss. Mit Dir, Kameradin."

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Und tatsächlich – Spaniens Nationalspielerinnen bleibt nun nur noch eine Möglichkeit, wie sie bereits unsere Kolumnistin Tabea Kemme vor kurzem gefordert hatte: Der geschlossene Rücktritt. Am Abend folgte dann auch die Reaktion der Weltmeisterinnen: Sie wollen das Nationaltrikot nicht mehr tragen, bis Rubiales abgetreten ist.

Denn in der Selbstversicherung Rubiales‘ und seiner Macho-Clique steckt so viel, was Sorgen machen muss, nicht nur im spanischen Fußball. Im Weltfußball. In Deutschland. In der Öffentlichkeit. Es sind drei teils sportliche, teils gesellschaftliche Fragen, die gestellt und diskutiert werden müssen. Jetzt. Sofort.

  • Wollen Eltern ihre Töchter wirklich einem Sportverband ausliefern, dessen tollwütige Schergen sich in einem Selbstbedienungsladen wähnen?
  • Mit welchen anderen Abscheulichkeiten kommen möglicherweise Führungskräfte durch, die nicht derart exponiert sind wie Rubiales?
  • Zu welchem progressiven gesellschaftlichen Beitrag sind Funktionäre, Manager, Geschäftsführer, Konzernchefs, auch Politiker fähig, die Übergriffe gegen Frauen ignorieren, bagatellisieren oder gar protektionieren?

Die Antworten sollten klar sein. So wie das Aus für Luis Rubiales. Spaniens Sportbehörde hat mittlerweile seine Suspendierung beantragt. Er will es nur noch nicht wahrhaben.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen
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