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Darum sind Daten-Flatrates in Deutschland so teuer

Von Laura Stresing

Aktualisiert am 15.11.2019Lesedauer: 4 Min.
Junge M├Ąnner surfen in einem Bus (Symbolbild): Deutschland hat mit die teuersten Datentarife in Europa.
Junge M├Ąnner surfen in einem Bus (Symbolbild): Deutschland hat mit die teuersten Datentarife in Europa. (Quelle: Valery Sharifulin/TASS/imago-images-bilder)
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Schnelle LTE-Tarife mit viel Datenvolumen sind in Deutschland teilweise mehr als doppelt so teuer wie im EU-Ausland. Warum ist das so? Ein Erkl├Ąrungsversuch.

Einen g├╝nstigen Handytarif zum Telefonieren und SMS-Schreiben bekommt man schon f├╝r wenige Euro. Mobiles Surfen aber ist in Deutschland vergleichsweise teuer. Insbesondere f├╝r ungedrosselte LTE-Tarife mit viel Datenvolumen und Surf-Flatrates m├╝ssen deutsche Kunden sehr viel tiefer in die Tasche greifen als Nutzer in anderen EU-L├Ąndern.

Um die 80 Euro rufen die gro├čen Anbieter Telekom und Vodafone hierzulande f├╝r ihre Top-Tarife auf. Daf├╝r erhalten die Kunden die volle LTE-Geschwindigkeit und unbegrenztes Datenvolumen. In den Nachbarl├Ąndern gibt es eine vergleichbare Leistung f├╝r einen Bruchteil des Preises, wie eine exklusive Aufstellung des Vergleichsportals Verivox f├╝r t-online.de zeigt (siehe Tabelle).

Im EU-Vergleich sind die Mobilfunkpreise in Deutschland sehr hoch.
Im EU-Vergleich sind die Mobilfunkpreise in Deutschland sehr hoch. (Quelle: Benjamin Springstrow)

Dabei sollte man nicht vergessen, dass die LTE-Abdeckung in allen oben aufgef├╝hrten EU-L├Ąndern besser ist als in Deutschland. Wie eine Auswertung der Mobilfunkanalysefirma Opensignal zeigt, haben die Nutzer in vielen Teilen Deutschlands die meiste Zeit keinen LTE-Empfang. Im Durchschnitt betr├Ągt die LTE-Abdeckung in der Fl├Ąche knapp 66 Prozent. Manche l├Ąndliche und grenznahe Regionen liegen deutlich darunter.

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Mit anderen Worten: Die Nutzer zahlen hierzulande zwar von allen dargestellten L├Ąndern am meisten f├╝r ihren LTE-Tarif ÔÇô sie haben aber am wenigsten davon. Wie ist das zu rechtfertigen? Experten geben unterschiedliche Antworten. Wir fassen die wichtigsten Erkl├Ąrungsversuche zusammen.

Grund 1: Der Netzausbau ist teuer

Telekom, Vodafone und Telefonica investieren massiv in den Ausbau des Mobilfunknetzes. Das Ziel: Bis Ende 2021 sollen 99 Prozent der Haushalte mit schnellem LTE versorgt sein. Dazu m├╝ssen tausende neuer Mobilfunkmasten aufgestellt und in Betrieb genommen werden. Offiziellen Angaben des Bundes zufolge kostet eine LTE-Sendeanlage rund 170.000 Euro.

Dabei ist die Wahl des Standortes ganz entscheidend, erkl├Ąren die Mobilfunkexperten von Verivox: "Es ist wichtig, dass die Masten so stehen, dass der gesamte abgedeckte Raum in etwa gleich gut von den Funkwellen erreicht wird. Steht dort ein Berg 'im Weg', wird es schwierig." Wenige Meter k├Ânnten schon den Ausschlag geben, dass ein nahe gelegener Ort schlechter erreichbar ist. Gerade in weniger dicht besiedelten und schwer zug├Ąnglichen Regionen Deutschlands ist das Netz deshalb schlecht und der Ausbau sehr teuer.

Grund 2: Die Frequenzen verschlingen Milliarden

In Deutschland werden die Mobilfunkfrequenzen bei einem Auktionsverfahren vom Staat vergeben. Das sorgt immer wieder f├╝r Diskussionen. Kritiker sagen, dass dadurch die Kosten f├╝r die Netzbetreiber k├╝nstlich in die H├Âhe getrieben werden.

So f├╝hren viele Experten auch heute noch die Erl├Âse aus der UMTS-Versteigerung aus dem Jahr 2000 als Hauptgrund f├╝r die hohen Mobilfunkpreise in Deutschland an. Damals zahlten die Netzbetreiber insgesamt 50,8 Milliarden Euro f├╝r die UMTS-Lizenzen ÔÇô viel mehr als in anderen L├Ąndern.

