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Absagen und Verlegungen: So hält das Coronavirus die Sportwelt in Atem

Sportwelt fürchtet Coronavirus  

So steht die Uefa zu Spiel-Absagen

26.02.2020, 11:47 Uhr | sid, t-online

Absagen und Verlegungen: So hält das Coronavirus die Sportwelt in Atem. Stadio Giuseppe Meazza: Auch im altehrwürdigen Mailänder San Siro ruht der Ball wegen des Coronavirus. (Quelle: imago images/Xinhua)

Stadio Giuseppe Meazza: Auch im altehrwürdigen Mailänder San Siro ruht der Ball wegen des Coronavirus. (Quelle: Xinhua/imago images)

Das Coronavirus verbreitet sich rasant und ist dadurch auch für den Sport eine unkalkulierbare Gefahr. In Norditalien verbietet die Regierung bereits Wettkämpfe, weitere Regionen könnten folgen. Auch Olympia steht auf der Kippe.

Das Coronavirus hält den internationalen Sport mit neuen Absagen und Verlegungen fest im Würgegriff. Doch für die Uefa kommen aktuell keine Spielabsagen in Fragen. Uefa-Vizepräsident Michele Uva: "Wir bemühen uns, den Fußball nicht zu stoppen. Fußballpartien werden nur dann ausgesetzt, wenn die Situation wirklich außer Kontrolle geraten sollte", sagte Uva im Interview mit "RAI Sport".

"In ständigem Kontakt mit den europäischen Fußballverbänden" 

"Wir warten ab und prüfen die Lage in jedem Land. Der Fußball hält sich an die Richtlinien der einzelnen Länder", sagte Uva. Er sei in ständigem Kontakt mit den 55 europäischen Fußballverbänden, meinte der 55-Jährige.

Erstmals werden auch deutsche Sportler in ihrer Vorbereitung auf die Olympische Spiele ernsthaft gestört, da sich die Lage im Gastgeberland Japan zuspitzt. Die nächsten ein bis zwei Wochen seien eine "kritische Phase" zur Bestimmung, ob sich das Virus weiter verbreitet oder nicht. Es sei "extrem wichtig", die Zahl der Infizierten einzudämmen, um eine Epidemie in Japan zu verhindern, erklärten medizinische Experten des Landes.

Schlechte Nachrichten gab es am Dienstag für Timo Boll und sein Team: 150 Tage vor der olympischen Eröffnungsfeier in Tokio wurde die Team-WM vom Tischtennis-Weltverband ITTF verschoben. "Der Gesundheit wegen ist es die richtige Entscheidung, kein Risiko einzugehen", sagte Boll. Zudem meinte er weiter: "Ein bisschen Sorgen macht man sich natürlich schon, aber man muss abwarten." Die Veranstaltung war für den 22. bis 29. März in Busan/Südkorea angesetzt, sie soll nun zwischen dem 21. und 28. Juni nachgeholt werden.

Timo Boll: Das deutsche Tischtennis-Ass wird wegen des Coronavirus nicht wie geplant nach China reisen. (Quelle: imago images/Revierfoto)Timo Boll: Das deutsche Tischtennis-Ass wird wegen des Coronavirus nicht wie geplant nach China reisen. (Quelle: Revierfoto/imago images)

Eine Verschiebung mit Folgen. "Durch eine WM Ende Juni müssten unsere Spieler zwei Höhepunkte innerhalb von sechs Wochen absolvieren. Das ist eine extreme Belastung. Uns wäre es lieber, man würde die WM in die zweite Jahreshälfte legen", sagte Richard Prause, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). "Wir müssen jetzt neue Pläne schmieden, es ist eine schwierige Situation", ergänzte Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Südkorea riegelt Sportstätten ab – Weltmeisterschaften abgesagt

Die Ruderer müssen ebenfalls umplanen. Das ursprünglich am Sonntag beginnende Trainingslager des Deutschland-Achters in der Lombardei (Gavirate) wurde abgesagt, stattdessen wird das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) von 6. bis 23. März in Lago Azul (Portugal) trainieren. "Die Situation vor Ort und die Unsicherheit über die Entwicklung lassen nur einen Schluss zu: Dort können wir nicht hinfahren, das können wir nicht verantworten", sagte Bundestrainer Uwe Bender.

