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Junges Team startet Plattform gegen Cybermobbing

Von dpa
24.05.2021Lesedauer: 3 Min.
Eine neue Plattform soll Opfern von Cybermobbing mit RatschlĂ€gen, Infos und weiterfĂŒhrenden Adressen helfen.
Eine neue Plattform soll Opfern von Cybermobbing mit RatschlĂ€gen, Infos und weiterfĂŒhrenden Adressen helfen. (Quelle: Armin Weigel/dpa./dpa)
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Schwerte (dpa) - Mit 12 steht er einer bedrohten MitschĂŒlerin bei und wird damit selbst zur Zielscheibe. Mit 13 grĂŒndet Lukas Pohland eine Initiative gegen Cybermobbing, berĂ€t Opfer telefonisch von seinem Kinderzimmer aus.

Mit 14 grĂŒndet der SchĂŒler den Verein Cybermobbing-Hilfe, wird Vorsitzender, klĂ€rt auf, schult, dreht Videospots. Der Jugendliche aus Schwerte wird als Experte im DĂŒsseldorfer Landtag angehört, in Talkshows eingeladen, beteiligt sich an PrĂ€ventionskampagnen in Schulen. Und jetzt, mit 16 Jahren, startet er mit jungen Mitstreitern fĂŒr Kinder und Jugendliche eine bundesweit wohl einzigartige Online-Beratungsplattform.

"Kinder und Jugendliche rufen heute eigentlich nicht mehr so an, sie wollen eher eine Online-Beratung", schildert Lukas. "Wir wollen Hilfe auf Augenhöhe bieten. Wir sind alle Digital Natives, mit Internet und Smartphone großgeworden. Wir können uns besser einfĂŒhlen als Erwachsene." Zehn Berater zwischen 15 und 21 Jahren stehen parat. Sie wollen Halt geben, erste Hilfe leisten, zuhören, Mut machen, konkrete Hilfen vermitteln, wenn SchĂŒler schikaniert, fertiggemacht werden - anonym, gnadenlos, systematisch, öffentlich.

Mobbing lĂ€uft vor allem ĂŒber soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram und Snapchat, passiere aber auch immer noch via Facebook und Whatsapp oder auch bei Online-Games. Videos und Fotos aus Umkleiden oder Toiletten werden gepostet oder nackte Körper auf Personenbilder gespiegelt. "Das ist schon sehr heftig. Man sieht, wie bösartig Kinder und Jugendliche sein können", berichtet der SchĂŒler, der souverĂ€n und unaufgeregt wirkt - und neben allen Vorbereitungen fĂŒr den Start der kostenlosen Plattform an diesem Mittwoch noch seine Abschlussklausuren schreibt.

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Alle im jungen Team sind "bestens ausgebildet", betont Lukas. Über Monate hinweg wurden sie von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) in Workshops geschult. Die Hilfesuchenden sollen immer von einem festen Ansprechpartner betreut werden, der dann gut im Bild sei. Sechs weibliche und vier mĂ€nnliche Berater aus mehreren BundeslĂ€ndern machen mit. Es handele sich um die deutschlandweit erste allein auf Cybermobbing spezialisierte Internet-Beratungsstelle, sagt der Initiator.

"FĂŒr betroffene Kinder und Jugendliche ist es leichter, sich an Menschen im selben Alter zu wenden. Man schĂ€mt sich auch nicht so wie gegenĂŒber Erwachsenen." Auf der Website der Cybermobbing-Hilfe fĂŒhrt ein Button auf die Beratungsseite, die Anmeldung kann anonym erfolgen. Die meisten Hilfesuchenden, die sich bisher telefonisch an seinen Verein wenden, nennen ihren Vornamen und Alter.

Drei erwachsene Supervisoren - MedienpĂ€dagogen und Psychologen - stehen den jungen Helfern zur Seite. "Falls wir selbst psychisch an unsere Grenzen kommen oder FĂ€lle so schwerwiegend sind, dass man als junger Berater eventuell UnterstĂŒtzung braucht." HĂ€ufig seien Folgen von anhaltendem Mobbing emotionale und psychische Probleme, RĂŒckzug, Ängste, ungesunde Selbstkritik, Depression, aber auch Suizidgedanken.

Das deckt sich mit der jĂŒngsten Studie "Cyberlife III" , fĂŒr die das BĂŒndnis gegen Cybermobbing 6000 SchĂŒler, Eltern und Lehrer 2020 bundesweit befragt hatte. Etwa jeder sechste zwischen 8 und 21 Jahren ist danach von Cybermobbing betroffen - fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche. Ein deutlicher Anstieg, hatte der Vorsitzende Uwe Leest im vergangenen Dezember betont. Und: "Es zeigt sich ganz deutlich, dass heute gezielter und hĂ€rter gemobbt wird." Jeder vierte Betroffene habe Suizidgedanken geĂ€ußert. Die Pandemie mit Homeschooling und mehr Zeit im Internet habe das Problem verstĂ€rkt, beobachtet das BĂŒndnis - ebenso wie Lukas, dessen Verein deutlich mehr Anfragen verzeichnet.

Lukas Pohland hatte in dem mehrfach prĂ€mierten Kurzfilm "Es wird besser" (2018) eine Nebenrolle als Mobbing-Opfer gespielt und Ende 2020 die "Initiative Digitale Empathie" - unter Schirmherrschaft von Staatsministerin Dorothee BĂ€r (CSU) - mitgegrĂŒndet. Dass er zum umtriebigen, engagierten und gefragten Experten geworden ist, liegt auch daran, dass er die Opferrolle kennt.

Als eine MitschĂŒlerin vor vier Jahren in der Klasse angepöbelt und ausgrenzt wurde, verteidigte er sie. "Da haben sie mich mit ins Visier genommen. Wir wurden im Netz beleidigt, bedroht, wir hatten wirklich Angst. Es war so ausweglos und wir haben uns gefragt, warum uns niemand hilft." Per Whatsapp wurden Fotos von ihnen mit Schmierereien gepostet und Bilder von Messern, kombiniert mit der Frage: "Wie stechen wir die am besten ab?" Obwohl klar war, wer hinter der Aggression steckte, verwies die Schule an die Polizei, die Polizei an die Schule. Das gemobbte MĂ€dchen gab auf, verließ die Schule, Lukas folgte. Was er fĂŒr völlig inakzeptabel hĂ€lt: "Die TĂ€ter durften alle in der Schule bleiben. Das ist schon bemerkenswert."

www.cybermobbing-hilfe.de

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