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Neues Warnsystem soll Radfahrer vor Lastwagen sch├╝tzen

Von dpa
Aktualisiert am 23.11.2018Lesedauer: 3 Min.
Das Warnsystem "Bike-Flash" ├╝berwacht den toten Winkel von Fahrzeugen durch W├Ąrmesensorik.
Das Warnsystem "Bike-Flash" ├╝berwacht den toten Winkel von Fahrzeugen durch W├Ąrmesensorik. Wird ein Radfahrer erkannt, blinken vier Leuchten und warnen den LKW-Fahrer. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich./dpa)
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Garbsen (dpa) - Auf dem Asphalt liegen ein Schuh, ein Rucksack und ein plattgewalzter Fahrradkorb, dutzende Meter weiter steht am Stra├čenrand ein Kipplaster mit Warnblinklicht. Die 16-j├Ąhrige Radfahrerin, die er beim Rechtsabbiegen ├╝berrollt und mitgeschleift hat, liegt abgedeckt mit einem wei├čen Tuch dahinter.

Um t├Âdliche Unf├Ąlle wie diesen am 23. November in Burgdorf bei Hannover zu verhindern, startete - kaum zwei Stunden sp├Ąter und nur einige Kilometer entfernt - in Garbsen ein deutschlandweit einmaliger Pilotversuch. Ein neuartiges Schutzsystem namens Bike Flash und soll Radler vor abbiegenden Lastwagen sch├╝tzen.

Wie genau funktioniert Bike Flash?

Bike Flash wird an Abzweigungen oder Kreuzungen installiert. Mit Hilfe einer W├Ąrmesensorik k├Ânnen Radfahrer und auch Fu├čg├Ąnger ab einer Entfernung von 40 Metern vor einem Abzweig erkannt werden. An einem Mast an der Kreuzung blinken dann vier dort befestigte Leuchten in unterschiedlicher H├Âhe, die vor allem abbiegende Lastwagenfahrer aber auch Autofahrer vor der Gefahr warnen sollen.

Ist das nicht ein recht aufwendiges Verfahren?

Die Testanlage an der Einfahrt zum Gel├Ąnde eines gro├čen Online-Versandh├Ąndlers kostet 34.000 Euro, die sich die Stadt Garbsen und die Region Hannover teilen. Wie ein Herstellersprecher sagt, h├Ąngen die Kosten unter anderem vom Stra├čenverlauf und der Entfernung ab, auf der die W├Ąrmesensorik Fu├čg├Ąnger und Radfahrer erfasst.

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Was halten Spediteure von dem Bike-Flash-Versuch?

"Ich finde das schon eine sinnvolle Idee", sagt Christian Richter von der Fachvereinigung G├╝terkraftverkehr und Entsorgung in Niedersachsen. Grunds├Ątzlich begr├╝├če die Branche jede technische Unterst├╝tzung, die f├╝r mehr Verkehrssicherheit sorgt. Viele Firmen installierten freiwillig zus├Ątzliche Sicherheitstechnik in Lastwagen. Richter appelliert aber auch an Radfahrer, sich der Gefahr der gro├čen Lastz├╝ge bewusst zu sein und diese nicht auf der rechten Seite zu ├╝berholen. Am besten sei, an Gefahrenstellen Blickkontakt zum Fahrer zu suchen, um sich sicher zu sein.

Stichwort Sicherheitstechnik, warum ist die nicht l├Ąngst Vorschrift f├╝r Lastwagen?

L├Ąngst gibt es elektronische Abbiege-Assistenten, die vor Unf├Ąllen im toten Winkel warnen, und Hersteller bauen sie oft bereits in Neufahrzeuge ein. Die EU will eine Pflicht f├╝r neue Lastwagen ab 2022 erlassen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Einbau dieser technischen Systeme bei Lastwagen in Deutschland beschleunigen - dies geschieht aber zun├Ąchst auf freiwilliger Basis der Speditionen und Logistikunternehmen. Die Systeme kosten zwischen 800 und 1300 Euro pro Lastwagen.

Welche Rolle spielen Lastwagen bei t├Âdlichen Fahrradunf├Ąllen?

382 Fahrradfahrer kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2017 bei Verkehrsunf├Ąllen ums Leben. Besonders schwere Folgen haben Unf├Ąlle mit Lastwagen, dabei starben im vergangenen Jahr 76 Radler. Und: Bei solchen Unf├Ąllen trugen Radfahrer in nur 20 Prozent der F├Ąlle die Hauptschuld. Bei etwa jedem dritten Unfall mit Personenschaden, an dem ein Fahrrad und ein Lastwagen beteiligt waren, handelte es sich um einen Abbiege-Unfall - weil Lastwagenfahrer oft Radler im sogenannten toten Winkel ├╝bersehen.

Sind es besonders r├╝cksichtslose oder abgelenkte Lasterfahrer, die die Unf├Ąlle verursachen?

Nein, die Fahrer stehen nach den Unf├Ąllen meist selber vollkommen unter Schock, weil sie aus ihrer Sicht alles f├╝r ein sicheres Abbiegen getan haben. Dies wird auch bei Gerichtsverfahren nach den Unf├Ąllen deutlich. Weniger als zwei Sekunden etwa blickte ein im August verurteilter Lasterfahrer in Hannover nicht in den richtigen Spiegel, bevor er einen elfj├Ąhrigen Radler vor den Augen seiner Mutter ├╝berfuhr - mit Tempo 14, wie das Gutachten ergab.

Gibt es im Zuge der vernetzten Fahrzeuge der Zukunft nicht auch digitale Sicherungssysteme gegen Unf├Ąlle im toten Winkel?

Vor diesem Hintergrund haben der Mobilfunkanbieter Vodafone und der Automobilzulieferer Continental im Sommer eine Kooperation f├╝r vernetzte Sicherheit im Verkehr gestartet. Autos, Fu├čg├Ąnger und Radler sollen per Mobilfunk miteinander kommunizieren und vor Gefahren warnen. Wenn ein Auto abbiegen will und ein Radfahrer oder Fu├čg├Ąnger sich im toten Winkel befindet, k├Ânnen beide per Funk ├╝bermitteln, dass sie sich direkt in der N├Ąhe befinden. Im Auto geht eine Warnung ein und in Zukunft k├Ânnte es auch automatisch abbremsen.

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