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Die Heimat wendet sich gegen Prinz Andrew

Von dpa
Aktualisiert am 19.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Der Palast f├╝rchtet, dass der Fall Andrew das royale Festjahr ├╝berschattet.
Der Palast f├╝rchtet, dass der Fall Andrew das royale Festjahr ├╝berschattet. Seit mehr als zwei Jahren tritt Prinz Andrew nicht mehr ├Âffentlich auf. (Quelle: Neil Hall/PA Wire/dpa./dpa)
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York/London (dpa) - Selbst die Queen r├╝ckt von ihrem Lieblingssohn ab, die Stadt York will von ihrem Titeltr├Ąger nichts mehr wissen: Prinz Andrew schl├Ągt wegen der Missbrauchsvorw├╝rfe in den USA auch in der Heimat immer mehr Kritik entgegen.

Seine milit├Ąrischen Ehrentitel ist der zweit├Ąlteste Sohn von K├Ânigin Elizabeth II. bereits los - seine Mutter hat sie ihm, angeblich im Einvernehmen, abgenommen. Auch auf die Bezeichnung "K├Ânigliche Hoheit" muss er verzichten, mittlerweile wurden sein Twitter-Account @TheDukeofYork sowie sein Youtube-Kanal gel├Âscht.

Doch der Druck w├Ąchst, dass Andrew alle Auszeichnungen zur├╝ckgibt und royalen Br├╝cken abbricht, um sich tats├Ąchlich als v├Âllig normaler B├╝rger einem wahrscheinlichen Zivilprozess zu stellen.

Hier steht vor allem die nordenglische Stadt York im Fokus, die Namensgeberin seines Titels Herzog von York, zu dem ihn seine Mutter anl├Ąsslich seiner Hochzeit 1986 ernannte. Zuerst forderte ein Stadtrat, Andrew die traditionelle Bezeichnung zu entziehen. Nun will auch das bekannte Pferderennen "Duke of York Stakes" seinen Namen ab├Ąndern. "Es ging nie direkt um Prinz Andrew", sagte der Marketingchef der Rennbahn, James Brennan, der Zeitung "Yorkshire Post". Deshalb solle der historische Bezug deutlicher gemacht werden. "Der Name bezieht sich auf einen ganz anderen Herzog von York."

Symbolischer Schritt

Tats├Ąchlich wurde das Rennen 1895 nach dem damaligen Titeltr├Ąger benannt, dem sp├Ąteren K├Ânig Georg V. Als Favorit f├╝r die neue Bezeichnung gilt derzeit "1895 Duke of York Stakes". Der symbolische Schritt d├╝rfte auch die Queen treffen. Die K├Ânigin ist eine Pferde-Enthusiastin und seit Jahrzehnten eine erfolgreiche Z├╝chterin.

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York liegt damit im Trend. "Schlecht beraten" seien alle, die Verbindungen zu Andrew aufrechterhielten, sagte Regierungsmitglied James Heappey am Mittwoch dem Sender LBC. "Er hat die Royal Family vor eine enorme Herausforderung gestellt in einem Jahr, in dem wir den au├čergew├Âhnlichen Dienst Ihrer Majest├Ąt der K├Ânigin feiern sollten, wenn sie ihr Platin-Jubil├Ąum erreicht." 2022 ist es 70 Jahre her, dass die Queen den Thron bestieg. H├Âhepunkt der Feierlichkeiten ist ein langes Wochenende Anfang Juni in London mit einer Milit├Ąrparade, einem Gottesdienst und einem Konzert.

Schatten ├╝ber dem Festjahr der Queen

Der Palast f├╝rchtet, dass der Fall Andrew das Festjahr ├╝berschattet. Seit mehr als zwei Jahren tritt der 61-J├Ąhrige nicht mehr ├Âffentlich auf. Wurde royalen Experten zufolge zun├Ąchst eine R├╝ckkehr im Rahmen des Jubil├Ąums nicht ausgeschlossen, gilt ein solcher Schritt angesichts der Entwicklungen mittlerweile als unm├Âglich.

Die US-Amerikanerin Virginia Giuffre wirft dem Queen-Sohn vor, sie vor gut 20 Jahren als Minderj├Ąhrige mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Sie fordert Schadenersatz. Giuffre behauptet, der mittlerweile gestorbene US-Unternehmer Jeffrey Epstein und seine Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell, die k├╝rzlich in dem Fall schuldig gesprochen wurde, h├Ątten sie an Andrew vermittelt und sie zum Sex mit dem Adligen gedr├Ąngt. Der Prinz weist dies kategorisch zur├╝ck.

Die Vorw├╝rfe sind seit langem bekannt. Auch deshalb soll im Palast der Unmut gro├č sein, dass Andrew den Behauptungen nicht fr├╝her entschlossen entgegentreten ist, wie die Zeitung "Daily Mirror" berichtete. Als letzten Ausweg soll Andrew planen, den Fall au├čergerichtlich gegen eine erhebliche Summe beizulegen - die Rede ist von bis zu zehn Millionen Pfund (zw├Âlf Millionen Euro).

Die Stimmung wird schlechter

Doch die Chancen stehen schlecht. "Es ist Virginias feste ├ťberzeugung, dass Andrew f├╝r das, was er getan hat, ins Gef├Ąngnis gehen sollte", zitierte der "Mirror" eine Quelle aus dem Umfeld von Giuffres Anw├Ąlten. Ein Prozess in New York - welcher Zufall angesichts Andrews Titel - r├╝ckt immer n├Ąher. Aber letztlich k├Ânne es auch ausreichen, ihn finanziell und moralisch am Boden zu sehen, sagte die "Mirror"-Quelle weiter. "Er ist bereits erledigt." Eine weitere Hiobsbotschaft f├╝r Andrew kam am Mittwoch mit der Ank├╝ndigung einer Zeugin, die ihn im Jahr 2001 in einer Diskothek in London zusammen mit Giuffre und Maxwell gesehen haben will, gegen ihn auszusagen.

Eine neue TV-Dokumentation, die der Sender ITV am Dienstag ausstrahlte, droht, die Stimmung gegen Andrew weiter zu verschlechtern. Ein ehemaliger Leibw├Ąchter gibt den 61-J├Ąhrigen in "Ghislaine, Prince Andrew and the Paedophile" mit der Anekdote zum Spott frei, Andrew sei ausgerastet, wenn seine Teddyb├Ąren, die er sammelt, falsch arrangiert waren. Schwerer d├╝rfte der Vorwurf wiegen, die Epstein-Vertraute Maxwell, einst enge Freundin des Prinzen, sei nach Belieben im Palast ein- und ausgegangen. Dennoch will die Queen sich offenbar nicht v├Âllig von Andrew distanzieren. Der 61-J├Ąhrige werde - wie alle Royals - zum Jubil├Ąum eine Medaille erhalten, berichtete die "Daily Mail" j├╝ngst.

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