Immer wieder werden deshalb Forderungen laut, auf das Auktionsverfahren zu verzichten und die Frequenzvergabe stattdessen mit staatlichen Auflagen zu verkn├╝pfen. Dabei ist der Zusammenhang zwischen den hohen Lizenzgeb├╝hren von damals und den hohen Surf-Tarifen von heute l├Ąngst nicht erwiesen. Immerhin ist die UMTS-Versteigerung fast 20 Jahre her.

Viele Wirtschaftsexperten sind der Meinung, dass sich das Auktionsverfahren bew├Ąhrt hat. F├╝r den Staat lohnt es sich auf jeden Fall: Bei der 5G-Auktion wurden erneut mehr als 6 Milliarden Euro eingenommen. Von einer kostenlosen Vergabe w├╝rden letztendlich nur die Netzbetreiber profitieren.

Grund 3: Wichtige Einnahmequellen sind weggebrochen

Eine andere politische Entscheidung hat sich aber ganz gewiss auf die Verbraucherpreise ausgewirkt, und zwar positiv: Ende 2018 wurden die Roaming-Geb├╝hren im EU-Ausland abgeschafft. Damit ist f├╝r die Provider eine wichtige Einnahmequelle weggebrochen. Bis heute versuchen die Unternehmen, den Schaden zu begrenzen und schaffen Ausnahmen f├╝r die Auslandsnutzung, zum Beispiel bei sogenannten Zero-Rating-Tarifen. Andere erfinden rein nationale Tarife.

Auch das langsame Aussterben der SMS setzt den Mobilfunkanbietern zu. Die altmodische Kurznachricht galt einst als "Goldesel" der Branche, denn sie verursachte praktisch keine zus├Ątzliche Kosten. Trotzdem konnten die Anbieter f├╝r jede Kurznachricht ein paar Cent berechnen. Heute nutzen die Leute lieber WhatsApp und eine Flatrate. Abkassiert wird daf├╝r bei den Datentarifen.

Grund 4: Die Deutschen sind zu sparsam

Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ist nicht viel Geld zu holen, zumindest nicht bei den Privatkunden. Diese Erfahrung machen Provider immer wieder. Denn die Deutschen sind in ihrem mobilen Datenverbrauch extrem sparsam.

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Durchschnittlich 2,5 Gigabyte verbrauchen deutsche Kunden pro Monat. Das ist nicht besonders viel. Passende Tarife finden sich schon f├╝r ein paar Euro. Mit Premium-Tarifen lie├če sich mehr Geld verdienen. Doch nur sehr wenige Deutsche g├Ânnen sich die kostspieligen Daten-Flatrates. "In Deutschland werden solche Flats von Privatkunden lediglich im niedrigen einstelligen Bereich nachgefragt", teilt eine Verivox-Sprecherin mit.

├ťber die Ursache und Wirkung kann man sich nat├╝rlich streiten: W├╝rden die Kunden mehr mobil surfen, wenn schnelle LTE-Tarife g├╝nstiger w├Ąren und das schnelle Netz tats├Ąchlich ├╝berall verf├╝gbar w├Ąre?

Letztendlich bei├čt sich hier die Katze in den Schwanz: Die geringe Nachfrage l├Ąsst sich einerseits durch die hohen Preise und schlechte Netzabdeckung erkl├Ąren. Umgekehrt fehlt den Netzbetreibern ohne zahlungsbereite Kundschaft das Geld (und der Anreiz), um den Netzausbau voranzutreiben.

Und jetzt?

Am Wochenende trifft sich die Bundesregierung zur Digitalklausur in Meseberg. Dort will sie auch eine neue Mobilfunkstrategie verabschieden, mit der die letzten Funkl├Âcher beseitigt und die Netzqualit├Ąt verbessert werden soll. Daf├╝r will der Staat viel Geld in die Hand nehmen und zur Not sogar selbst Funkmasten aufstellen. Mehr zu den Pl├Ąnen, erfahren Sie hier.

Wie sich das auf die Mobilfunkpreise auswirkt, ist unklar. An dem Modell der Lizenzversteigerungen will die Bundesregierung jedenfalls festhalten. Eine Pflicht zum regionalen oder nationalen Roaming ist ebenfalls nicht vorgesehen. Dabei w├╝rde diese Billig-Anbieter beg├╝nstigen und k├Ânnte den Preisdruck auf die drei gro├čen Anbieter erh├Âhen. Kritiker f├╝rchten allerdings, dass damit auch der Investitionsanreiz f├╝r die Netzbetreiber verloren geht. Denn wenn die Aussicht auf gro├če Gewinne schwindet, lohnt sich der Bau eines neuen Funkmasts kaum noch.

Mit ihrem neuen Ma├čnahmenpaket macht die Bundesregierung deutlich, was f├╝r sie derzeit Priorit├Ąt hat: Sie will unbedingt erreichen, dass der Netzausbau schneller vorangeht ÔÇô und zwar um jeden Preis. F├╝r die Kunden bleibt es also wom├Âglich weiterhin teuer.

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