In Südkorea war bereits der Auftakt der Fußball-Liga verschoben worden, auch im Volleyball, Basketball und Handball wurden ähnliche Maßnahmen getroffen. Die Lage im Land mit inzwischen rund 900 Infizierten führte auch zur Absage eines geplanten Olympia-Trainingslagers der deutschen Fechter in Seoul. Am Mittwoch hat der Eislauf-Weltverband ISU die für Mitte März geplanten Shorttrack-Weltmeisterschaften in Südkoreas Hauptstadt Seoul abgesagt. Zuvor hatte das Stadtparlament von Seoul beschlossen, die Mokdong-Eishalle zu schließen und alle kommenden Wettbewerbe abzusagen.

Mokdong-Eishalle: Die Sportstätte im südkoreanischen Seoul wurde von Sicherheitskräften abgeriegelt, (Quelle: imago images/Aflosport)Mokdong-Eishalle: Die Sportstätte im südkoreanischen Seoul wurde von Sicherheitskräften abgeriegelt, (Quelle: Aflosport/imago images)

"Die Situation verändert unsere Olympia-Vorbereitung", sagte der EM-Dritte Max Hartung in seinem Podcast "Demaskiert". Der Vorsitzende des unabhängigen Vereins Athleten Deutschland fügte an: "Wenn wir uns denn qualifizieren." Der Weltcup im italienischen Padua wurde abgesagt, die Wettbewerbe finden nun in Tauberbischofsheim in Baden-Württemberg statt.

Olympia-Aus? Für das IOS stellt sich die Frage noch nicht

An den Super-GAU, eine Verlegung oder gar eine Absage der Sommerspiele, mag noch niemand wirklich denken. Roßkopf sieht ein solches Szenario sachlich. "Man kann es nicht beeinflussen. Wenn es soweit ist, dann wird vielleicht auch Olympia abgesagt werden müssen. Da muss man auch nicht den Kommerz in den Vordergrund stellen, sondern die Gesundheit der Menschen", sagte der Olympiadritte von 1996 dem sid. Für das IOC stellt sich diese Frage derzeit nicht, man stehe mit allen Behörden und Organisationen in einem engen Kontakt. Fakt ist jedoch: Der Leichtathletik-Weltverband sagte die für den 13. bis 15. März in Nanjing geplante Hallen-WM wegen der Epidemie ab. Die Titelkämpfe sollen erst im März 2021 nachgeholt werden – also nach Olympia 2020.

Immer massiver betroffen vom Virus, das zur neuartigen Erkrankung COVID-19 führen kann und inzwischen rund 30 Länder erreicht hat, ist der Fußball. Das Europa-League-Spiel Inter Mailand gegen Ludogorez Rasgrad am Donnerstag findet ebenso ohne Zuschauer statt wie das Serie-A-Match am Sonntag zwischen dem AC Mailand und Genua.

Der chinesische Fußballverband CFA hat alle Spiele im Land ausgesetzt, der für den 22. Februar geplante Saisonstart der Super League wurde bis auf Weiteres verschoben. Zudem kündigte der asiatische Kontinentalverband AFC an, dass alle vier chinesischen Klubs in den ersten Partien der asiatischen Champions League auswärts antreten müssen. Die WM-Qualifikationsspiele der chinesischen Männer-Nationalmannschaft gegen die Malediven am 26. März sowie in Guam am 31. März finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Thailand statt.

Die japanische J-League sagte alle Spiele bis 15. März ab. Auch die für Mittwoch geplanten sieben Spiele des japanischen Pokalwettbewerbs fallen aus. In Japan sind derzeit rund 850 Personen infiziert, die meisten davon auf einem britischen Kreuzfahrtschiff im Hafen von Yokohama, auf dem es am Dienstag das vierte Todesopfer gab.

Verwendete Quellen:
  • Mit Material der Nachrichtenagentur sid

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