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Kaya Yanar hadert mit seiner Figur Ranjid – und befragt Fans

Von dpa, t-online
Aktualisiert am 30.09.2020Lesedauer: 3 Min.
Kaya Yanar: Der Comedian hadert mit seiner Rolle des Ranjid – und hat seine Community dazu befragt.
Kaya Yanar: Der Comedian hadert mit seiner Rolle des Ranjid – und hat seine Community dazu befragt. (Quelle: imago images / Sven Simon)
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Jahrelang zählte die Figur des Inders fest zur Sendung "Was guckst du?!" und ist auch heute noch in Yanars Shows zu sehen. Doch inzwischen ist er skeptisch, ob er weiter in diese Rolle schlüpfen kann.

Comedian Kaya Yanar denkt in der Rassismusdebatte intensiv über seine Figur Ranjid nach. "Ich finde es schade, Ranjid eventuell nicht mehr zu spielen. Es ist, wie einen alten Freund zu verlieren. Aber letztendlich entscheiden natürlich die Inderinnen, Inder und Indischstämmigen in Deutschland, ob Ranjid weiterhin gespielt werden darf", sagte Yanar der Deutschen Presse-Agentur.


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Deshalb fragte der Komiker seine Facebook-Community kürzlich: "Darf ich weiterhin Ranjid spielen oder ist das nun ein Tabu? Was meint Ihr? Interessant wären vor allem die Meinungen von InderInnen oder Deutschen mit indischem Migrationshintergrund zu dem Thema." Darunter begann eine Diskussion mit inzwischen über 3.000 Kommentaren.

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"Wir brauchen das in Zeiten wie diesen umso mehr"

Yanar sagte anschließend, er sehe viel Zustimmung und sogar Indischstämmige selbst, die seine Figur nicht als rassistisch empfänden. Die Reaktion einer in Österreich lebenden Inderin lautet beispielsweise folgendermaßen: "Lieber Kaya, ich bin Inderin und ich habe nichts dagegen, wenn du weiterhin Ranjid spielen willst. Ich finde das super, wie du viele Hintergründe siehst beziehungsweise die Unterschiede aufzeigen kannst. Das unterstützt die Vielfalt in unserer Gesellschaft! Wir brauchen das in Zeiten wie diesen umso mehr! Dein Humor und Witz können vieles verständlicher machen! Ich habe das niemals als Diskriminierung gesehen!"

Die StoĂźrichtung, Klischees offenzulegen und mit ihnen zu spielen und sich nicht ĂĽber Inder oder Akzent und Aussehen lustig machen zu wollen, sei immer sein Ziel gewesen, so Yanar. "SchlieĂźlich ist Ranjid eine Kunstfigur, die zwar einen indischen Migrationshintergrund hat, den aber kaum noch thematisiert."

Zurzeit läuft eine Debatte über Humor, der als rassistisch wahrgenommen werden kann. Vor allem Blackfacing gerät in den Fokus. Von Blackfacing spricht man, wenn sich weiße Menschen schminken, um schwarze Menschen stereotyp darzustellen und die Hautfarbe zu einer Verkleidung degradieren. Brownfacing wäre ein entsprechendes Wort, wenn es um Inder geht, Yellowfacing, wenn es um Menschen aus China, Thailand oder anderen Ländern Asiens geht. Blackfacing ist insbesondere in den USA umstritten, weil dort lange Zeit ein Bühnenverbot für schwarze Menschen herrschte und Weiße an der systematischen Unterdrückung auch in der Kunst Geld verdienten.

"Diskussion zwingt und Komiker dazu zu reflektieren"

Yanar, der selbst türkische Vorfahren hat, hatte sich in der SWR-Sendung "Walulis Woche" geäußert. Er sagte: "Diese ganze Diskussion, die finde ich großartig. Die zwingt uns Komiker dazu zu reflektieren. Darüber nachzudenken: 'Was haben wir da eigentlich gemacht?' Was gar nicht so einfach ist."

Sein ganzes Statement für die Show mit dem Titel "Warum Comedy-Helden jetzt gelöscht werden sollen" lautet: "Vor 20 Jahren galten ganz andere gesellschaftliche Maßstäbe. Damals waren Sachen akzeptiert beziehungsweise auch gewünscht, wo man heute sagt: 'Geht das überhaupt noch?' Aber das ist ja der Job eines Komikers! Ja: An der Grenze des politisch Inkorrekten herumzutänzeln. Oder auch mal politisch unkorrekt zu sein. Grenzen neu zu ziehen, zu definieren, zu testen. Und 20 Jahre später zu sagen: 'Hey, das, was du damals gemacht hast, das geht nicht mehr!' Das ist natürlich einfach: Eine einzelne Person anzugreifen, aber eigentlich müsste man den ganzen Zeitgeist, der damals herrschte, angreifen. Was natürlich viel schwieriger ist."

Anke Engelke: "WĂĽrde mich nicht mehr dunkel schminken lassen"

Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke hatte vor kurzem der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Blackfacing, Yellowfacing – einige Parodien würde ich nicht mehr machen." Heute checke sie ab, ob Menschen betroffen seien, die struktureller Ausgrenzung oder Rassismus ausgesetzt seien. "Ich finde es gut, wenn wir heute ein anderes Bewusstsein haben."

Unter anderem bezüglich ihrer früheren Sketch-Rolle der Ricarda Wältken aka Ricky von "Rickys Popsofa" sagte Engelke dem "Spiegel" außerdem kürzlich: "Ich würde mich nicht mehr dunkel schminken lassen." Sie imitierte die frühere "Tic Tac Toe"-Sängerin, deren Vater Nigerianer ist, in den Neunzigerjahren für die "Wochenshow".

"Die Wochenshow": Ingolf LĂĽck als W. Petry und Anke Engelke als Ricky, bei "Rickys Popsofa" im Jahr 2000.
"Die Wochenshow": Ingolf LĂĽck als W. Petry und Anke Engelke als Ricky, bei "Rickys Popsofa" im Jahr 2000. (Quelle: imago images / POP-EYE)

Auch zahlreiche Figuren ihrere späteren eigenen Show "Ladykracher"-Figuren würde Anke Engelke nicht mehr spielen, zum Beispiel keine Asiatinnen mehr. "Ich bin heute nicht empört über mich, aber traurig, dass ich damals nicht gesehen habe, dass das nicht in Ordnung ist."

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