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Facebook setzt zwei weitere App-Anbieter vor die Tür

Nach Datenskandal  

Facebook setzt zwei weitere App-Anbieter vor die Tür

09.04.2018, 18:41 Uhr | dpa

Facebook setzt zwei weitere App-Anbieter vor die Tür. Warnung vor dem "Datenkraken" Facebook: Nutzer verlieren das Vertrauen. (Quelle: imago)

Warnung vor dem "Datenkraken" Facebook: Nutzer verlieren das Vertrauen. (Quelle: imago)

Angesichts des Datenskandals hat Facebook die Zusammenarbeit mit zweit weiteren App-Entwicklern ausgesetzt, die Nutzerdaten abgesaugt haben sollen. Unterdessen warten etwa 310.000 deutschen Betroffene gespannt auf ihre Benachrichtigung. 

Facebook will betroffene Nutzer weltweit ab Montag über die mögliche Weitergabe ihrer Daten an Dritte informieren. "Wir werden es jedem mitteilen, dessen Daten von Cambridge Analytica betroffen sein könnten", sagte Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Leseraufruf: Liebe Leser, wenn Sie zu den Betroffenen gehören, würden wir uns gerne mit Ihnen unterhalten! Schreiben Sie uns eine Mail an leseraufruf@t-online.de oder hinterlassen Sie uns eine Nachricht auf Twitter oder Facebook

Die Information soll ganz oben im Newsfeed von Facebook auftauchen. Auch alle Apps, mit denen Nutzer auf Facebook verbunden sind, sollen dort in einer eigenen Mitteilung zu sehen sein. Es soll eine einfache Möglichkeit geben, diese Apps zu löschen, kündigte Sandberg an.

Facebook-Nutzer können auf einer neuen Übersichtsseite in ihrem Account sehen, welche Facebooks-Apps welche Berechtigungen für Datenzugriffe haben.

So finden Sie die App-Übersicht

In der Browser-Version von Facebook klicken Sie auf das Menü "Einstellungen" (oben links). Dann auf den Eintrag "Apps und Webseiten".

Facebook-Seite: Apps und Webseiten (Quelle: t-online.de/Facebook Screenshot)Facebook-Seite: Apps und Webseiten (Quelle: Facebook Screenshot/t-online.de)

Hier können Sie die Berechtigungen für alle Apps sehen, ändern und löschen.

Auf einem Android-Gerät finden sich diese App-Seite unter "Kontoeinstellungen" und "Apps". Unter iOS (Apple) heißen die Menüpunkte "Einstellungen" und "Kontoeinstellungen".

App-Anbieter vor die Tür gesetzt

Facebook zieht außerdem einen Schlussstrich unter die bisherige Zusammenarbeit mit einer weiteren App, die Nutzerdaten abgegriffen und verkauft haben soll. 

Dabei handelt es sich um CubeYou, eine Firma, die mit dem Psychometrie-Zentrum der Universität von Cambridge in Verbindung steht. Facebook war von CNBC darüber informiert worden, dass CubeYou mit Hilfe von Frage-und-Antwortspielen Informationen über Nutzer sammele. Laut CNBC bezeichne CubeYou die Tests als gedacht für "nicht gewerbsmäßige akademische Forschung", gebe die Nutzerdaten dann aber an Vermarkter weiter. CubeYou weist eine missbräuchliche Nutzung von Daten laut CNBC zurück.

Am Samstag hatte Facebook erklärt, es habe die Zusammenarbeit mit der kanadischen Politikberatungsfirma AggregateIQ ausgesetzt. Das Unternehmen habe möglicherweise unrechtmäßig Nutzerdaten bekommen und werde jeglichen Zugang zu Facebook verlieren. Medienberichten zufolge soll AggregateIQ Verbindungen zu Cambridge Analytica gehabt haben und an der britischen Kampagne für den Austritt aus der Europäischen Union beteiligt gewesen sein. Auf seiner Webseite teilte das Unternehmen mit, kein Teil von Cambridge Analytica oder dessen Mutterkonzern SCL zu sein. Zugang zu den Facebookdaten von Cambridge Analytica habe es nicht gehabt.

Regeln für Politik-Werbung werden verschärft

Nach der Kontroverse um Propaganda aus Russland verschärft Facebook seine Regeln für Polit-Werbung. Wer sie schalten will, muss künftig Identität und Standort bestätigen. Bereits im vergangenen Oktober hatte Facebook dieses Verfahren für eindeutige Wahlwerbung eingeführt. Jetzt wird es auf Werbung mit politischem Hintergrund insgesamt ausgeweitet, wie das Online-Netzwerk am Freitag ankündigte. Dabei kann es sich beispielsweise um als Werbung verbreitete Botschaften zu kontroversen Themen wie Einwanderung oder Spannungen zwischen politischen und sozialen Gruppen handeln.

