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Claudia Effenberg: "Habe meine Tochter nach einem Flüchtlingskind benannt"

Claudia Effenberg  

"Ich habe meine Tochter nach einem Flüchtlingskind benannt"

Von Sophie Loelke

14.08.2020, 12:14 Uhr
Claudia Effenberg: "Habe meine Tochter nach einem Flüchtlingskind benannt". Claudia Effenberg mit Tochter Lucia Strunz. Der Name Lucia hat eine persönliche Geschichte. (Quelle: imago images/Future Image)

Claudia Effenberg mit Tochter Lucia Strunz. Der Name Lucia hat eine persönliche Geschichte. (Quelle: Future Image/imago images)

Claudia Effenberg hat jahrelang für glänzende Kinderaugen in einer Flüchtlingsunterkunft gesorgt. Jetzt hat sich eine frühere Bewohnerin bei ihr gemeldet. Beide Frauen erzählen ihre Geschichte t-online.de.

1997, auf dem Weg zu einem Modeljob, las Claudia Effenberg eine Anzeige in einer Zeitschrift: Eine junge Frau aus einem Flüchtlingsheim in München sucht eine Freundin. Effenberg wollte helfen und besuchte die Unterkunft. Dadurch veränderte sie nicht das Leben einer einzigen Frau, sondern das zahlreicher Flüchtlingskinder. Eines meldete sich jetzt knapp 20 Jahre später bei ihr.

Rückblickend erzählt Effenberg, wie die Geschichte damals begann: "Als ich das Gelände der Flüchtlingsunterkunft betrat, rannten bestimmt zwanzig Kinder auf mich zu. Es war Winter, viele trugen keine Schuhe. Sie zogen an meinem Rock und brachten mich in ihr Zuhause. Mir wurde klar: Hier sucht irgendjemand eine Freundin, aber es gibt ein viel größeres Problem." Claudia Effenberg sprach daraufhin mit der Heimleiterin, die ihr erklärte, dass das anstehende Weihnachtsfest nicht gefeiert werden könne. Es fehlten die Mittel.

"Ich war zu Tränen gerührt"

"Es war für mich ein Leichtes, einen Baum zu kaufen, den zu schmücken und Geschenke zu besorgen. Also organisierte ich ab dem Zeitpunkt jahrelang die Feste in diesem Heim. Und das Ergreifende ist, dass ich jetzt, Jahre später, Feedback zurückgespiegelt bekomme von einer damaligen Bewohnerin. Das hat mich zu Tränen gerührt", erklärt Effenberg gegenüber t-online.de.

Diese damalige Bewohnerin des Heimes am Michaelibad heißt Anita Musliu und ist inzwischen 24 Jahre alt. 1998 flüchteten ihre Eltern mit ihrer damals eineinhalbjährigen Tochter zu Fuß über Kroatien und Slowenien bis Polen. Mit gefälschten Pässen und verstecktem Geld schafften sie es bis nach Deutschland. Dort teilten die Behörden sie in das Münchner Flüchtlingsheim ein. Sechs Jahre ihrer Kindheit verbrachte Anita dort.

Kein Fest ohne Claudia Effenberg

Für t-online.de erinnert sich Anita Musliu an die Zeit dort zurück: "Wir hatten zwar nicht die besten Umstände zum Leben, aber wir hatten trotzdem eine tolle Kindheit mit vielen schönen Erinnerungen. Das meine ich ernst. Egal, was für eine Feier anstand – ob Ostern, Weihnachten oder Einschulung –, Claudia war immer da oder sorgte bei uns für strahlende Kinderaugen. Ohne sie wäre es wohl ganz anders gewesen."

 (Quelle: Anita Musliu) (Quelle: Anita Musliu)

Ein Grund dafür: Claudia organisierte mit den Mädchen und Jungen in der Vorweihnachtszeit ein "Wunschzettel-Malen". Jedes Kind sollte drei Wünsche für maximal 100 Mark aufmalen und seinen Namen dazu schreiben. "Ich bin zu Freunden und Bekannten gegangen und habe um Unterstützung gebeten. Jeder, der wollte, durfte ein Bild kaufen und ich besorgte eins der gemalten Geschenke oder sie kauften es selbst für das Kind", erklärt Effenberg. Einmal habe sie bei ihrem Lieblingsitaliener gesessen und einen Bekannten angesprochen – er fuhr damals einen Ferrari: "Gib doch mal einen Hunderter dazu, es geht hier um kleine Kinder. Viele Gäste im Restaurant hörten das und beteiligten sich."

An Heiligabend wurde zusammen der Gemeinschaftssaal in der Unterkunft geschmückt: Es wurden Kekse und Süßigkeiten auf den Tischen verteilt. Ein riesiger Baum stand im Raum. Auch der Weihnachtsmann sollte später vorbeikommen. "Viele Kinder hatten zuerst große Angst. Als er kam, schrien alle, einige weinten", erinnert sich Anita.

So kam Claudia Effenbergs Tochter zu ihrem Namen

Auch ein kleines, ungefähr dreijähriges Mädchen mit Ringellöckchen hatte große Angst. Es fragte Claudia Effenberg, ob sie auf ihrem Schoß sitzen dürfe. Natürlich durfte es. Effenberg fragte das Mädchen nach seinem Namen. Es lispelte: "Lucia". "Ich fand diesen Namen wunderschön und versprach dem Mädchen: 'Wenn ich jemals eine Tochter bekomme, soll sie deinen Namen tragen.' Und so ist es gekommen. Ich habe meine Tochter nach einem Flüchtlingskind benannt. Meine Tochter kennt diese Geschichte und wir erinnern uns gerne daran."

Anita, die heute bei einer Bank arbeitet, kontaktierte ihren früheren Weihnachtsengel vor einigen Wochen über Instagram und bedankte sich: "Du hast unsere Kindheit im Heim für alle so schön gemacht. Du warst eine Bereicherung für uns." Als Claudia Effenberg das las, kamen ihr die Tränen – so wie auch früher schon. "Unsere Kinder reißen ein Paket nach dem anderen auf und diese freuten sich über die kleinsten Aufmerksamkeiten." 

"Ich erinnere mich gerne an diese Zeiten zurück. Und wenn ich dann sehe, was aus den damals kleinen Kindern geworden ist, freut es mich umso mehr. Diese positiven Geschichten von Migranten finden viel zu wenig Aufmerksamkeit in den Medien. Oft wird nur geschimpft, dabei gehen viele den richtigen Weg hier bei uns." Auch Anita hat Pläne: Sie möchte gerne in die USA auswandern, dort an einer Schauspielschule studieren und ihren Eltern von ihrem Gehalt das Doppelte zurückgeben, was diese ihr damals gegeben haben. "Das ist mein großer Wunsch."

Verwendete Quellen:
  • Persönliches Gespräch mit Claudia Effenberg und Anita Musliu

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