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Sagenhafte Partnersuche


Auf der Suche nach den Phantasien

t-online, mmh

14.08.2014Lesedauer: 4 Min.
Traum oder Albtraum? Unsere Phantasien steuern die Partnersuche.Vergrößern des BildesTraum oder Albtraum? Unsere Phantasien steuern die Partnersuche. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Von Amors Pfeil getroffen, vom Blitz gerührt, auf Wolke Nummer sieben schweben - es ist nicht nur das Schicksal, das Paare zusammenführt. Paare suchen und finden sich. Ob Streit oder Harmonie - jeder Topf findet seinen Deckel.

"Liebe auf den ersten Blick" - ein Märchen. Wir fantasieren uns nämlich den Partner nach mythologischen Vorbildern zusammen. Man sucht, was die Phantasie erfunden hat.

Wir sprechen hier nicht von harmlosen Kleinmädchenphantasien vom Prinz, der auf dem weißen Pferd angeritten kommt, um sein Dornröschen wach zu küssen. Auch nicht vom verwunschenen Frosch. Wir reden von Göttern. Schließlich schweben Liebende im Olymp.

Das himmlische Streitpaar Zeus und Hera

Wie beispielsweise Zeus und Hera. Die beiden mächtigen Götter der Antike stehen bestimmt nicht für Harmonie. Sie sind ein Streit-Paar, ihr Beziehungsmuster ist das Rivalisieren. Dabei gehen Hera die Affären von Zeus mit den jungen Dingern in albernen Verkleidungen - als Stier oder Kuckuck, Feuer oder goldener Regen - gehörig auf die Nerven.

Sie beherrschen die Disziplin des Olympischen Ehestreits, der ihnen langfristig sogar enorme Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Warum wären sie sonst immer zusammengeblieben? Mit dem Sex hatten die beiden nämlich so ihre Probleme. Streitpaare bleiben - laut Psychotherapeutin Verena Kast - oft zusammen, auch wenn sie nicht wirklich Liebe verbindet, sondern Eifersucht und Kontrolle. Es ist eine Machtehe, in der keiner Emotionen zeigen darf, denn das sind Schwächen und Angriffspunkte. Doch Rivalität und Konkurrenz können ein Paar durchaus auch weiterbringen und beflügeln.

Der alte Weise und das junge Mädchen

Der weise Mann und das junge Mädchen - es gibt für dieses Beziehungsmuster auch weniger charmante Umschreibungen. Grundmuster ist: Junges Mädchen verzaubert alten Mann, wie bei dem Zauberer Merlin und dem jungen Mädchen Viviane aus der mittelalterlichen Epik. Das Problem: Sie fesselt den Seher und Seelenführer, sie wird frei und kann sich verwirklichen, er ist durch die Liebe zu ihr gefangen. Reifere Männer sollten also auf der Hut sein, ob sie wirklich diesen Rückzug wollen, denn die junge Nymphe oder Fee weiß sehr wohl, was sie will.

Natürlich steht bei beiden der interessante Austausch im Vordergrund und die gegenseitige Belebung. Egal ob ältere Frau und junger Knabe oder reifer Mann und junges Mädchen, der Junge verjüngt den Älteren und der Alte gibt seine verdichtete Lebenserfahrung als "Vorentwurf des Lebens" weiter, so schreibt Verena Kast in "Paare". Und wer denkt, die Nymphen seien immer dumme junge Dinger oder die männliche Variante nur schlichte Toyboys, der irrt. Zumindest die Viviane aus der Sage ist eine kluge Frau.

