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Auch Coca Cola mit Werbeboykott gegen Facebook: Zuckerberg lenkt ein

Zuckerberg lenkt ein  

Auch Coca Cola und Unilever boykottieren nun Facebook

27.06.2020, 15:23 Uhr | cwe, jnm, dpa

Auch Coca Cola mit Werbeboykott gegen Facebook: Zuckerberg lenkt ein. Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Das soziale Netzwerk steht wegen seines legeren Umgangs mit Hassbeiträgen in der Kritik. (Quelle: imago images/Stefani Reynolds/CNP/MediaPunch)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Das soziale Netzwerk steht wegen seines legeren Umgangs mit Hassbeiträgen in der Kritik. (Quelle: Stefani Reynolds/CNP/MediaPunch/imago images)

Wegen seines legeren Umgangs mit Hass und Hetze musste Facebook schon viel Kritik einstecken. Bisher reagierte das Unternehmen von Gründer Mark Zuckerberg kaum darauf. Mittlerweile zeigt der Boykott erste Wirkung.

Facebook gerät wegen seines umstrittenen Umgangs mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten immer stärker unter Druck. Der Konsumgüterriese Unilever gab am Freitag bekannt, bis zum Jahresende keine US-Werbung mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. Wenig später schlossen sich auch Honda und zuletzt nun Coca Cola dem Boykottaufruf an. Damit erhält ein in der Vorwoche gestarteter Anzeigen-Boykott gegen die Plattform sehr bedeutenden Zulauf. Unilever nimmt bei seiner Maßnahme auch Twitter in die Pflicht, die Coca-Cola-Company will sogar noch weiter gehen:

"Beginnend mit dem ersten Juli wird die Coca-Cola Company bezahlte Werbung auf allen Social-Media-Plattformen für mindestens 30 Tage aussetzen", heißt es in einem Statement des Coca-Cola-Bosses James Quincey. "Wir werden uns diese Zeit nehmen um unsere Werbestandards neu zu bewerten." Außerdem wolle man prüfen, was man von seinen Social-Media-Partnern erwarte, damit diese "die Plattformen von Hass, Gewalt und unangemessenem Inhalt befreien. Wir werden sie wissen lassen, dass wir größere Verantwortlichkeit, mehr Taten und mehr Transparenz von ihnen erwarten."

Die Ankündigung der Unternehmen machten sich auch an der Börse bemerkbar: Die Twitter-Aktie stürzte am Freitag um rund sieben, die Facebook-Aktie um rund acht Prozent ab. Sowohl Twitter als auch Facebook sind von Werbeeinnahmen abhängig. Facebook hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 70 Milliarden US-Dollar (rund 62 Milliarden Euro) mit Werbung umgesetzt.

Facebook kündigt weitere Änderungen an

Noch vor der Mitteilung der Coca-Cola Company hatte Mark Zuckerberg bereits Änderungen bei Facebook angekündigt, offenbar um den Vorwürfen der vergangenen Wochen zu begegnen. So wolle man künftig stärker gegen Hassnachrichten vorgehen und Falschmeldungen vor den US-Präsidentschaftswahlen löschen. Inkorrekte Inhalte, die Menschen in den drei Tagen direkt vor der Abstimmung im November vom Wählen abhalten sollen, würden entfernt, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Freitag in Palo Alto.

Außerdem würden die Standards für Werbung erhöht, um auch dort abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. Zuckerberg kündigte zudem an, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen, aber zum Beispiel aufgrund eines prominenten Absenders nachrichtenrelevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren. "Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt", so Zuckerberg.

Facebook wird schon lange vorgeworfen, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen. Angesichts der US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt war diese Kritik zuletzt wieder stark aufgeflammt. Anders als etwa Twitter, das umstrittene Beiträge von Donald Trump bereits mehrfach sperrte oder mit einem Hinweis versah, lässt Facebook den US-Präsidenten in der Regel gewähren. Eine Ausnahme war die Verwendung eines Nazi-Symbols in einer politischen Werbung Trumps. Dies war selbst Facebook zu viel und das Unternehmen sperrte den Beitrag.

Zum Ärger rund um Facebooks allzu liberale Moderation insbesondere gegenüber dem US-Präsidenten trug auch Mark Zuckerberg wesentlich bei. Der 36-jährige Konzernchef vertrat in einer Debatte um umstrittene Aussagen Trumps den Standpunkt, die oft als spaltend und herabwürdigend empfundenen Tiraden des US-Regierungschefs seien von der Redefreiheit gedeckt und Facebook müsse nicht einschreiten. Dafür musste sich Zuckerberg sogar vor seinen eigenen Mitarbeitern rechtfertigen.

Bürgerrechtler kritisieren Umgang mit Hetze

Die Debatte hat längst auch finanzielle Auswirkungen auf den milliardenschweren Social-Media-Konzern. Diverse, teils große Werbekunden kündigten an, vorerst keine Anzeigen mehr auf der Plattform zu schalten. US-Bürgerrechtsorganisationen hatten den Boykottaufruf unter dem Motto "StopHateforProfit" wegen Facebooks Umgang mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten gestartet und dafür viel Zustimmung bekommen.

Zu den Unterstützern der Kampagne zählen neben der "Liga gegen Diffamierung" (ADL) unter anderem die Gruppen "ColorOfChange" (Farbe des Wandels), "FreePress" (Freie Presse) und "Sleeping Giants" (Schlafende Riesen). "Lasst uns eine Nachricht an Facebook schicken: Eure Gewinne sind es nicht Wert, Hass, Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt zu fördern", hieß es in einer Erklärung.

Immer mehr Teilnehmer bei Werbeboykott

Zu den Firmen, die sich dem Facebook-Werbeboykott anschlossen, gehören etwa die Outdoormarken The North Face und Patagonia, der Eiscremehersteller Ben & Jerry's sowie seit neuestem auch Unilever, Honda und die Coca-Cola Company. Facebook müsse mehr tun, um die Nutzung seiner Plattform zur Spaltung Amerikas zu verhindern, begründete etwa Ben & Jerry's seine Entscheidung. Patagonia teilte mit, Facebook habe es versäumt, gegen die Ausbreitung von "hasserfüllten Lügen und gefährlicher Propaganda" auf seiner Plattform vorzugehen.

Auch der amerikanische Outdoor-Händler REI und die Digitalagentur 360i, die große Kunden wie Unilever, HBO oder Absolut Vodka betreut, haben ihre Werbung auf Facebook gestoppt und zu einem härteren Durchgreifen gegen Hass und Hetze im Netz aufgerufen.

Verwendete Quellen:

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