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DHB-Team vor Spanien-Spiel mit weiteren Corona-FĂ€llen

Von dpa
Aktualisiert am 19.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Das Training der deutschen Handballer in der Ondrej Nepela Arena hat auf freiwilliger Basis stattgefunden.
Das Training der deutschen Handballer in der Ondrej Nepela Arena hat auf freiwilliger Basis stattgefunden. (Quelle: Marijan Murat/dpa./dpa)
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Bratislava (dpa) - LÀssig Kaugummi kauend wirkte Bundestrainer Alfred Gislason beim Abschlusstraining der deutschen Handballer so, als wÀre nichts geschehen. Dabei hatte der IslÀnder die nÀchste Schock-Nachricht bei der Europameisterschaft lÀngst erhalten.

Vor dem Klassiker gegen Spanien zum Auftakt der EM-Hauptrunde hat es im DHB-Team vier weitere Corona-FĂ€lle gegeben. Betroffen sind die RĂŒckraumspieler Sebastian Heymann, Djibril M’Bengue und Christoph Steinert sowie ein Mitglied des Funktionsteams.

RĂŒckzug nicht mehr ausgeschlossen

Nach der neuerlichen Hiobsbotschaft schließt der Deutsche Handballbund einen RĂŒckzug von der Endrunde in Ungarn und der Slowakei offenbar nicht mehr aus. "Wir werden diese neue Lage gemeinsam bewerten mĂŒssen", kĂŒndigte DHB-Vorstandschef Mark Schober an. Dazu befinde sich der Verband im engen Austausch mit der Mannschaft, dem Dachverband EHF sowie der Handball-Bundesliga.

Gislason steht im Duell mit dem Titelverteidiger am 20. Januar (18.00 Uhr/ARD) in Bratislava nur noch ein Rumpfteam von 13 Spielern zur VerfĂŒgung. Die Zahl der positiv getesteten DHB-Spieler bei der Endrunde hat sich mittlerweile auf zwölf erhöht.

Das hat auch die Bundesliga in Alarmstimmung versetzt. "Das ist das, was wir am meisten gefĂŒrchtet hatten - aber durchaus auch das, womit man rechnen musste", sagte Liga-Boss Uwe Schwenker der Deutschen Presse-Agentur. Dazu soll es eine Telefonkonferenz zwischen HBL und DHB geben. "Es macht natĂŒrlich keinen Sinn, jeden Tag drei bis fĂŒnf Spieler aus der Bundesliga nachzunominieren, wenn neue FĂ€lle auftreten", sagte Schwenker.

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Gislason: "Frustrierend"

Vor Ort ist der Verband darum bemĂŒht, die irrwitzige Situation so gut es geht zu meistern. Gislason verfolgte die lockeren Übungen seiner dezimierten SchĂŒtzlinge mit stoischer Gelassenheit. Wie es in dem 62 Jahre alten IslĂ€nder wirklich aussieht, konnte man nur erahnen. "Die Explosion der Corona-FĂ€lle ist natĂŒrlich frustrierend fĂŒr uns alle, nicht nur fĂŒr mich", sagte der Bundestrainer. Da waren die jĂŒngsten FĂ€lle noch nicht bekannt.

Das Abschlusstraining am Nachmittag sollte fĂŒr die Mannschaft eigentlich eine willkommene Abwechslung vom trostlosen EM-Alltag sein. Endlich raus aus den Hotelzimmern, in denen die Gislason-SchĂŒtzlinge die meiste Zeit des Tages mit dem Warten auf die neuesten Corona-Testergebnisse verbringen mĂŒssen. "Wir hĂ€ngen den ganzen Tag isoliert in unseren Zimmern herum. Es ist eine sehr absurde Situation", beschrieb Gislason die außergewöhnlichen und teilweise extremen UmstĂ€nde.

Noch drastischer drĂŒckte es RĂŒckraum-Ass Steinert aus: "Das ist wie Einzelhaft." Aus der gibt es fĂŒr den 32-JĂ€hrigen nun vorerst kein Entrinnen mehr. Steinert, der beim 30:23-Sieg gegen Polen im Vorrundenfinale mit neun Toren bester DHB-Werfer gewesen war, hatte das Unheil schon erahnt. "Wir sind so stringent in dem was wir tun, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, dass da noch etwas passiert. Aber sicher sind wir alle nicht. Ich bin der Meinung, das ist GlĂŒcksspiel", hatte der Profi vom HC Erlangen nach dem Polen-Spiel erklĂ€rt. Wenige Stunden danach war sein persönlicher EM-Traum brutal geplatzt.

Gegen Spanien "krasser Außenseiter"

Der sportliche Aspekt des Spiels gegen Spanien rĂŒckte mit einem Schlag völlig in den Hintergrund. Ob die Mannschaft den immer neuen TiefschlĂ€gen weiter trotzen kann, ist Ă€ußerst fraglich. Auch wenn Gislason nach dem Sieg gegen Polen erklĂ€rt hatte: "Ich denke schon, dass eine solche Extremsituation die Mannschaft besonders zusammenschweißt."

Im Duell mit den Spaniern stehen seine SchĂŒtzlinge aufgrund der akuten personellen SchwĂ€chung vor einer kaum zu bewĂ€ltigenden Aufgabe. "Das ist eine der abgezocktesten Mannschaften die es gibt. Die haben eine sehr starke Abwehr mit super TorhĂŒtern und machen kaum technische Fehler. Wir sind krasser Außenseiter", sagte Gislason.

Vom ursprĂŒnglichen EM-Aufgebot sind nur noch Philipp Weber, Patrick Wiencek, Julian Köster, Lukas Zerbe, Simon Ernst und KapitĂ€n Johannes Golla ĂŒbrig. Immerhin trafen die NachrĂŒcker Daniel Rebmann und Patrick Zieker im EM-Spielort ein. Nicht beim Training dabei war neben dem Corona-Trio auch Linksaußen Rune Dahmke.

Irrwitzige Situation

An eine normale Vorbereitung der völlig neu zusammengewĂŒrfelten DHB-Truppe ist nicht zu denken. Und die Ungewissheit bleibt im Hinterkopf der Spieler. Wer gerade noch große EM-PlĂ€ne geschmiedet hat, kann im nĂ€chsten Moment schon in QuarantĂ€ne sitzen. Eine geradezu irrwitzige Situation, die die Gislason-SchĂŒtzlinge vor allem mental an ihre Grenzen bringt.

Am Handy, Laptop oder Fernseher versuchen sie, sich so gut es geht von der Corona-Krise abzulenken. Der Wunsch, den Spielmacher Weber am Vorabend geĂ€ußert hatte, wird sich aber nicht mehr erfĂŒllen: "Wir hoffen, dass wir jetzt alle gesund durch das Turnier kommen und eine schöne Hauptrunde haben." Dort warten auf die DHB-Auswahl fast nur HochkarĂ€ter. Gut 24 Stunden nach dem Spanien-Spiel geht es am Freitag schon gegen den EM-Dritten Norwegen weiter. Es folgen die Duelle mit dem WM-Zweiten Schweden und Russland. Doch das ist lĂ€ngst nur noch Nebensache.

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