Bruder Mann und Schwester Frau

Das besingt schon das Hohelied der Liebe in der Bibel: Salomon und Shulamit. Wir reden nicht von Inzest-Beziehungen. Das Thema hat höchst unterschiedliche Ausprägungen. Nicht zu verwechseln mit der "Bruder-Schwester-Ehe", die bezeichnet eine Beziehung, in der Sexualität keine Rolle spielt. Schwesterfrau und Brudermann dagegen haben trotzdem eine erotische und sexuelle Komponente. Bezeichnend ist das Einander-Beistehen - wie in vielen Märchen - eine ganz besondere Solidarität ohne jedes Dominieren und Unterwerfen. Man gehört einfach zueinander, man ist zuverlässig füreinander da. Lebenssicherheit und das Gefühl der Gleichgewichtigkeit sind wichtig.

Die Göttin auf dem Höhenflug

Das Gegenteil davon ist die Sehnsucht nach dem absolut Gegensätzlichen, das Spannung und Aufregung garantiert: Körper und Seele, Gefühl und Verstand. Diese Einstellung allerdings bringt einen anderen Menschen dazu, sich so zu verhalten, wie sich der eine das von dem anderen vorstellt, nicht wie er wirklich ist.

Bilder werden projiziert, der andere wird zur Leinwand. Zu kompliziert? Nicht wirklich. Kurz gesagt: Die Frau wird zur Göttin, steht aber unter dem Zwang, dem Bild des Mannes zu entsprechen, das er sich von ihr macht. Verlischt das Bild, ist der Zauber weg. Die Frau stürzt aus dem Höhenflug ab, der Alltag holt beide ein, Enttäuschung macht sich breit. Paare müssen die Phantasie befeuern, damit das Idealbild nie verblasst. Denn das Geheimnis darin: In der Verschmelzung der Gegensätze liegt das vollkommene Glück.

Paar-Phantasien aus Träumen

Ganz häufig schleichen sich diese Typen in unsere Träume ein, dann erscheinen sie - ganz irdisch - als Lehrer, Politiker, König, exotische Fremde, Nixen, weiser alter Mensch, junges Mädchen, Knabe.

Die ewige Umarmung oder Himmel und Hölle zugleich

Eine Beziehung sollte Freiräume geben, jeder Partner sollte sich entfalten können. Doch für manche heißt das Beziehungsideal "Einander ganz gehören", wie es Shiva und Shakti verkörpern. Ein Albtraum, wenn diese Beziehung zerbricht.

Doch zu Beginn ist alles wunderbar, beflügelt, erfüllend, leidenschaftlich, vollkommen in der Verschmelzung. Es müsste nur ewig währen. Im göttlichen Idealfall muss sich keiner der Partner aufgeben, beide wollen dasselbe, wollen nie getrennt sein. Es ist die Sehnsucht nach der sprachlosen Liebe.

Alltagstauglich ist das nicht. Jede kleine Abgrenzung, jede Einzelaktivität kann zum Eifersuchtsdrama und zur Kontroll-Manie führen. Himmel und Hölle. Leidenschaft und Selbstverlust. Faszination und Obsession. Zorn, Wut, Leidenschaft machen dann aus dem einstmals wunderbaren Liebhaber einen terrorisierenden Stalker.

Leidenschaft auf Zeit: Ein junger Gott

Eine Liebesgeschichte voller Leidenschaft: Die reife Liebesgöttin und ihr jugendlicher Held. Sie führt ihn in die Geheimnisse der Liebe und des Lebens ein, Sexualität spielt eine enorm wichtige Rolle und am Ende steht eine Ablösung, die an das Verhältnis von Mutter und erwachsenem Sohn erinnert.

Krisen sind vorprogrammiert und führen zur Ablösung oder zur Weiterentwicklung der Beziehung. Die Psychologin Verena Kast schreibt in ihrem Buch "Paare": "Vielleicht entsteht Liebe nur dann, bricht Liebe nur dann auf, wenn wir in einem geliebten Menschen seine besten Möglichkeiten hineinsehen und dieses aus ihm herauslieben können." Also heißt das Fazit: Wer viel Fantasie hat, der hat das größere Liebespotenzial.

Und dann bekommt der Begriff "Götter-Gatte" doch gleich eine andere Bedeutung.

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