Bei solcher Werbung soll künftig auch transparent gemacht werden, wer für sie bezahlt hat. Die Neuerungen werden zunächst in den USA eingeführt und sollen in den kommenden Monaten auf den Rest der Welt ausgeweitet werden. Außerdem werden sich Betreiber von Facebook-Seiten mit vielen Fans ebenfalls bei dem Unternehmen verifizieren müssen. Für das Verfahren werde Facebook "tausende" weitere Mitarbeiter einstellen, hieß es. CEO Mark Zuckerberg schrieb auf seiner Facebook-Seite von einer "unabhängigen Expertenkommission", die er einsetzen wolle, um den Einfluss sozialer Medien auf Wahlen und die Demokratie zu prüfen.

If you've followed me for a while, you know one of my top priorities for 2018 in making sure Facebook prevents...

Gepostet von Mark Zuckerberg am Montag, 9. April 2018

Die von Russland aus agierende Gruppe "Internet Research Agency" (IRA) hatte im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 in großem Stil mit Einträgen von gefälschten Profilen politische Spannungen in den USA geschürt und für den am Ende siegreichen Donald Trump agitiert.

Die neuen Schritte allein "werden nicht alle stoppen, die versuchen, das System hereinzulegen", schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg. "Aber sie werde es für alle stark erschweren, das zu machen, was die Russen im Wahlkampf 2016 getan haben, und gefälschte Profile und Seiten für Anzeigen zu nutzen." Zuckerberg verwies auf anstehende wichtige Wahlen unter anderem in den USA, Mexiko, Brasilien, Indien und Pakistan.

Nutzer haben Angst vor Datenmissbrauch

Nach dem Facebook-Skandal über die unerlaubte Nutzung von Kundendaten durch die Analysefirma Cambridge Analytica gaben 59 Prozent der Internetnutzer an, unabhängig von den aktuellen Berichten, das soziale Netzwerk nicht zu nutzen. 27 Prozent sagten, sie nutzten Facebook unverändert weiter. 12 Prozent nutzten demnach Facebook wegen der Berichte weniger als früher. 2 Prozent gaben an, Facebook aufgrund der Berichte nicht mehr zu nutzen.

Das Vertrauen in das soziale Netzwerk ist laut der Umfrage gering: Sehr großes Vertrauen hat demnach keiner der befragten Facebook-Nutzer. Nur zehn Prozent der befragten Facebook-Nutzer haben großes Vertrauen, dass das Unternehmen mit persönlichen Daten verantwortungsvoll umgeht. 88 Prozent haben wenig oder gar kein Vertrauen.

Facebook weiß nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat

Nach eigenen Angaben ist dem Internetriesen weiterhin nicht bekannt, welche Informationen seiner Nutzer genau bei Cambridge Analytica gelandet sind. "Bis zum heutigen Tage wissen wir nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat", sagte die für das operative Geschäft zuständige Sheryl Sandberg der "Financial Times". Nach Gründer und Chef Mark Zuckerberg räumte auch sie Fehler ein und sagte, Facebook habe zu langsam reagiert.

Kartellamt: Facebook hat Marktmacht missbraucht

Facebook hat nach Meinung von Kartellamtspräsident Andreas Mundt bei der Datennutzung seine Marktmacht missbraucht. "Nach dem jetzigen Stand gehen wir davon aus, dass Facebook seine Marktmacht gegenüber den Kunden durch die Art und Weise, wie Daten aus Drittquellen gesammelt und verwertet werden, missbräuchlich ausnutzt", sagte Mundt der "Rheinischen Post". "Bleiben wir bei diesem Befund, wird Facebook seine Praxis anpassen müssen."

Der Präsident des Bundeskartellamts verstärkte damit den Druck auf das soziale Netzwerk. Die Behörde erwartet in Kürze eine Stellungnahme des US-Konzerns zu einem seit zwei Jahren laufenden Verfahren. Das Kartellamt hält Facebook in dem Verfahren vor allem vor, Daten auch auf Drittseiten ohne Wissen der Nutzer zu sammeln und zu verwerten.

Hamburger Datenschützer unterstützt Zerschlagung

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar geht noch einen Schritt weiter. Er unterstütze politische Überlegungen zu einer möglichen Zerschlagung des Internet-Giganten Facebook, sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Caspar ist zuständig für Facebook, das in Hamburg seinen Deutschlandsitz hat.

"Unter dem Aspekt der Wechselwirkung zwischen Datenmissbrauch und Ausnutzung der Monopolstellung" stelle sich die Frage nach einer Zerschlagung des Unternehmens, erklärte Caspar. Zum Konzern gehöre nicht nur Facebook mit seinen über zwei Milliarden Nutzern, sondern auch der mit Abstand erfolgreichste Messenger, WhatsApp, und die Foto-Plattform Instagram.

Bis zu 87 Millionen Nutzer sind betroffen

Bei dem Facebook-Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor über vier Jahren Informationen von Nutzern an die Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrageteilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde.

Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein, darunter potenziell knapp 310.000 Mitglieder aus Deutschland. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Facebook konnte den Datenbestand bei Cambridge Analytica bisher nicht nachprüfen, weil bei der Firma zunächst die britische Datenschutzbehörde aktiv ist.

Verwendete Quellen:

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