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Mit Sorgen um French-Open-Start: Djokovic zur├╝ck in Belgrad

Von dpa
Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Novak Djokovic auf dem Flug nach Belgrad.
Novak Djokovic auf dem Flug nach Belgrad. (Quelle: Darko Bandic/AP/dpa./dpa)
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Belgrad (dpa) - Novak Djokovic war noch auf dem Weg nach Belgrad, als f├╝r den Tennis-Weltranglisten-Ersten nach der Abschiebung aus Australien schlechte Kunde aus Frankreich kam.

Auch eine Titelverteidigung bei den French Open k├Ânnte sich f├╝r den 34-j├Ąhrigen Serben zerschlagen, falls er sich nicht gegen das Coronavirus impfen l├Ąsst. Der Empfang in Belgrad fiel nach der Landung am Montagmittag verhalten aus - gemessen an der Unterst├╝tzung von h├Âchster Stelle w├Ąhrend des Streits um das verweigerte Visum in Australien. Eine Handvoll Fans, aber rund 30 Kamera-Teams erwarteten den von Melbourne ├╝ber Dubai in die serbische Hauptstadt geflogenen Djokovic, der den Flughafen kommentarlos durch einen Nebeneingang verlie├č.

Der Gewinner von 20 Grand-Slam-Turnieren d├╝rfte schnell erfahren haben, was Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu bei Twitter mitgeteilt hatte. In Frankreich d├╝rften auch in- und ausl├Ąndische Sportler k├╝nftig nur antreten, wenn sie geimpft oder genesen sind. Das zweite Grand-Slam-Turnier der Saison beginnt am 16. Mai in Paris.

Landsleute denken an Djokovic

In Melbourne laufen nach dem fast zweiw├Âchigen juristischen Tauziehen um das Visum des unfreiwillig abgereisten Titelverteidigers nun die Australian Open. Der Spanier Rafael Nadal, der mit dem 21. Grand-Slam-Titel alleiniger Rekordsieger bei den vier wichtigsten Turnieren vor Djokovic und dem Schweizer Roger Federer werden kann, startete mit einem problemlosen Sieg. Nat├╝rlich gebe es mehrere Verantwortliche in der schrecklichen Situation der vergangenen zwei Wochen, sagte der 35-J├Ąhrige und f├╝gte mit Blick auf Djokovic an: "Aber nat├╝rlich ist er auch einer der Verantwortlichen."

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Miomir Kecmanovic - eigentlich Erstrundengegner von Djokovic - widmete seinen Sieg ├╝ber den nachger├╝ckten Italiener Salvatore Caruso seinem prominenteren Landsmann. Der serbische Profi Dusan Lajovic zeigte nach seinem Sieg eine serbische Fahne mit einem Djokovic-Bild und den Worten: "M├Âgt es oder nicht, der Gr├Â├čte aller Zeiten."

Australiens Premierminister Scott Morrison verdeutlichte, dass die Einreisesperre nicht zwingend f├╝r drei Jahre gelten m├╝sse. Damit werde man sich zu gegebener Zeit befassen. Das Bundesgericht Australiens hatte den Einspruch von Djokovic gegen die erneute Annullierung seines Visums abgelehnt.

Politiker zur├╝ckhaltend

Die Politik in Serbien ging mit der Ankunft eher verhalten um. Spitzenpolitiker posierten zun├Ąchst nicht mit ihm. Goran Vezic, der Vize-B├╝rgermeister von Belgrad, k├╝ndigte zumindest an, dass Djokovic den Preis der Stadt Belgrad erhalten werde.

Ebenfalls aufs Konto der hauptst├Ądtischen Verwaltung ging die Illuminierung eines weit sichtbaren B├╝roturms am Save-Ufer. Grundiert von den serbischen Nationalfarben rot-blau-wei├č lief der Schriftzug "Nole, du bist der Stolz Serbiens" ├╝ber das Geb├Ąude. Nole ist eine Koseform des Vornamens Novak.

Die serbische Regierung unter dem m├Ąchtigen Pr├Ąsidenten Aleksandar Vucic pflegt einen eher opportunistischen Zugang zum Tennis-Idol, das seinen Wohnsitz eigentlich in Monaco hat. So lange Djokovic im spartanischen Abschiebehotel in Melbourne untergebracht und der angeblichen Willk├╝r australischer Beh├Ârden ausgesetzt war, war er der rechts-populistischen F├╝hrung in Belgrad von Nutzen.

Verschw├Ârungserz├Ąhlungen

Denn seit langem gab es keine Angelegenheit mit weltweiter Beachtung, die sich so gut daf├╝r geeignet h├Ątte, die ewige Verschw├Ârungserz├Ąhlung von den missverstandenen und zu Unrecht bestraften Serben neu aufzutischen. Vucic, andere Regierungspolitiker und Djokovics Familie in Belgrad wurden nicht m├╝de, den Australiern vorzuwerfen, dass sie den Tennisstar qu├Ąlen und schikanieren w├╝rden, weil er ein Serbe ist. Und weil Serbien stets gegen das global B├Âse und f├╝r die Unterdr├╝ckten dieser Welt k├Ąmpfe.

Praktisch die gleiche Verschw├Ârungserz├Ąhlung unterf├╝tterte die Kriege im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er Jahren. Sie waren von Serbien ausgegangen, weil der damalige Machthaber Slobodan Milosevic beim Zerfall Jugoslawiens weite Teile Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas einem neuen "Gro├č-Serbien" einverleiben wollte. In Serbien selbst war man aber nur das Opfer.

Nur 47 Prozent vollst├Ąndig geimpft

Vucic war als Jungpolitiker Informationsminister der Milosevic-Regierung und ber├╝chtigt f├╝r die Unterdr├╝ckung kritischer Medien. Heute gibt er sich als pragmatisch gewandelter National-Konservativer. Kritiker werfen ihm vor, unter ver├Ąnderten Bedingungen weiterhin die Ziele der Milosevic-├ära zu verfolgen.

Djokovic ist ihm im eigenen Land durchaus nicht von Nutzen. Aus staatspolitischer R├Ąson und unter dem Druck der serbischen Gesundheitsexperten verfolgt seine Regierung eine klare Linie zugunsten der Impfung gegen Corona. Trotzdem sind nur 47 Prozent der Bev├Âlkerung vollst├Ąndig geimpft. Insofern Djokovic von Impfgegnern als Ikone betrachtet wird, h├Ąlt sich die Begeisterung der Belgrader F├╝hrung f├╝r ihn in Grenzen.

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