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Eine gro├če Intellektuelle - Inge Jens gestorben

Von dpa
Aktualisiert am 24.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Inge Jens ist tot.
Inge Jens ist tot. Die Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin ist im Alter von 94 Jahren gestorben. (Quelle: picture alliance / Silas Stein/dpa./dpa)
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T├╝bingen (dpa) - Lange stand sie etwas im Schatten ihres Ehemannes Walter Jens, doch schlie├člich wurde Inge Jens mit B├╝chern ├╝ber Thomas Mann und dessen Familie selbst zur Bestsellerautorin. Auch ├╝ber die schwere Demenz ihres Mannes schrieb sie bewegend.

Mit 94 Jahren ist Inge Jens nun in T├╝bingen gestorben. Nach Angaben ihres Sohnes Christoph Jens schlief sie am Donnerstag friedlich ein. "Wir nehmen Abschied von einer gro├čen Autorin, die mit ihren B├╝chern und Vortr├Ągen das intellektuelle Leben der Bundesrepublik in vielf├Ąltiger Weise mit gepr├Ągt hat", hie├č es in einem Nachruf des Rowohlt Verlags.

Kennerin der Familie Mann

Die Literaturwissenschaftlerin editierte die Tageb├╝cher des Nobelpreistr├Ągers Thomas Mann und erwarb sich Ansehen als literarische Kennerin der Familie Mann. Mit ihren Studien ├╝ber die Geschichte der Wei├čen Rose und ├╝ber die Familie Mann habe sie "wichtige Bausteine zur Erinnerungskultur der Deutschen geliefert", schrieb der Rowohlt Verlag.

Das Buch "Frau Thomas Mann" (2003), das sie gemeinsam mit ihrem Mann Walter (1923-2013) verfasste, wurde zum Bestseller. Auch die Biografie "Katias Mutter" (2005) ├╝ber das Leben von Hedwig Pringsheim fand starke Beachtung, "weil es ein Kapitel der gro├čen, untergegangenen j├╝dischen Kultur in Deutschland festhielt", so der Verlag. Zudem ver├Âffentlichte Inge Jens gemeinsam mit ihrem Ehemann B├╝cher zur T├╝binger Stadt- und Universit├Ątsgeschichte.

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In T├╝bingen lernten sie sich kennen

Geboren wurde sie am 11. Februar 1927 als Inge Puttfarcken in Hamburg. Als junge Frau kam sie zum Studium in die Universit├Ątsstadt T├╝bingen, wo im selben Haus wie sie der etwas ├Ąltere Walter Jens in einer Dachkammer wohnte. Sie nahm Griechischunterricht bei ihm und heiratete ihn wenige Jahre sp├Ąter, 1951.

Gemeinsame Entspannung vom Wissenschaftsbetrieb fanden sie bei Sonntagsausfl├╝gen. So habe sie es genossen, etwa den oberschw├Ąbischen Barock so nah vor der T├╝r zu haben, und sei mit dem Rad die Gegend abgefahren, sagte Inge Jens der dpa zu ihrem 90. Geburtstag.

Galionsfiguren der Friedensbewegung

Inge und Walter Jens waren ein gro├čes Intellektuellen-Paar der Bundesrepublik. Zum wissenschaftlichen und publizistischen Engagement kam das zivilgesellschaftliche. Die beiden wurden in den 80er Jahren zu Galionsfiguren der Friedensbewegung.

1984 beteiligte sich Inge Jens an Sitzblockaden vor dem Atomwaffendepot Mutlangen, w├Ąhrend des Golfkriegs 1990 versteckte das Paar desertierte US-Soldaten in seinem Haus und kam daf├╝r wegen Beihilfe zur Fahnenflucht vor Gericht. "Zu Mutlangen w├╝rde ich auch heute noch stehen", sagt Inge Jens 2017.

Sie liebte T├╝bingen - und doch war sie im Mai 1989 froh, als ihr Mann nach seiner Emeritierung zum Pr├Ąsident an der Akademie der K├╝nste in Berlin gew├Ąhlt wurde. Inge und Walter Jens genossen das Leben in der Hauptstadt. "Das hat uns zehn wundervolle Jahre beschert", sagte sie.

Als Walter Jens im Alter schwer an Demenz erkrankte, pflegte sie ihn und machte zugleich sein Schicksal ein St├╝ck weit ├Âffentlich, um zur Auseinandersetzung mit dieser Krankheit anzuregen. Ihre Autobiografie "Unvollst├Ąndige Erinnerungen" (2009) und besonders der Bestseller "Langsames Entschwinden - Vom Leben mit einem Demenzkranken" (2016) legten laut Rowohlt Zeugnis ab von diesem schwierigen Weg. Einen weiteren Schicksalsschlag erlitt Inge Jens mit dem Tod ihres Sohnes Tilman Jens im Juli 2020.

"Sie war eine politisch engagierte Zeitgenossin und selbstbewusste Frau, die f├╝r viele Menschen zum Vorbild wurde. Nun ist sie f├╝r immer verstummt", hie├č es im Nachruf des Rowohlt Verlags. "Ihre B├╝cher bleiben - als Dokumente eines Lebens, das auf unpr├Ątenti├Âse Weise dem Geist der Aufkl├Ąrung und dem Frieden verpflichtet war."

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