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Premier League – Emile Heskey über Jürgen Klopp: "Alle wollen für ihn spielen"

INTERVIEWEngland-Legende Emile Heskey  

"Alle wollen für Klopp spielen"

24.11.2020, 10:52 Uhr
Premier League – Emile Heskey über Jürgen Klopp: "Alle wollen für ihn spielen". Jürgen Klopp: Der Liverpool-Trainer ist auf der Insel sehr beliebt. (Quelle: imago images/PA Images)

Jürgen Klopp: Der Liverpool-Trainer ist auf der Insel sehr beliebt. (Quelle: PA Images/imago images)

Drei Deutsche sind in England aktuell in aller Munde: Jürgen Klopp, Timo Werner, Kai Havertz. Die Schlagzeilen könnten aber unterschiedlicher kaum sein. Der eine wird gelobt, der andere scharf kritisiert. Dabei ist besonders die Kritik fehl am Platz, meint eine Fußball-Ikone von der Insel.

Vor Emile Heskey hatten viele Verteidiger in der Premier League Angst. Der Mittelstürmer war bullig, körperlich robust und bestrafte jeden Fehler. Ihn 90 Minuten lang auszuschalten, erforderte viel Arbeit und Konzentration. Gelungen ist es nur wenigen Spielern.

In über 500 Premier-League-Partien für Teams wie Leicester City, dem FC Liverpool und Aston Villa schoss Heskey 111 Tore. Er stürmte in der Champions League, im Uefa-Cup und natürlich auch für die "Three Lions", der englischen Nationalmannschaft. Kaum einer kennt den Fußball auf der Insel so gut wie der inzwischen 42-Jährige. 

Als Experte arbeitet er unter anderem für den TV-Sender Sky und ist als Botschafter der Frauen-Mannschaft von Leicester City tätig. Bei t-online erklärt er, warum es Kai Havertz beim FC Chelsea bisher schwer hatte und was die Bundesliga der Premier League voraus hat.

t-online: Herr Heskey, Sie haben viele Jahre für den FC Liverpool gespielt, kennen den Verein gut. Jürgen Klopp ist seit einigen Jahren dort Trainer. Wie ist sein Image in England?

Emile Heskey: Er hat einen sehr guten Ruf. Er ist aber mehr als nur ein erfolgreicher Trainer. Klopp wird als ehrliche und vertrauenswürdige Person wahrgenommen. Er ist ein guter Anführer, steckt mit seiner Vision den ganzen Klub an. Er spricht mit allen Leuten am Trainingsgelände, kennt jeden Mitarbeiter mit Namen. Klopp ist einfach ein guter Typ, für den alle spielen und ihr Bestes geben wollen.

Emile Heskey spielte von 2000 bis 2004 für den FC Liverpool. (Quelle: imago images/Sportsline)Emile Heskey spielte von 2000 bis 2004 für den FC Liverpool. (Quelle: Sportsline/imago images)

Klopp ist dazu etwas gelungen, was nur wenige Trainer bei Spitzenklubs schaffen. Er hat mehrere Eigengewächse an die Mannschaft herangeführt und sie entwickelt.

Das ist die deutsche Philosophie. Das sieht man doch in der Bundesliga. Dort werden immer wieder junge Spieler eingesetzt, die bereit sind, alles für den Verein zu geben. Klopp schenkt diesen Talenten Vertrauen und Einsätze. In der Innenverteidigung ist er aktuell dazu gezwungen, junge Spieler einzusetzen. Aber er gibt ihnen das Selbstvertrauen, dass sie das schaffen können. Das ist der Unterschied zu anderen Trainern. Denn in England sind die Coaches in der Regel nur zehn schlechte Spiele von einer Entlassung entfernt. Da gehen sie lieber kein Risiko ein und setzen nicht auf junge Talente, die womöglich noch Fehler machen.

Apropos Trainer in England. Vor zwei Jahren hatten rund drei Viertel aller Premier-League-Teams einen nicht-englischen Trainer. Inzwischen ist es "nur" noch rund die Hälfte. Wie sehen Sie die Entwicklung mit neuen, jungen Gesichtern wie Frank Lampard oder Scott Parker?

Auch hier nehme ich gerne Deutschland als positives Beispiel. In Deutschland bekommen die Trainer Zeit. Dort verstehen die Chefetagen die Dynamiken in Vereinen und Mannschaften besser. Sie wissen, warum man dem Trainer mehr Zeit geben sollte. In England bekommt man oft nicht die Zeit oder gar nicht erst die Chance, zumindest nicht in der ersten Liga. Wir haben immer noch junge Trainer wie Harry Kewell oder Joey Barton, aber sie arbeiten in den unteren Ligen.

Scott Parker zählt zu den jüngsten Trainern der Premier League. (Quelle: imago images/PA Images)Scott Parker zählt zu den jüngsten Trainern der Premier League. (Quelle: PA Images/imago images)

Neu in der Premier League ist auch Timo Werner, der für Chelsea schon einige Tore geschossen hat. Was sagen Sie als langjähriger Premier-League-Stürmer zu seinen Leistungen?

Mir hat es gefallen, dass er nicht lange gebraucht hat, um sich in der Premier League zurechtzufinden. Das Spiel in England ist sehr schnell, daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Er hat jetzt schon gezeigt, dass er einer der besten Spieler von Chelsea ist. Er ist dazu sehr vielseitig. Im Sturm kannst du ihn links, rechts oder im Zentrum aufstellen. Ich glaube, er könnte sogar im offensiven Mittelfeld spielen.

