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Nach Final-Drama bei US Open: So muss Alexander Zverev jetzt weitermachen

INTERVIEWNicolas Kiefer  

Nach Final-Drama: So muss Zverev jetzt weitermachen

15.09.2020, 14:42 Uhr
Nach Final-Drama bei US Open: So muss Alexander Zverev jetzt weitermachen. Alexander Zverev während der US Open: Der 23-Jährige konnte sein bisher bestes Ergebnis bei einem Grand Slam erspielen. (Quelle: Reuters)

Alexander Zverev während der US Open: Der 23-Jährige konnte sein bisher bestes Ergebnis bei einem Grand Slam erspielen. (Quelle: Reuters)

Der beste deutsche Tennisprofi stand bei den US Open ganz kurz vor dem Triumph. Ex-Weltklassespieler Nicolas Kiefer erklärt, was Zverev daraus lernen kann – und spricht über das Risiko bei den kommenden French Open. 

Fast hätte es geklappt mit dem ersten Grand-Slam-Titel für Alexander Zverev bei den US Open. Doch im packenden Finale von New York setzte sich am Ende Gegner Dominic Thiem auf dramatische Weise durch. Was kann Deutschlands bester Tennisspieler aus den Erfahrungen von Flushing Meadows mitnehmen? 

Der langjährige deutsche Weltklassespieler Nicolas Kiefer zieht ein Fazit nach dem Turnier – und wagt einen Ausblick auf die French Open, die am 21. September mit den Qualifikationsrunden, am 27. September dann mit dem Hauptfeld startet.

Auch nach dem Karriereende dem Tennis verbunden: Aktuell berät Nicolas Kiefer den traditionsreichen SCC Berlin. Für den Reiseveranstalter Robinson ist er als Experte tätig und hat unter "NK #kiwifash" sein eigenes Modelabel. (Quelle: Foto: Nicolas Kiefer)Auch nach dem Karriereende dem Tennis verbunden: Aktuell berät Nicolas Kiefer den traditionsreichen SCC Berlin. Für den Reiseveranstalter Robinson ist er als Experte tätig und hat unter "NK #kiwifash" sein eigenes Modelabel. (Quelle: Foto: Nicolas Kiefer)

t-online: Herr Kiefer, wir haben das erste Grand-Slam-Turnier während der Corona-Krise hinter uns. Was sind Ihre Erkenntnisse?

Nicolas Kiefer (43): Ich war insgesamt positiv überrascht, auch von der USTA (US-Tennisverband, Anm. d. Red.), dass die Hygienevorschriften eingehalten werden konnten und es kaum Zwischenfälle gab. Sicherlich war es nicht einfach für die Spieler, vor leeren Rängen zu spielen, die Night Session ist ja normalerweise das Nonplusultra bei den US Open. Das sind eigentlich die Matches, für die man kämpft, für die man sich quält.

Trotzdem haben wir zeitweise großen Sport gesehen.

Das sportliche Niveau bei den Herren war trotz allem sehr, sehr hoch. Wir haben sehr gutes Tennis gesehen und im Finale dann auch noch ein Match, das man nie vergessen wird. Bei den Damen gab es einige Überraschungen, da hatten aber auch einige Top-Spielerinnen abgesagt. Mit Naomi Osaka hat auch auch hier eine Spielerin gewonnen, der die nächsten Jahre gehören werden.

Naomi Osaka: Die Japanerin gewann bereits zum zweiten Mal die US Open. (Quelle: Reuters)Naomi Osaka: Die Japanerin gewann bereits zum zweiten Mal die US Open. (Quelle: Reuters)

Bei den Herren boten Alexander "Sascha" Zverev und Dominic Thiem in Finale einen echten Krimi.

Es standen die beiden besten Spieler des Turniers absolut verdient im Finale. Sascha und Dominic werden die Zukunft prägen. Vielleicht hat Thiem auch das nötige Quäntchen Glück gehabt, das man braucht. Er hat aber auch verdient gewonnen, stand vorher ja schon drei Mal in einem Grand-Slam-Finale und hat nun endlich seinen ersten Titel.


Zverev stand zum ersten Mal im Endspiel. Wie sehen Sie seine Leistung?

Es hätte sicherlich auch in die andere Richtung gehen können. Sascha war so knapp davor, aber er wird seinen ersten Titel noch gewinnen. Man hat gesehen, dass er auf einem hohen Niveau spielen kann. Jetzt geht es um den nächsten Schritt, das dann auch über zwei, drei Stunden zu zeigen und nicht "nur" für zweieinhalb Sätze.

