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Dieselskandal? Dokumente sollen VW-Manipulation an neuen Motoren beweisen

Konzern dementiert  

Hat VW auch neue Dieselmotoren manipuliert?

12.09.2019, 18:48 Uhr | jb, t-online.de, dpa-tmn

 (Quelle: Reuters)
Auch neuere Motoren betroffen? Der Dieselskandal und seine Folgen

Um den Abgasskandal der deutschen Autoindustrie wird es nach wie vor nicht ruhiger, ganz im Gegenteil. Berichten zufolge soll er sich vielmehr noch ausweiten. Demnach seien auch neuere Motoren der Abgasnorm Euro 6 betroffen. VW selbst streitet ab. (Quelle: t-online.de)

Immer neue Entwicklungen: Der Dieselskandal erschüttert die deutsche Autoindustrie, das sind seine Folgen. (Quelle: t-online.de)


Vertrauliche Dokumente, die dem SWR vorliegen, sollen beweisen, dass der Autohersteller auch bei seinen neuen Dieselmotoren die Abgaswerte manipuliert hat. Noch bestreitet VW die Vorwürfe.

VW soll Dieselmotoren, die der Abgasnorm Euro 6 entsprechen, ebenfalls mit einer Abschalt-Software manipuliert haben. Betroffen ist vor allem der Dieselmotor EA 288. Das geht aus einem Bericht des SWR hervor.

Illegale Software seit 2012 im Einsatz

Manipulierte Abgastests fielen zuerst beim Dieselmotor EA 189 auf. Eine integrierte Abschalt-Software erkannte, ob beim Fahrzeug gerade ein Abgastest durchgeführt wird (Zykluserkennung) oder es sich um eine "normale" Nutzung handelt. Im ersten Fall wird die Abgasreinigung erhöht, sodass die ausgegebenen Werte besser sind. 

Der betroffene Motortyp wurde seit 2012 unter anderem in den VW-Modellen Golf, Passat und Tiguan sowie in einigen Audi- und Skoda-Fahrzeugen verbaut. Zwar sollte das Nachfolgemodell des manipulierten Dieselmotors, der EA 288, offiziell nicht mehr mit der illegalen Abschalteinrichtung ausgestattet worden sein. Vertrauliche Dokumente, die dem SWR vorliegen, belegen allerdings nun das Gegenteil.  

VW bestreitet Vorwürfe

Der VW-Konzern bestreitet gegenüber dem SWR die Manipulationsvorwürfe: Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 288, nach dem heute gültigen Abgasstandard EU6 in EU 28, enthielten keine Software, mit dem die Durchführung eines Abgastests erkannt werden könnte. Dies würden auch Messungen bestätigen. Konkret zu den Daten, die im Dokument stehen, wollte sich der Autohersteller nicht äußern, da diese vertraulich seien, heißt es weiter. 

Auch gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bestritt der Autohersteller die Vorgehensweise. Nach aktuellem Stand sei "nichts Illegales passiert", sagt ein VW-Sprecher.

In den vertraulichen Dokumenten heißt es laut Bericht jedoch: "Nutzung und Erkennung des (…) NEFZ, um die Umschaltung der Rohemissionsbedatung streckengesteuert auszulösen." Der Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ) ist ein Normwert für den Kraftstoffverbrauch und den Emissionsausstoß eines Fahrzeuges. Er wird in einem von der EU gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren ermittelt. 

Experten gehen von illegaler Software auch bei Euro-6-Motoren aus

Der Sender legte die vertraulichen Dokumente dem Abgasexperten Alexander Friedrich vor. Stehe in den Papieren Zykluserkennung, sei dies Anzeichen dafür, dass eine Abschalteinrichtung integriert wurde – und diese sei illegal, erklärt er. Friedrich war als Berater im Dieseluntersuchungsausschuss des Bundestages tätig.

Ein Gerichtsverfahren über mögliche manipulierte Abgaswerte auch beim VW-Motor EA288 läuft bereits. Das Gutachten dazu steht allerdings derzeit noch aus und solle erst in mehreren Monaten vorliegen. 

Abschalt-Software seit 2015 auch in neuen Motoren

Kurz nach dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals mit dem Motor EA189 im Jahr 2015, kam der Verdacht auf, auch das neuere Aggregat EA 288 könne von Manipulationen betroffen sein. Schon damals kam VW "nach gründlicher Prüfung" zu dem Ergebnis, dass in beiden EA288-Varianten – mit Euro 6 und der früheren Abgasnorm Euro 5 – "keine Software verbaut ist, die eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne der Gesetzgebung darstellt". In den internen Dokumenten, die unter anderem auch aus dem Jahre 2015 sind, werde allerdings detailliert beschrieben, wie die "Zykluserkennung" im EA288 funktioniere, berichtet der SWR.


Bei der vor vier Jahren in den USA aufgedeckten Abgasaffäre, die den VW-Konzern bereits viele Milliarden Euro gekostet hat, geht es rein technisch darum, dass eine VW-Software erkennt, dass das Auto auf Abgas-Prüfständen getestet wird. Die Einstellungen werden dann so geändert, dass die Richtwerte erreicht werden. Draußen auf der Straße im Alltag sind die Werte dann höher, und die Angaben aus der Laborsituation werden deutlich überschritten.

Verwendete Quellen:

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