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Klopp oder Tuchel – wer ist der bessere Trainer?

Von Florian Vonholdt

Aktualisiert am 04.03.2021Lesedauer: 3 Min.
Jürgen Klopp (l.) gegen Thomas Tuchel: Sie treffen am Donnerstag bereits zum 15. Mal in ihrer Trainer-Karriere aufeinander.
Jürgen Klopp (l.) gegen Thomas Tuchel: Sie treffen am Donnerstag bereits zum 15. Mal in ihrer Trainer-Karriere aufeinander. (Quelle: PA Images/Focus Images/imago-images-bilder)
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Jürgen Klopp steckt mit Liverpool in der Krise, jetzt kommt Thomas Tuchel mit dem wieder erstarkten Chelsea an die Anfield Road. Wer hat im deutschen Trainer-Duell die Nase vorn? Ein Vergleich.

Reds gegen Blues, Liverpool gegen Chelsea, oder einfach: Klopp gegen Tuchel. Am Donnerstagabend (21.15 Uhr im t-online-Liveticker) treffen sich der FC Liverpool und der FC Chelsea zum Topspiel in England. Es steckt eine Menge Brisanz in dieser Partie. Zum einen wäre da die aktuelle Tabellensituation. Meister Liverpool liegt als bislang enttäuschender Sechster einen Platz und einen Punkt hinter Chelsea. Beide brauchen jeden Zähler, um sich für die Champions League zu qualifizieren.

Zum anderen ist da das Duell an der Seitenlinie zwischen den beiden deutschen Trainer-Exportschlagern, die erstmals in der Premier League aufeinander treffen: Jürgen Klopp gegen Thomas Tuchel. In ihrem Werdegang weisen sie einige Gemeinsamkeiten auf, in ihrer Spiel-Philosophie und ihrem Wesen unterscheiden sie sich jedoch grundlegend. Die "Sport Bild" titelte in dieser Woche: "Zwei Welten prallen aufeinander". Erfolgreich sind dennoch beide.

Persönliches Verhältnis

"Leider ist er ein wirklich guter Trainer." Das sagte Klopp über Tuchel, als dieser Ende Januar als neuer Chelsea-Coach präsentiert wurde. Und weiter: "Ich kenne Thomas Tuchel schon lange und respektiere ihn sehr." Zwei Mal, in Mainz und Dortmund, war Tuchel Nachfolger von Klopp. Tuchel meinte zuletzt über Kollege Klopp, dieser sei "einer der besten in Europa." Aber eben auch: "Natürlich kennen wir uns, aber vielleicht nicht so gut, wie jeder erwartet." Sie schätzen sich als Trainer, darüber hinaus gibt es aber wenige Verbindungen – woraus beide auch kein Geheimnis machen.

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Wenig verwunderlich also, dass Tuchel nach eigener Aussage vor seinem Chelsea-Wechsel mit Pep Guardiola sprach, um sich über die Premier League zu informieren und nicht mit Landsmann Klopp. Es ist bekannt, dass Tuchel Guardiola und seine Art von Fußball verehrt.

Jürgen Klopp gegen Thomas Tuchel im Vergleich.
Jürgen Klopp gegen Thomas Tuchel im Vergleich. (Quelle: T-Online-bilder)

Spielphilosophie

Entsprechend lässt er seine Mannschaften auftreten – mit viel Ballbesitz und Spielkontrolle. Tuchel bevorzugt den sachlich-nüchternen Spielstil und weniger das Spektakel, das man Klopp gerne zuschreibt. Tuchels Philosophie ist enorm ergebnisorientiert. Beleg dafür: Erst zwei Gegentore kassierte er in seinen ersten neun Partien mit Chelsea. Aber sein Team selbst erzielte auch erst zehn in diesem Zeitraum.

Klopps Fußballidee basiert auf hoher Intensität, Gegenpressing, schnellem Umschaltspiel und hoher Laufbereitschaft. Nicht zufällig heißt der Titel seiner Biografie "Ich mag, wenn's kracht". Mit seiner extrovertierten Art an der Seitenlinie bringt er zusätzlich Emotionalität ins Spiel.

Direkte Duelle

Klopp gegen Tuchel ist für beide ein Dauerduell auf Trainerebene. Der Chelsea-Coach traf in seiner Karriere auf keinen anderen Trainer so oft wie auf Klopp – 14-mal. Und auch "The normal one" sah sich lediglich Dieter Hecking, Pep Guardiola (je 21-mal) und Thomas Schaaf (19) öfter gegenüber als Tuchel.

Die Bilanz fällt bisher eindeutig zugunsten des Liverpool-Trainers aus. Neun Duelle gewann er mit seinen Teams, nur zwei konnte Tuchel für sich entscheiden.

Letztmals standen sie sich in der Gruppenphase der Champions-League-Saison 2018/19 gegenüber, als Tuchel noch bei Paris St.-Germain in der Verantwortung stand. Liverpool, das später den Titel holte, gewann zu Hause 3:2, Paris siegte im Rückspiel 2:1.

Vulkan und Taktiker: Jürgen Klopp (l.) und Thomas Tuchel beim Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League 2016 an der Anfield Road. Liverpool eliminierte Dortmund mit 4:3 nach 1:3-Rückstand.
Vulkan und Taktiker: Jürgen Klopp (l.) und Thomas Tuchel beim Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League 2016 an der Anfield Road. Liverpool eliminierte Dortmund mit 4:3 nach 1:3-Rückstand. (Quelle: Eibner/imago-images-bilder)

Aktuelle Form

Seit Tuchel Ende Januar an der Stamford Bridge übernommen hat, sind die Blues noch ungeschlagen – sechs Siege und drei Unentschieden aus neun Partien. Die Engländer sind begeistert vom Deutschen. "Ich mag diesen Chelsea-Trainer", schrieb der frühere Oasis-Sänger Liam Gallagher zuletzt – der Musiker ist eigentlich ein großer Anhänger von Manchester City. Tuchel stabilisierte die Londoner in der Liga sofort und gewann obendrein in der Champions League das Achtelfinal-Hinspiel bei Atletico Madrid mit 1:0. Sein Start hätte kaum besser verlaufen können.

Klopp dagegen steckt in der schwersten Krise seiner Liverpool-Zeit. Erst am vergangenen Wochenende konnte er mit den Reds eine vier Spiele andauernde Niederlagenserie mit einem Sieg bei Schlusslicht Sheffield stoppen. Im eigenen Stadion stehen allerdings vier Pleiten aus den letzten vier Partien zu Buche, nachdem Liverpool zuvor 68 Spiele lang nicht zu Hause nicht verloren hatte. In dieser Saison erleben Klopp und Liverpool den Meister-Blues. Nichts würde ihn mehr ärgern, als wenn sein respektierter Rivale ihn noch tiefer in die Krise stürzen und ihm womöglich direkt den Champions-League-Platz wegnehmen würde.

Fazit: Die Bilanz fällt bisher klar zu Gunsten Klopps aus. Doch Tuchel bekommt demnächst wohl wieder öfter die Chance, diese aufzuhübschen. Womöglich gelingt das bereits heute Abend. Die derzeitige Form seines Teams spricht jedenfalls nicht dagegen.

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