Was kann er aus diesem Finale mitnehmen?

Dass er mithalten kann, dass er ein Spieler ist, der da oben hingehört. Er wird jetzt realisiert haben, dass er künftig bei jedem Grand Slam um den Titel mitspielen kann. Sascha hat gezeigt, dass er alles beherrscht. Er hat sich auf seine Gegenspieler eingestellt, im Finale gegen Thiem hat er aggressives Tennis gespielt, Serve-and-Volley gespielt, den Gang nach vorne gesucht, was für ihn untypisch ist. Das war für zweieinhalb Sätze wirklich Tennis vom anderen Stern. Ich bin immer noch beeindruckt. Natürlich war das Ende dann bitter.

Ist er jetzt endgültig unter den Großen in der Weltspitze etabliert?

Das war er für mich schon vorher. Ich habe ja vorher schon gesagt, dass er in den nächsten ein, zwei Jahren sein Turnier gewinnen wird. Er steht schon vor der Tür, jetzt muss er nur noch durchgehen. Wir werden noch sehr viel Freude an und mit ihm haben.

Hat sich jetzt auch seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zuhause verändert?

In Deutschland ist es allgemein nicht einfach, weil immer nur der Sieg zählt. Wenn man Zweiter wird, heißt es nur, man habe verloren. Das sehe ich nicht so, denn man muss ja immer die Gesamtentwicklung sehen, wie jetzt bei Sascha. Da geht es stetig bergauf.

Quasi direkt im Anschluss beginnen nun die French Open. Was erwartet uns bei Roland Garros?

Eine ganz andere Situation als sonst, da das Turnier zu einem ganz anderen Zeitpunkt im Jahr stattfindet. Es ist nicht mehr so warm wie sonst im Sommer, die Bälle werden langsamer sein. Dazu schaut die Tenniswelt natürlich auch darauf, wie die Franzosen mit der Pandemie und den Hygienevorschriften umgehen, da Zuschauer ja erlaubt sind.

Ist das die richtige Entscheidung?

Ich sage mal: Man muss das Positive daran sehen. Natürlich ist es für die Atmosphäre viel, viel besser, dass Zuschauer wieder dabei sein können. Dann muss man aber auch sagen: Paris ist Corona-Risikogebiet – da dann Zuschauer zuzulassen, das ist auch für die Spieler wirklich gefährlich. Erst am Ende des Turniers wird man beurteilen können, ob es die richtige Entscheidung war. Es ist ja auch ein Test: Läuft es die ersten Tage gut, kann man so weitermachen. Passiert aber etwas, ist es auch möglich, dass das restliche Turnier dann doch ohne Zuschauer stattfindet.

Dabei feiert auch ein ganz Großer sein Comeback.

Natürlich freue ich mich besonders auf die Rückkehr von Rafael Nadal. Ganz ehrlich: Tennis ohne Nadal, ohne Federer, da fehlt etwas. Das sind die, die wir spielen sehen wollen.

Der Spanier hat das Turnier bereits zwölf Mal gewonnen und ist quasi naturgemäß der Topfavorit. Wer noch?

Ich denke, Thiem wird richtig motiviert sein und auch in Paris ins Finale kommen. Gespannt bin ich darauf, wie sich Sascha auf Sand zurechtfindet. Er hat jetzt sehr viel Selbstvertrauen getankt. Es ist wichtig, dass er gut ins Turnier kommt. Deshalb war es auch die richtige Entscheidung, dass er nicht auch noch das Masters in Rom spielt, sondern sich eine Pause gönnt und ausgeruht in die French Open geht. Sascha kann auch in Paris Großes erreichen und muss sich vor niemandem verstecken.

Novak Djokovic nach seiner Disqualifikation bei den US Open: Der Serbe will in Paris wieder angreifen. (Quelle: dpa)Novak Djokovic nach seiner Disqualifikation bei den US Open: Der Serbe will in Paris wieder angreifen. (Quelle: dpa)

Auch Novak Djokovic ist nach seiner Disqualifikation in New York wieder dabei. Was kann man von ihm erwarten?

Djokovic ist Profi genug, aus dieser Situation gestärkt herauszukommen. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass er ein Mensch ist, der diesen Sport liebt und lebt und sicherlich innerlich dieses Erlebnis erst einmal verarbeiten muss. Das wird ihn schon noch eine Zeit lang verfolgen.

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