An Schnelligkeit mangelt es Werner tatsächlich nicht. Dazu hat er seinen Torabschluss in den letzten Jahren stark verbessert.

Er ist sehr clever, sehr schnell und weiß, wo das Tor steht.

Kai Havertz hat mehr Schwierigkeiten mit der Anpassung an die Liga gehabt. Wie lange wird er brauchen, um mit dem englischen Fußball klarzukommen?

Ich glaube, er hat Probleme mit dem Tempo des Fußballs hier. Es geht sehr hektisch auf dem Platz zu. Es ist ein Hin und Her über 90 Minuten. Schauen Sie sich Cesc Fabregas, Thierry Henry oder Patrick Vieira an. Sie haben alle ein Jahr gebraucht, um ihre Fitness und ihren Spielstil an die Premier League anzupassen und zählten danach zu den besten Spielern der Liga.

Nicht nur Havertz braucht noch etwas Zeit, auch das ganze Team von Chelsea muss noch etwas zusammenwachsen. Der Klub hat im Sommer viel Geld für Neuzugänge investiert, die Mannschaft hat aber das Potenzial, in ein bis zwei Jahren um die Meisterschaft zu spielen.

Das Problem in der Premier League ist, dass hier keiner Geduld hat. Fans und Vereine wollen sofortigen Erfolg. Wie alt ist Kai Havertz? 21 Jahre?

Ja, genau.

Sehen Sie, Havertz ist immer noch ein Kind. Er sollte die Zeit und die Chance bekommen, zu wachsen und sich zu verbessern.

Zwei Deutsche in London mit unterschiedlichem Start: Timo Werner (l.) und Kai Havertz. (Quelle: imago images/PA Images)Zwei Deutsche in London mit unterschiedlichem Start: Timo Werner (l.) und Kai Havertz. (Quelle: PA Images/imago images)

Um sich weiterzuentwickeln, gehen viele englische Talente in die Bundesliga. Wird die Bundesliga in England inzwischen als eine "Entwicklungsliga" betrachtet?

Die Bundesliga ist eine Liga, in der es verstanden wird, Spieler und Trainer besser zu machen. Das System ist darauf ausgerichtet. In England wiederum werden diese Entwicklungen blockiert. Wir haben so viele gute Spieler, die in den U23-Teams festsitzen, die keine Chance in der ersten Mannschaft bekommen. Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir an der Spitze im europäischen Fußball stehen und gleichzeitig eigene Talente zu Topspielern entwickeln können. Ein paar der besten Talente der Welt gehen nach Deutschland. Nicht nur aus England, auch aus anderen Ländern. Haaland und Reyna zum Beispiel. Wenn es um die Entwicklung von Talenten geht, ist die Bundesliga die beste Liga der Welt.

In Deutschland gibt es aktuell jedoch einen Mangel an deutschen Talenten auf hohem Niveau, weil junge Spieler aus anderen Ländern den Vorzug bekommen.

Das ist bei uns nicht anders. Unsere besten Talente gehen ins Ausland, so wie Jadon Sancho oder Jude Bellingham. Die zweite Reihe wird in die unteren englischen Ligen verliehen. Nehmen Sie Beispiele wie Kyle Walker, Harry Kane oder Dele Alli. Sie haben ihr Profidebüt zum Teil in der 3. Liga gefeiert. Genau deswegen gehen die Spieler doch nach Deutschland, nach Belgien, nach Frankreich oder nach Portugal. Sie wollen Einsätze auf hohem Niveau und bekommen sie in England nicht. Es ist einfach so viel Geld in dieser Liga unterwegs, sodass die Trainer unter einem zu hohen Ergebnisdruck stehen.

Zwei Engländer beim BVB: Jadon Sancho (l.) und Jude Bellingham. (Quelle: imago images/Kirchner-Media)Zwei Engländer beim BVB: Jadon Sancho (l.) und Jude Bellingham. (Quelle: Kirchner-Media/imago images)

In England wird nun auch diskutiert, die Premier League von 20 auf 18 Teams zu verkürzen. Was halten Sie davon?

Wir sind an dem Punkt, an dem sich die Ligen mit der Uefa und der Fifa zusammensetzen sollten. Es sind einfach zu viele Spiele insgesamt. Alle drei bis vier Tage stehen die Jungs auf dem Platz. Bei der Geschwindigkeit des modernen Spiels ist das schlichtweg nicht machbar. Der ganze Spielplan muss revolutioniert werden. Aber wir sind sehr traditionell in England, eine Umstellung wird schwierig. Dazu muss man auch sagen, dass von einer kleineren Liga vor allem die großen Klubs profitieren würden. Ein Klassenerhalt bedeutet aktuell 120 Millionen Pfund mehr auf dem Konto. Ein Verbleib in der Liga wäre aber für die kleineren Vereine nun weitaus schwieriger. Für die Spitzenklubs verändert sich wenig. Außer, dass sie weniger Spiele hätten.

Zum Abschluss: Der FC Bayern hat in der vergangenen Saison die Champions League gewonnen und gilt auch in diesem Jahr als Topfavorit. Welcher englische Klub wird den Bayern gefährlicher: Manchester City oder der FC Liverpool?

Manchester City. Bayern ist meiner Meinung nach nicht das beste Team, das ist Manchester City. Wenn beide Mannschaften einen guten Tag haben, gewinnt City. Aber Bayern weiß, worauf es ankommt. Sie verstehen den Wettbewerb und zeigen das auch seit mehreren Jahren. Sie sind konstanter und eines der besten Teams in Europa.

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