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"Der Hass auf den Diesel ist nicht berechtigt"

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INTERVIEWAvD-Sprecher verteidigt Technik  

"Der Hass auf den Diesel ist nicht berechtigt"

31.05.2018, 12:49 Uhr | Max Polonyi

. Malte Dringenberg (Quelle: Automobilclub von Deutschland)

Malte Dringenberg, Pressesprecher des Automobilclubs von Deutschland (Quelle: Automobilclub von Deutschland)

Malte Dringenberg, Pressesprecher des Automobilclubs von Deutschland, verteidigt den Diesel und kritisiert die Fahrverbote. Im Interview fordert er eine andere Lösung.

In seiner Familie sind drei Diesel unterwegs. Das ist aber nicht der Hauptgrund, warum sich Malte Dringenberg, Pressesprecher des Automobilclubs von Deutschland, für die Technik stark macht. Im Telefon-Interview schwingt aber Unmut über die Autoindustrie mit.

Am Donnerstag treten die ersten Diesel-Fahrverbote Deutschlands in Kraft, und zwar in Hamburg. Ist das das Ende des Diesels?

Malte Dringenberg: Das kann ich mir nicht vorstellen. Das ist eher das Eingeständnis der Hilflosigkeit unserer Politiker. Es ergibt keinen Sinn, ein, zwei Straßenzüge zu sperren, während im Hafen schwerölverbrennende Schiffe einlaufen und die Autofahrer einen Umweg nehmen müssen. Da kann mir keiner erzählen, dass das der Umwelt in irgendeiner Weise zugute kommen kann.

Betroffen sind zwei Straßen, in denen die EU-Grenzwerte für Stickoxide überschritten werden. Kann das Fahrverbot da nicht helfen?

In den betroffenen Straßen, ja. Aber was ist mit den Umgehungsstraßen? Das ist doch reine Symbolpolitik. Die Politik gaukelt vor, sich zu kümmern. Eigentlich bräuchte es eine verpflichtende Hardwarelösung, die die Industrie den Autofahrern liefern muss. Aber da kneift man. Da geht die Politik den Weg des geringeren Widerstandes.

Besonders ältere Diesel-Modelle und solche, die vom Skandal betroffen sind, erzeugen aber dennoch übermäßig viel gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid.

Ja, und die Grenzwerte der EU müssen eingehalten werden, keine Frage. Aber der Dieselfahrer hat ein Fahrzeug gekauft, dass vor wenigen Jahren noch State of the Art war. Es muss daher Vertrauensschutz genießen. Wir sehen die Industrie in der Verantwortung. Sie hat die Systeme zur Verringerung der Schadstoffe, sie muss bei den Fahrzeugen nur nachrüsten. Und zwar für den Autofahrer kostenfrei. Es ist doch unbegreiflich, dass einige Hersteller in Deutschland Autos sogar ganz ohne Harnstoffeinspritzung (AdBlue) verkauft haben, während dieselben Modelle in den USA serienmäßig mit dieser Technik ausgerüstet sind .

Seit dem Dieselskandal ist der Diesel erheblich in der Kritik. Zu recht?

Der Hass auf den Diesel ist ganz und gar nicht berechtigt. Der Diesel ist nach wie vor der effizienteste Verbrennungsmotor, außerdem hat die Dieseltechnologie am wenigsten CO2-Emissionen. Viele Leute, die von der Materie keine Ahnung haben, haben hier Parolen ungeprüft nachgeplappert und verbreitet.

Projekt mit Journalistenschülern
Zum Start der Dieselfahrverbote in Hamburg berichten die Schülerinnen und Schüler des 38. Lehrgangs der Henri-Nannen-Schule in Hamburg über Folgen und Hintergründe des Fahrverbots. Die Schule wurde 1978 gegründet und ist die Journalistenschule des Gruner+Jahr-Verlags, der Zeit und des Spiegels. Autoren dieser Texte sind: Gregor Becker, Alexandra Duong, Félice Gritti, Luisa Hommerich, Julia Kopatzki, Timo Lehmann, Roland Lindenblatt, Katharina Meyer zu Eppendorf, Max Polonyi, Jakob Pontius, Yannick Ramsel, Maximilian Rieger, Claudio Rizzello, Tobias Scharnagl, Veronika Völlinger, Cara Westerkamp.

Kann man das Image des Diesels wieder aufpolieren?

Man muss das Thema mal ernsthaft angehen, und nicht mit Halbwahrheiten operieren. Es ist eine Frechheit zu behaupten, jedes Jahr würden durch Dieselabgase 6.000 Menschen sterben, wie die Deutsche Umwelthilfe behauptet. Diese Aussage ist wissenschaftlich nicht haltbar. Sie resultiert auf der Hochrechnung von Studien zur Untersuchung anderer Phänomene. Andere Einflussfaktoren auf die Todesfälle bleiben bei dieser Methode unberücksichtigt. Sie müssten jeden dieser Menschen obduzieren, um die tatsächliche Todesursache festzustellen. Da wird einfach eine emotionale Ebene angesprochen, das sollte man unterlassen.

Was ist von Alternativen wie dem Elektromotor zu halten?

Das sind Alternativen, aber mit Einschränkungen. Der Elektromotor ist nur dann eine Alternative, wenn der Strom aus regenerativen Energiequellen stammt. Man darf sich nicht vorgaukeln, dass E-Autos den Strom nur aus regenerativen Quellen beziehen. Deutschland hängt vom Kohlestrom ab. Und wir beziehen auch fröhlich Atomstrom aus Frankreich, Belgien und Tschechien, um den Spitzenbedarf zu decken. Das traut sich aber kaum jemand laut zu sagen.

Und die Brennstoffzelle?

Die Brennstoffzelle ist eine tolle Technologie. Aber um den Wasserstoff, den man dafür braucht, herzustellen, bedarf es nicht nur einer riesigen Infrastruktur-Investition, sondern auch erheblicher Energiemengen. Wir haben in Deutschland zur Zeit knapp 50 Wasserstoff-Tankstellen, da sind wir weit weg von einer Flächendeckung. Die Brennstoffzelle ist technisch brillant, aber auf absehbare Zeit nicht praxistauglich.

Finden Sie, dass der Dieselskandal in Deutschland angemessen aufgearbeitet worden ist?

Die Autofahrer sind die Leidtragenden. Die Bundesregierung wollte vor der Wahl kein Fass aufmachen. Dass man jetzt aber immer noch vor der Industrie, kuscht, ist nicht nachvollziehbar. Gerade der Koalitionspartner SPD könnte sich als Anwalt des Verbrauchers positionieren und sich über dieses Thema profilieren.

Fahren Sie eigentlich selber Diesel?

Ja, in meiner Familie haben wir drei. Der Diesel bietet mir eine wunderbare Kombination aus Effizienz und Fahrfreude.

Weitere Aspekte des Themas, Interviews mit Betroffenen, Gegnern und Verfechtern des Diesels finden Sie auf der Sonderseite, die Journalistenschüler der Henri-Nannen-Schule befüllt haben.

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