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Im Aufwind

  • Melanie Muschong
Von Melanie Muschong

Aktualisiert am 28.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Andreas Wellinger: Der Olympiasieger am Weltcup-Wochenende in Nischni Tagil in Russland.
Andreas Wellinger: Der Olympiasieger am Weltcup-Wochenende im russischen Nischni Tagil. (Quelle: MAXIM SHEMETOV/Reuters-bilder)
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Auf Olympiasieger Andreas Wellinger lastet enormer Druck. Drei Monate vor Peking sucht der Skispringer nach langer Leidenszeit nach seiner Form – für ihn ein Wettlauf gegen die Zeit.

Bei eisigem Wind strahlte ein deutscher Skispringer in Nischni Tagil am vergangenen Wochenende über das ganze Gesicht: Andreas Wellinger. Nicht etwa über einen Podiumsplatz oder den Sieg, sondern über das Erreichen des Finales. Über Platz 17. Was für andere Springer kein gutes Ergebnis wäre, ist für den DSV-Adler ein Erfolg. Es sind die ersten Weltcup-Punkte nach zwei Jahren für den Sportler.

2018 jubelte Wellinger über den Olympiasieg von der Normalschanze in Pyeongchang. Neben der Goldmedaille holte er zweimal Silber – mit dem Team und auf der Großschanze. Im kommenden Februar könnte er seinen Titel in Peking verteidigen. Doch für den DSV-Adler waren die vergangenen Jahre eine Zeit der Hindernisse.

"Zwei Jahre, die kein Zuckerschlecken waren"

Rückblick: Im Juni 2019 zog sich der gebürtige Bayer im Training einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Auf dem Weg der Besserung dann der zweite Rückschlag beim Surfen im Urlaub 2020: ein Schlüsselbeinbruch. In der vergangenen Saison gab Wellinger sein Comeback. Doch er konnte nicht einen Weltcup-Punkt sammeln. "Ich habe zwei Jahre hinter mir, die kein Zuckerschlecken waren", sagte er zuletzt.

Nun das erste Zeichen der Erleichterung. Der erste Aufwind.

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Wie fühlt sich das an? "Ich musste mich mit meinem Körper beschäftigen und erst mal wieder gehen lernen. Das letzte Mal haben wir uns mit dem Gehen als Kleinkind beschäftigt. Und wie das abgelaufen ist, darüber wissen wir rein gar nichts mehr", sagte der Skispringer dem "Kicker".

Viele Veränderungen im Skispringen in Wellingers Abwesenheit

Privat ist der Oberbayer viel in der Natur, macht den Flugschein und gibt sich seinen Fans in dem sozialen Netzwerk Instagram kämpferisch und mit guter Laune. Doch wie sah es innerlich bei dem Skispringer aus, als er nach dem größten Erfolg seiner Karriere plötzlich nicht mehr beim Team dabei sein konnte?


"Ich habe einfach ein wenig gebraucht, um wieder das richtige Gefühl zu bekommen, um meine Stärken ausspielen zu können. Fehlt dir das Gefühl, ist das der Anfang der Abwärtsspirale", sagte er dem "Kicker". Er bezeichnete sich selbst als "Roboter".

Zudem war das Jahr, in dem Wellinger nicht springen konnte, ein Jahr der Veränderung im Skispringen. Es gab neue Anzüge für die Springer und eine Änderung der Keile (mehr dazu lesen Sie hier). Daher sagte der DSV-Adler dem Magazin weiter: "Deshalb musste ich etwas aufarbeiten." Wellinger beschäftigte sich viel mit seinem Körper und mit sich. Verbrachte Zeit mit Freunden. "Jeder Rückschlag bringt Dinge mit sich, die dich weiterbringen können. Du musst sie nur ausfindig machen", sagte er in einem Interview mit seinem Sponsor "Redbull".

"Mit jeder Saison lernt man neue Sachen"

Auch sein Teamkollege Markus Eisenbichler beschrieb den Sport bei t-online damals als "Kopfsache", sagte damals: "Es ist nun mal sehr komplex und ich verstehe das Skispringen oftmals selbst nicht. Mit jeder Saison lernt man neue Sachen." So muss sich auch Andreas Wellinger erst wieder an alles gewöhnen. Das Reisen mit dem Team, den Trubel an der Schanze und die Fokussierung auf den Sprung.

Das zeigte sich auch in Russland am vergangenen Wochenende. In Nischni Tagil standen für die deutsche Mannschaft zwei Einzelspringen an. Beim ersten Springen schaffte es Andreas Wellinger nicht ins Finale und somit nicht unter die 30 besten Springer. Er belegte den 31. Platz (114 Meter) und scheiterte somit ganz knapp. Am Sonntag konnte er seine Leistung verbessern und sprang ins Finale. Dort erreichte er mit 117,5 und 119 Metern letztlich den 17. Platz.

Weltspitze? "Ich bin guter Dinge"

Dass Wellinger wieder in der Spur ist, glaubt auch Bundestrainer Stefan Horngacher: "Andi ist auf einem guten Weg nach vorne und hatte zuletzt auch schon gute Ergebnisse. Ich bin guter Dinge, dass er wieder dabei ist, in die Weltspitze zu springen." Gelegenheiten gibt es in diesem Winter dafür genug. Aktuell ist das Team in Ruka / Kuusamo in Finnland.

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Eine Schanze, die den DSV-Adlern um den Olympiasieger gut liegt. Im Jahr 2012 holten die deutschen Springer im Team den Weltcupsieg von der Großschanze, auch Wellinger war damals dabei. Und auf der Station in Wisla (Polen), die als nächstes kommt, gewann der Bayer 2013 den Grand-Prix im Einzel. An die Olympischen Spiele im kommenden Jahr und seine Titelverteidigung will Wellinger, wie er dem "Kicker" sagte, nicht denken: "Bis dahin gibt es noch viele Hürden zu überspringen." Dass er es kann, hat er bewiesen.

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